Nach der Elbphilharmonie in Hamburg bekommt auch Berlin einen Prestigebau der Basler Architekten Herzog & de Meuron. 2016 gewannen sie den Wettbewerb für das Museum des 20. Jahrhunderts am Berliner Kulturforum im Stadtteil Tiergarten. Mit dem Bau soll die umfangreiche Sammlung zur Kunst des 20. Jahrhunderts der Neuen Nationalgalerie endlich vollständig ausgestellt werden können. Nun wurde der zunächst heftig kritisierte Entwurf überarbeitet.

Das Museum soll auf einer grossen Freifläche im Zentrum der deutschen Hauptstadt entstehen und diese fast vollständig ausfüllen. Besonders auffällig ist dabei der äussere Eindruck einer «Scheune», wie das langgestreckte Gebäude mit dem flachen Satteldach von Berliner Medien genannt wird. Diese Grundform bleibt im neuen Plan erhalten. Doch die Architekten mussten in langen Verhandlungen mit der Stadt und anderen Einflussgruppen zahlreiche Änderungen am ursprünglichen Siegerprojekt vornehmen.

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«Es gab berechtigte Anliegen»

Ein Hauptkritikpunkt war die Nähe zu anderen Gebäuden. So störte sich die evangelische Kirche daran, dass das Museum bis auf acht Meter an die benachbarte neoromanische Kirche St. Matthäus herangerückt wäre. Auch andere Kritiker befanden den Bau als zu gross und gegen aussen abgeschlossen.

Kritik, der man nun Rechnung getragen habe, wie Pierre de Meuron gegenüber der «Welt» erklärte. «Es gab berechtigte Anliegen. Die haben wir aufgenommen. Wenn wir grosse, städtebauliche Nachteile gesehen hätten, dann hätten wir dagegengehalten.» Das Gebäude soll nun schmaler werden – und erhält riesige «Scheunentore», welche es gegen aussen öffnen und der bisherigen Schlichtheit Monumentalität verleihen.

Berlin

Die «Scheune» wird schmaler: Die evangelische Kirche verlangte mehr Abstand.

Quelle: Herzog & de Meuron

Wegen der kleineren Fläche muss das Gebäude in die Tiefe gebaut werden, um die benötigten 9000 Quadratmeter Austellungsfläche zu erhalten. Ausgearbeitet wurde zudem auch die unterirdische Verbindung zur Neuen Nationalgalerie, die kein einfacher Verbindungstunnel, sondern ebenfalls Ausstellungsfläche bieten soll.

Platane wird Ausstellungsstück

Eine weitere Änderung musste wegen einer alten Platane vorgenommen werden. Diese wäre dem ursprünglichen Projekt zum Opfer gefallen. Stattdessen bekommt sie nun einen eigenen Hof, der aus dem Gebäude ausgeschnitten wird. Für de Meuron kein Problem: «Gegebenheiten muss man akzeptieren. Wir wollten sie in unser Haus einbinden», so der Architekt zur «Welt». «Die Nische um die Platane hat grosse Qualität. Die Leute werden das lieben.»

Berliner Kulturforum

Lage am Berliner Kulturforum: Herzog & de Meuron mussten Kompromisse machen.

Quelle: © Herzog & de Meuron

Die Nachbesserungen haben ihren Preis. Mit den ursprünglich vom deutschen Staat bewilligten 200 Millionen Euro (umgerechnent 230 Millionen Franken) wird das Museum nicht errichtet werden können. Wie viel das Gebäude letztlich kosten soll, will die Regierung noch nicht bekanntgeben. Verschiedene Medien gehen indes von 400 Millionen Euro aus. Eine konkrete Zahl soll es im Sommer 2019 geben, wenn die Entwurfsphase abgeschlossen ist. Die Eröffnung wird auf Mitte der 2020er Jahre angestrebt.

Skandalprojekt Elbphilharmonie

Herzog & de Meuron gehören zu den bekanntesten Architekten der Welt. Berühmt wurden die Basler ebenfalls mit einem Museum für moderne Kunst. Der Umbau eines Kraftwerks zur Tate Gallery of Modern Art in London war für sie der internationale Durchbruch. Kurz nach der Eröffnung wurde das Architektenduo 2001 mit dem Pritzker-Architekturpreis ausgezeichnet.

In Deutschland errichteten Herzog & de Meuron mit der Elbphilharmonie ein neues Wahrzeichen der Stadt. Fast mehr als die architektonische Qualität des Baus gaben indes die massiven Verzögerungen und Kostenüberschreitungen zu reden. Das Konzerthaus wurde sieben Jahre später als ursprünglich geplant fertiggestellt und kostete die Stadt fast 800 Millionen Euro – veranschlagt waren 77 Millionen Euro gewesen.

Wo Herzog & de Meuron in der Welt präsent sind

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Wo Herzog & de Meuron in der Welt präsent sind: 2001 gewannen die Architekten den renommierten Pritzker-Preis – er gilt als Nobelpreis für Architektur. Den grossen internationalen Durchbruch schafften die Basler mit der Erweiterung der Tate Gallery in London. Das Museum wurde im Jahr 2000 in einem alten Ölkraftwerk, der Bankside Power Station eröffnet. Auch der Anbau, das 2016 vollendete Switch House, ist vom Schweizer Duo.