Roche setzt neue Massstäbe beim Coronavirus-Testing: Der Basler Pharmakonzern kommt mit einem vollautomatisierten Test auf den Markt, der monatlich millionenfach durchgeführt werden kann und erst noch nur dreieinhalb Stunden statt wie andere Tests Tage dauert. Er wird damit die Test-Kapazitäten weltweit drastisch erhöhen. Es sei ein «Quantensprung», sagte Konzernchef Severin Schwan im Gespräch mit HZ.

Nur: Warum ist ein breites Testing so wichtig?

Teste sind im Moment das einzige Instrument, das im Kampf gegen Covid-19 medizinisch zur Verfügung steht – abgesehen von einer guten Versorgung derjenigen, die schwer erkranken. Gewiss, die Suche nach einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 läuft auf Hochtouren. Doch selbst in der besten aller Welten wird es noch Monate dauern, bis die Bevölkerung breit gegen Covid-19 geschützt werden kann. Gewiss, es werden bereits zugelassene antivirale und andere Medikamente, zum Beispiel gegen schwere Lungenkrankheiten, darauf getestet, ob sie sie womöglich auch gegen Covid-19 wirken; doch auch hier wird es noch eine ganze Weile dauern, bis wir wissen, was die Industrie hier wirklich im Köcher hat.

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Ein breites Testing wird es möglich machen, sich künftig ein akkurateres Bild vom Verlauf der  Covid-19-Pandemie zu machen. Ziel muss sein, möglichst alle, die verdächtige Symtome wie Husten aufweisen, auf das neue Coronavirus zu testen. Nur so wird es möglich sein, die Belastungen, die auf die jeweiligen Gesundheitssysteme zukommen, frühzeitig zu erkennen und, so weit wie möglich, Gegensteuer zu geben und die Zahl der Menschen, die am neuen Coronavirus sterben wird, möglichst tief zu halten.

Denn genau das war bis jetzt nicht der Fall: Das Testing gehörte bis jetzt zu den grossen Schwachstellen bei der Bekämpfung des neuen Coronavirus. Längst nicht alle, die in den vergangenen Wochen in China, Iran oder Italien Symptome hatten, die eine Infektion mit dem neuen Coronavirus vermuten liessen, wurden auch wirklich getestet.

«Das setzt in den Spitälern Ressourcen frei, die in diesen Zeiten dringend anderswo gebraucht werden.»

Zudem wird es möglich werden, genauer zu erfahren, wie gefährlich diese Pandemie wirklich ist. Die Angaben, wie tödlich Sars-CoV-2 ist, variieren noch immer stark. Man weiss zwar, wie gross der Zähler ist, also die Zahl der Toten – zur Zeit sind es bereits mehr als 5'000; aber der Nenner, also die Zahl der Infizierten, liess sich bis nicht wirklich beziffern. 

Und schliesslich haben die Test-Kapazitäten, die Roche nun auf den Markt wirft, auch einen unschätzbaren praktischen Vorteil – einen Vorteil, der Leben retten kann: Der Roche-Test muss, anders als andere Tests, nicht manuell durchgeführt werden; er läuft praktisch vollautomatisch auf grossen Diagnostikgeräten. Das setzt in den Spitälern Ressourcen frei, die in diesen Zeiten dringend anderswo gebraucht werden.