Mitte August fand in Bernhard Burgeners Fussballwelt wieder ein Abgang statt. Allerdings für einmal nicht beim FC Basel, sondern bei der Highlight-Tochter Team, welche die lukra­tiven Sportrechte der Uefa vermarktet.

Abgetreten war Jan Werner, langjähriger Finanzchef von Team und mehrere Jahre CEO der heutigen Konzernmutter Highlight Event and Entertainment AG (HLEE). Doch sein Abgang war ein stiller. Werner wurde ohne Kommentar aus dem Handelsregister gestrichen. Er habe Team «auf eigenen Wunsch verlassen», sagt Burgeners Sprecher Aloys Hirzel auf Anfrage.

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Quelle: Handelszeitung
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29 Millionen mit Sportrechtegeschäft

Team ist für die von Burgener geführte Highlight-Gruppe überlebenswichtig. Im Geschäftsbericht deklariert sie eine «Abhängigkeit von dem Grosskunden Uefa». 29 Millionen Franken verdiente Highlight 2019 mit dem Sportrechtegeschäft. Ein grosser Teil davon dürfte von der Uefa stammen, deren Champions League, Europa League und Super Cup von Team vermarktet werden. Mit den Einnahmen stopfte Highlight Löcher aus anderen Bereichen. Am Ende verblieb ein Gruppengewinn von 9,8 Millionen.

Die Abhängigkeit schafft einen Inte­ressenkonflikt mit einer anderen Firma, die seit 2017 von Burgener kontrolliert wird: dem FC Basel. Auch dieser geschäftet mit der Uefa. Weniger als Partner auf Augenhöhe, sondern als einer von vielen Empfängern von Geldern für die Teilnahme an Turnieren. 13 Millionen Franken nahm der Club 2019 aus Uefa-Wettbewerben ein, wie aus den Finanzinformationen für die aktuelle Saison hervorgeht. Wie die Uefa ihre Turniere zu Geld macht, hat einen direkten Einfluss auf den Club.

Dass die Konstellation heikel ist, wusste Burgener, als er den FCB kaufte. Schon lange davor hatte er der «Basler Zeitung» (BaZ) auf die Frage, ob er sich ein ­Engagement bei einem Club vorstellen könnte, geantwortet: «Das ist illusorisch und würde ich aus geschäftlichen Gründen nicht machen. Ich muss neutral sein. Solange wir mit unserer Agentur Team die Champions League und weitere Formate vermarkten, übernehme ich keine Funktion in einem Verein.»

Drei Garantien für die Uefa

Als es dann trotzdem dazu kam, versuchte Burgener, die Öffentlichkeit zu ­beruhigen. Über Anwalt Martin Wagner liess er 2017 verbreiten, dass er sich aus dem Geschäft von Team zurückziehe, um keine Interessenkonflikte zu haben. Wagner sagte, ebenfalls zur BaZ, er habe der Uefa drei Garantien geliefert: Bur­gener sei erstens nicht im operativen Geschäft von Team involviert und erhalte zweitens nur die nötigsten Kennzahlen. «Und drittens wird er aus sämtlichen Verwaltungsräten austreten, sollte sein Engagement beim FCB Tatsache werden.» Letzteres geschah kurz darauf im Juni 2017. Was damals keiner merkte: Gleichzeitig zog Uefa-Manager Martin Kallen in den Verwaltungsrat der Highlight-Tochter ein. Wohl als Aufpasser.

Am Vertrauensverhältnis zur Uefa habe sich mit «der Wahl von Bernhard Burgener zum Prä­sidenten des FC Basel nichts geändert», sagt sein Sprecher.

Doch inzwischen gelten Wagners Garantien offenbar nicht mehr. Im vergangenen Jahr kehrte Burgener in den Verwaltungsrat von Team zurück. Nicht nur in deren Holding, sondern auch in die operativen Tochtergesellschaften. Und nicht nur als einfacher Verwaltungsrat, sondern jeweils gleich als Präsident. Das belegt der Blick ins Handelsregister. Zwischen Wagners Versprechen und Burgeners Rückkehr in die Team-Gremien vergingen keine zwei Jahre.

Das Aufsichtsgremium ist übersichtlich. Nebst Burgener sitzen darin nur High­light-Finanzchef Peter von Büren und Uefa-Vertreter Kallen. Die Uefa schreibt auf Anfrage, sie behalte «die Angelegenheit ständig im Auge». Sie habe «Schutzmassnahmen ergriffen, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden».

Geschäftsverbindungen gibt es durchaus

Burgener bezieht auf Anfrage keine Stellung zum Sinneswandel. Am Vertrauensverhältnis zur Uefa habe sich mit «der Wahl von Bernhard Burgener zum Prä­sidenten des FC Basel nichts geändert», sagt sein Sprecher. Und er betont: Zwischen Highlight und dem FC Basel gebe es «keine institutionellen Verbindungen». Institutionell vielleicht nicht, aber geschäftlich durchaus: Diesen Frühling wurde bekannt, dass die Highlight-Firma Chameleo einen Beraterauftrag des FC Basel hat.

 

Gegen die Berater habe sich auf der Geschäftsstelle des Clubs Widerstand formiert, berichtete die «Sonntagszeitung» im Juni. Hirzel sagt, Chameleo habe geholfen, eine neue SAP-Plattform einzuführen. Unklar ist, wie viel Geld vom FCB an die Highlight-Tochter geflossen ist. Auch die Chameleo AG wird von Burgener präsidiert. Den Beratungs­vertrag konnte er wohl mit sich selber ­abschliessen.

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