Wie hektisch waren die letzten Tage?
André Helfenstein: Sehr hektisch. Unser Team hat praktisch rund um die Uhr gearbeitet, Wochenende inklusive. Nur deshalb konnten bis gestern Dienstag die Details geklärt und intern die Umsetzung für die Kreditvergabe vorbereitet werden.

Wie viele Mitarbeitende waren bei der Vorbereitung im Einsatz, wie viele sind heute im Einsatz, um den Ansturm der KMU-Chefs abzufangen?
Bei der Vorbereitung waren rund 100 Leute involviert, unter anderem Kreditspezialisten, Digitalisierungsexperten, Kundenberater, Juristen. Zudem haben wir unsere Mitarbeitenden in der Beratung und im Business Center geschult, um ab heute Morgen bereit zu sein. Für die Abwicklung der Kreditanträge werden wir zusätzlich über 100 Mitarbeiter einsetzen, damit unsere KMU-Kunden so rasch wie möglich zu ihrem Geld kommen. Insgesamt stehen über 500 Leute bereit.

Das Paket: So kommen Zehntausende KMU jetzt zu Geld

Bundesrat Ueli Maurer informiert über die Hauptpfeiler des Liquiditäts-Pakets. Die Nationalbank stellt die Refinanzierung der Banken sicher. Die Details gibt es hier

Bei den Kreditbegehren über 500’000 Franken, also dem Programm Kreditfazilität 1, werden bei Ihnen weniger Firmen anklopfen als beim Programm Kreditfazilität 2, weil Sie primär grosse Firmen als Kunden haben?
Wir erwarten einen grossen Ansturm für die Kreditfazilität 1. Da wir auch sehr viele grössere KMU-Kunden haben, wird es sicher auch zahlreiche Interessenten für die Kreditfazilität 2 geben für Kredite über 500’000 Franken.

Bundesrat Ueli Maurer meint, die Gesuche aus der Fazilität 1 könnten von den Banken in 30 Minuten durchgewinkt werden. Realistisch?
Wir setzen alles daran, diese Frist einzuhalten, und bereiten uns entsprechend vor. Bei den Anträgen aus der Fazilität 2 orientieren wir uns an einem Aufwand von einem Tag. Bei komplexeren Fällen wird es vermutlich etwas länger dauern. Oberstes Ziel ist immer, dass die Firmen so rasch wie möglich zu ihrem Kredit kommen.

Welchen Zinssatz werden Sie verlangen bei den Krediten über 500’000 Franken, wo Sie 15 Prozent des Risikos tragen?
Auf den 15 Prozent sind wir grundsätzlich frei bei der Zinsgestaltung. Die Banken werden dort wohl einen marktüblichen Zins verlangen. Das hängt sehr stark von Risikoprofil der Firma ab.

Genauer?
Ich sehe da einen Zinssatz zwischen etwas über 1 und maximal 2,5 Prozent. Wir wollen bei der Festsetzung verantwortungsvoll vorgehen.

Verdienen wollen Sie aber auch?
Nein, wir wollen nichts an den Überbrückungskrediten verdienen. Falls am Schluss Geld übrig bleibt, werden wir es zugunsten von Projekten zur Unterstützung von Schweizer Unternehmen in Notlage spenden.

Sie können sich bei der Nationalbank zu sehr günstigen Konditionen refinanzieren, mit 0,75 Prozent, richtig?
Bei dem vom Bund garantierten Teil in der Höhe von 100 Prozent bei den Fazilitäten 1 und bei den 85 Prozent bei den Fazilitäten 2 ist das so. Damit wirkt die Nationalbank unterstützend. Aber es wird auch Bargeld auf unseren Konten liegen, dieses Geld muss von uns refinanziert werden. Das kostet.

Wer ist André Helfenstein?

Der unbekannte André Helfenstein übernahm im Februar das zentrale Schweiz-Geschäft mit 12’500 Mitarbeitenden. Wer ist der neue Mann auf dem Top-Posten? Das Porträt über den Spitzenmanager lesen Sie hier

Was Ihnen weiter zugute kommt: Die Finanzmarktaufsicht Finma hebt den antizyklischen Kapitalpuffer auf, den sie zur Stärkung der Eigenkapitalausstattung eingeführt hat. Dieser Puffer hat von Ihnen zusätzliche Eigenmittel in der Höhe von 1,5 Prozent verlangt.
Dieser Entscheid der Finma ist eine Erleichterung. Aber nochmals: Im Zentrum dieser Anstrengung steht die Liquidität der Unternehmen in der Schweiz. Diese garantieren wir, indem vier Stellen zusammenwirken: Der Bund steht an vorderster Front, dann erleichtern SNB und Finma mit diversen Massnahmen das Vorgehen, die Banken wiederum setzen das Programm um und stellen das Geld zur Verfügung. Diese vier Faktoren führen der Wirtschaft die notwendige Liquidität zu, und zwar unter hohem Zeitdruck.

Der Finanzpuffer aus der Too-big-to-fail-Regulierung war ein Reizthema für die Banken, jetzt sind Sie ihn auf einen Schlag los.
Nochmals, für uns stand dies nicht im Vordergrund. Zentral war eine schnelle Sicherstellung der Liquidität.

Sie sind erst seit Mitte Februar Schweiz-Chef der Credit Suisse – und haben in den letzten Wochen einiges erlebt: einen Wechsel an der Bankspitze, Ihre Beförderung zum Schweiz-Chef und jetzt eine historische Rettungsaktion.
Es ist in der Tat viel passiert. Man wünscht sich Turbulenzen nicht, aber wenn sie geschehen, will ich meinen Teil beitragen. Ich bin stolz darauf, dass ich mithelfen kann bei dieser für die Schweizer Firmenlandschaft wichtigen Aktion – und ich bin stolz aufs Team, das im Hintergrund gewirkt hat und sich jetzt für die Umsetzung kümmert.

CS will allfällige Gewinne spenden

Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse wollen an den Covid-19-Überbrückungskrediten des Bundes nichts verdienen. Allfällige Gewinne sollen gespendet werden, wie entsprechenden Medienmitteilungen der Banken vom Mittwochabend zu entnehmen ist.

Die UBS werde auf die Gewinnmarge aus den Zinsen dieser Kredite verzichten, schreibt die grösste Schweizer Bank. Das Geld fliesse in einen «spezifischen Hilfsfonds zur Unterstützung konkreter Projekte zugunsten der Gemeinschaft», heisst es. Zusätzlich zu anderen gesellschaftlichen Engagements weltweit werde die UBS zudem weitere 30 Millionen Dollar für schweizerische und globale Covid-19-Hilfsprojekte zur Verfügung stellen.

CEO Sergio Ermotti sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AWP: «Wir unterstützen diese Initiative des Bundesrates und wir sind ein Teil der Lösung.» Die Bank wolle daher an der Initiative nichts verdienen.

Die Konditionen der Notkredite seien günstig ausgestaltet, weil es hier um die Unterstützung der KMU und der Schweizer Wirtschaft gehe, heisst es vonseiten der CS.

(awp/tdr)

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