Neben dem guten Ergebnis enthielt der Geschäftsbericht des Immobilienunternehmens Swiss Prime Site (SPS) zwei handfeste Überraschungen. Zum einen stellt SPS die Altersheim-Gruppe Tertianum zum Verkauf. Damit wolle man sich auf das Kerngeschäft und direkt mit diesem zusammenhängende Geschäftsfelder konzentrieren, so das Unternehmen.

Und zum anderen verlässt Jelmoli-Chef Franco Savastano die Firma. Er war seit April 2012 CEO des Warenhauses. Savastano wird eine «neue Herausforderderung ausserhalb von Jelmoli und SPS annehmen», wie SPS-Sprecher Mladen Tomic auf Anfrage sagt. Es handle sich um einen ganz normalen Jobwechsel, Dissonanzen habe es keine gegeben.

Wie für den gesamten Detailhandel ist das Umfeld für Jelomli in den letzten Jahren härter geworden. In den ersten sechs Monaten setzte Jelmoli – «The House of Brands» – laut Geschäftsbericht 57,2 Millionen Franken um. Im Vorjahreszeitraum hatte dieser noch bei 59,6 Millionen Franken gelegen. Schon für das ganze 2018 verzeichnete Jelmoli einen Umsatzrückgang und leichte Verluste.

Der Gewinn wird nicht separat aufgeführt, doch das gesamte Segment «Dienstleistungen» - zu dem sowohl Tertianum als auch Jelmoli gehören - erreichte ein operatives Ergebnis von 22,6 Millionen Franken. Das weniger als ein Zehntel des Gewinns der Immobiliensparte.

Andere Kundenbedürfnisse und europaweite Angleichung der Preise

«Der Premium Department Store begegnet dem herausfordernden Marktumfeld mit zusätzlichen Dienstleistungs- und Markenangeboten», heisst es in der SPS-Mitteilung zum Halbjahresergebnis etwas umständlich, in welcher Savastano für sein «grosses Engagement» gedankt wird.

Tatsächlich befindet sich Jelmoli im Umbruch. «Wir müssen uns ständig neu erfinden», so Savastano in einem Interview mit dem Medien-Magazin «Persönlich» im Juli. Die Bedürfnisse der Kunden hätten im Zuge der Digitalisierung sich stark verändert.

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Die Problematik das Detailhandels sieht Savastano in der hohen Produktkenntnis der Kunden – dieser wisse oftmals mehr über das Produkt als der Verkäufer – und der europaweiten Angleichung der Preise. Man ziehe zu wenig in Betracht, dass die Schweiz inzwischen mehrheitlich das gleiche Preisniveau wie Deutschland habe. Und dies, «obwohl bei uns die Löhne, die Mieten und die Lebenshaltungskosten viel höher sind».

Jelmoli Zürich

Jelmoli in Zürich: Warenhaus als «Erlebniswelt».

Quelle: Keystone

1833 in Zürich gegründet

Jelmoli wurde 1833 in Zürich als Modegeschäft gegründet. Bis in die 1990er-Jahre entstanden Standorte in vielen Schweizer Städten. Inzwischen ist indes nur noch das Warenhaus Jelmoli an der Zürcher Bahnhofstrasse übrig geblieben. 2009 wurde Jelmoli von SPS gekauft.

Savastano wollte mit Jelmoli in den nächsten Jahren erneut durchstarten. 2020 wird der Detailhändler zwei neue Geschäfte im Milliardenprojekt The Circle des Zürcher Flughafens eröffnen. Laut Savastano müssen Warenhäuser zu «Erlebniswelten» werden, wenn sie mit der Konkurrenz aus dem Internet mithalten wollen. Statt mit Rabatten oder Aktionen wie dem «Black Friday» setzte Savastano auf «Innovation oder Neugierde» der Kunden. «Dies ist ein anderer und in unseren Augen nachhaltigerer Ansatz.»

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Das gleiche Schicksal wie Globus?

Dass Savastano das Geschäft nun verlässt, ist ein weiterer Hinweis auf die Schwierigkeiten, mit denen hochpreisige Kaufhäuser in der Schweiz konfrontiert sind. Ende Juni hatte Migros die Warenhauskette Globus zum Verkauf gestellt, die in einem ähnlichen Segment wie Jelmoli tätig ist. Der Abgang von Savastano nährt Spekulationen, wonach sich SPS ebenfalls von Jelmoli trennen könnte. Das Immobilienunternehmen hat sich in der jüngeren Vergangenheit aber mehrere Male für eine Zukunft mit Jemoli ausgesprochen.

Die Positionierung ist für Warenhäuser wie Globus und Jelmoli indes schwieriger denn je. «Wer früher Waschmittelwerbung machte, kannte seine Zielgruppe», so Savastano. «Dies ist heute längst nicht mehr der Fall, das Erkennen der Adressaten ist viel schwieriger geworden.»

 

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