Ein grosser Teil der Corona-Kosten dürften nicht von Versicherungen gedeckt sein. Das sagte Bâloise-CEO Gert de Winter am Donnerstagmorgen an der jährlichen Bilanzmedienkonferenz. Mit Blick auf das eigene Unternehmen schätzt der die Kosten auf einen «tiefen zweistelligen Millionenbetrag», wobei die Auswirkungen derzeit noch schwer abzuschätzen seien.

Am ehesten dürften im Bereich der Reiseversicherungen Kosten auf die Versicherungswirtschaft zukommen, sagt de Winter. Dort sei Baloise jedoch eher unterdurchschnittlich exponiert. Auch bei Event-Versicherungen sei Baloise nicht sehr stark. Zudem seien dort krankheitsbezogene Ausfälle in der Regel nicht von den Versicherungen gedeckt.

Krankentaggeld-Versicherung zahlt meistens nicht

Auch krankheitsbedingte Arbeitsausfälle dürften mehrheitlich an den Unternehmen hängen bleiben. «Da spielt eine Rolle, wie lange die Leute effektiv krank sind», so De Winter. Bei einem Krankheitsverlauf von bis zu zwei Wochen bezahle der Versicherer normalerweise noch kein Taggeld, da meist längere Wartefristen gälten. Die Lohnfortzahlung geht in diesen Fällen zulasten des Arbeitgebers.

Betriebsunterbrüche aufgrund von Corona dürften auch nicht versichert sein, sagt Michael Müller, der Schweiz-Chef der Baloise. «Hier kommt es auf den Auslöser an.» Krankheitsfälle seien eher selten als Grund für einen Betriebsunterbruch versichert. «Und der Pandemiefall ist meistens generell ausgeschlossen.» Vor kurzem hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Covid-19 offiziell zur Pandemie erklärt.

Generalversammlung in «reduzierten Form»

Die Baloise rechnet derzeit damit, ihre Generalversammlung durchführen zu können. Man plane jedoch mit einer «reduzierten Form», sagt Thomas Sieber, Leiter des Corporate Centers. Konkret werden man wohl versuchen, Anreize zu setzen, dass Aktionäre nicht vor Ort an der GV teilnähmen, sondern ihre Stimmen delegierten. Die Details seien jedoch noch nicht klar.

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Die aktuelle Gesetzeslage verbiete es eigentlich, eine GV nur online durchzuführen, sagt Sieber. «Aber das könnte der Bund ja auch per Notrecht kurzfristig ändern.»

Die Bâloise steigerte den Aktionärsgewinn im vergangenen Jahr um beinahe einen Drittel auf 694,2 Millionen Franken. Der Konzerngewinn lag mit 689,5 Millionen nur unwesentlich darunter.

Treiber im Gewinn war im Wesentlichen ein buchhalterischer Effekt. Dank der Umsetzung der Unternehmenssteuerreform rechnen die Basler mit einem klar tieferen Steuersatz und konnten daher Steuerrückstellungen auflösen. Dieser Effekt habe das Ergebnis mit 149 Millionen Franken positiv beeinflusst. Den Aktionären will die Bâloise eine um 40 Rappen auf 6,40 Franken je Titel erhöhte Dividende bezahlen.