Die Forschung nach einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 nimmt deutlich Fahrt auf. Das deutsche Biotech-Unternehmen Biontech steht davor, einen möglichen Impfstoff an Probanden zu testen. Das Mainzer Unternehmen vermeldet «rapide Fortschritte» – der entsprechende Produktkandidat werde Ende April in die klinische Phase gehen.

Das an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq kotierte Unternehmen konkurrenziert damit dem bisherigen Frontrunner Moderna: Das US-Unternehmen wird ebenfalls im April mit klinischen Versuchen starten.

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Auch gut im Rennen ist die deutsche CureVac; sie will im Juni oder Juli mit Tests an Menschen beginnen.

Das Unternehmen aus Tübingen hat am Wochenende für Verstimmung zwischen Berlin und Washington gesorgt haben. Die «Welt am Sonntag» berichtete, US-Präsident Donald Trump habe versucht, seine Hand auf das Unternehmen zu legen und es dazu zu verpflichten, einen allfälligen Impfstoff ausschliesslich den USA zur Verfügung zu stellen. Von einer Milliarde Dollar sei die Rede gewesen, die Trump geboten habe.

Ein striktes Dementi kam dazu von Richard Grenell, US-Botschafter in Berlin. «Not true, the Welt story was wrong», schrieb der Trump-Vertraute  auf Twitter

SAP-Gründer Dietmar Hopp spricht Klartext

SAP-Gründer Dietmar Hopp, der über seine Dievini Hopp BioTech Holding seit 2005 an Biontech beteiligt ist und 80 Prozent der Aktien hält, sprach sich heute morgen gegen jegliche regionale Bevorteilung aus. Er sei dem Ziel, «alle Menschen vor Infektionen zu schützen und Patienten weltweit besser therapieren und im besten Fall heilen zu können» ebenso verpflichtet wie «meiner Absicht, nachhaltige innovative Infrastruktur und Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen».

Wenn es hoffentlich bald gelinge, einen wirksamen Impfstoff gegen das Corona-Virus zu entwickeln, «soll dieser Menschen nicht nur regional sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können».

Zweitgrösster Aktionär von Biontech ist die Bill & Melinda Gates Foundation. Die Stiftung ist einer der wichtigsten Akteure in der Impfstoff-Forschung. Sie ist Partnerin der Cepi, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, einer Public Private Partnership in Oslo, die 2016 am Weltwirtschaftsforum in Davos ins Leben gerufen wurde, um die Impfstoff-Forschung mit Blick auf Virusausbrüche wie jetzt mit Covid-19 voranzutreiben.

Die Tübinger arbeiten mit dem renommierten staatlichen Paul-Ehrlich-Institut zusammen.  

Das Geheimnis der drei Spitzenreiter: RNA-Technologie

Alle drei Unternehmen – die beiden deutschen Biontech und CurVac und die amerikanische Moderna – arbeiten mit einer neuen – und, so die Hoffnung – weniger gefährlichen – Technologie, der sogenannten mRNA (für Messanger-RNA oder Boten-RNA). Das heisst, sie setzen nicht mehr inaktive Viren oder Virenbestandteile ein; stattdessen arbeiten sie mit der Ribonukleinsäure oder der «Bauanleitung» des Virus, um eine Infektion zu simulieren und das Immunsystem dazu zu bringen, Antikörper zu bilden – damit der Körper gewappnet ist, wenn er tatsächlich mit dem Conornavirus konfrontiert ist.

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Biontech wird seine Tests an Probanden in Europa – beginnend in Deutschland –, in den USA und China durchführen. Das genaue Setting der klinischen Studie ist noch nicht bekannt.

Partnerschaft mit Fosun aus Shanghai

Zudem vermeldete Biontech heute, dass es für die Entwicklung und Kommerzialisierung des Impfstoffs in China eine strategische Partnerschaft mit Fosun Pharmaceuticals eingegangen sei, einem der grössten chinesischen Pharmaunternehmen. Fosun Pharmaceuticals gehört mehrheitlich zu Fosun International und ist in Shanghai kotiert.

Sollte es zu einer Zulassung kommen, so wird Fosun Pharmaceuticals den Impfstoff in China vermarkten. Ausserhalb Chinas bleiben die Rechte bei Biontech. Das Unternehmen erhält Vorauszahlungen und Meilensteinzahlungen im Umfang von bis 135 Millionen Dollar.

Im Rahmen der Partnerschaft wird sich Fosun Pharamceuticals mit 50 Millionen Dollar an Biontech beteiligen. Das chinesische Unternehmen übernimmt 1,58 Millionen Aktien von Biontech, was einem Anteil von 0,7 Prozent entspricht. Sollte es zu einer Kommerzialisierung kommen, so werden sich die beiden Unternehmen die daraus entstehenden Gewinne in China teilen.

Zudem ist das Unternehmen mit dem amerikanischen Pharmagiganten Pfizer über eine Partnerschaft über die Entwicklung und Kommerzialisierung des Impfstoffs ausserhalb von China im Gespräch.

Weiter kündigte Ugur Sahin, Gründer und CEO von Biontech, an, dass das Unternehmen an neuartigen Therapieansätzen für diejenigen Patienten arbeite, die schon infiziert seien; würde diese Pläne werde in den kommenden Wochen orientiert.

Gut möglich deshalb, dass man sich den Namen des Mainzer 450-Mann-Betriebs, das im Rahmen seiner immunonkologischen Forschung unter anderem mit der Roche-Tochter Genentech eine Partnerschaft hat,  auch noch im Zusammenhang mit der Suche nach einem Medikament gegen das neuartige Coronavirus wird merken müssen.

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