Was hätte wohl Redi dazu gesagt? Oder besser: gekrächzt. Der Vogel hätte wild mit seinen Flügeln geflattert, hätte er mitbekommen, was derzeit beim Kabelnetzbetreiber UPC abgeht. Der Papagei war das Maskottchen von Rediffusion, deren Kabelnetz 1996 in Cablecom aufging. Und die mit Gründungsjahr 1931 so etwas wie die Ur-Ahnin der heutigen UPC darstellt (siehe Grafik).

Und bei dieser geht es turbulent zu. Im Herbst hätte sie von Sunrise übernommen werden sollen. Doch wegen Unstimmigkeiten im Aktionariat kam die Fusion nicht zustande. In der Folge wurde viel über Sunrise gesprochen, kaum aber über die verschmähte Braut. Dabei sind die Folgen für UPC gravierender als für Sunrise. Flattertage in der Kabelzentrale.

Nun muss es ein neuer Chef richten: Vergangene Woche wurde UPC-Schweiz-Chefin Severina Pascu durch Baptiest Coopmans ersetzt. Pascus Abzug bestätigt, was viele schon länger vermuteten: Die Rumänin kam 2018 wohl zum Handkuss, weil man eine suchte, die die Firma bis zum absehbaren Verkauf führte. Mehr wurde von ihr nicht erwartet. Nun hat sie ihre Schuldigkeit getan und kann gehen.

Coopmans ist bereits der siebte CEO seit der Gründung der damaligen Cablecom. Er dürfte den Auftrag haben, UPC Schweiz auf eine neue Transaktion vorzubereiten. Denn ­eines ist bekannt: Das Mutterhaus von UPC, die amerikanische Liberty Global, will keine Töchter mehr, die nur Kabel, aber keine Funkmasten besitzen. Ländergesellschaften ohne Mobilnetz wurden verkauft: etwa jene in Deutschland und Österreich. Seither wird die Schweiz in einer Restgesellschaft zusammen mit Polen und der Slowakei geführt.

Doch ein Deal wird schwierig, denn Schweizer Interessenten fehlen. Sunrise ist blockiert, da sie mit einem baldigen zweiten Anlauf ihre Glaubwürdigkeit infrage stellen würde. Noch im Herbst sagte der – mittlerweile abgetretene – CEO Olaf Swantee, die Übernahme sei definitiv vom Tisch. Salt-Eigentümer Xavier Niel wiederum zeigte bisher wenig Inte­resse an einer teuren Festnetz-Übernahme. Er setzt lieber auf punktuelle Kooperationen mit Glasfasernetzen. Und Ex-Monopolistin Swisscom, deren Vorgängerin PTT einst selbst an Cablecom beteiligt war, kommt mit ihrem gut ausgebauten Festnetz sowieso nicht infrage.

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Mehr Anschlüsse, weniger Kunden

Die Zeit spielt gegen UPC, denn das Geschäft läuft schlecht. Beim Fernsehen verlor sie seit 2013 einen Drittel der Kunden, obwohl die Zahl der theoretisch angeschlossenen Haushalte in der gleichen Zeit weiter zunahm. Der Anteil der aktiven Anschlüsse sank von 68 auf 44 Prozent. Kunden verliert UPC mittlerweile auch im hochmargigen Premium-­TV-Segment, bei den Internetdienstleistungen und in der fast kostenlosen Festnetztelefonie.

Auch die Einnahmen aus dem erst 2018 lancierten Sportsender My Sports sind rückläufig, wie der letzte Liberty-Quartalsbericht festhält. Nur das zusammen mit der Swisscom angebotene Mobilfunkangebot wächst noch. Kein Wunder, hat UPC-Aktionärin Liberty Global die Lust verloren.

Und so wird spekuliert, Liberty könnte den Exit nun über den umgekehrten Weg suchen und sich selber bei einem Mobilfunker einkaufen. Anschliessend könnte der so geschaffene Vollanbieter verkauft oder an die Börse gebracht werden. Es wäre nicht der erste Versuch eines IPO: 2005 war ein solcher bereits angekündigt. In letzter Minute sprang damals Liberty als Käuferin ein. Vor allem aber wäre es nicht der erste Verkauf.

Die Aktien wurden rumgereicht

Anders als das Mutterhaus ist UPC Schweiz ein Kellerkind der Telekom. Im Vorfeld der Liberalisierung noch euphorisch begrüsst, verloren die Besitzer bald das Interesse. Schon zum sechsten Geburtstag schenkten sie der damaligen Cablecom mit der britischen NTL eine neue Eigentümerin. Diese finanzierte den 5,8 Milliarden Franken teuren Kauf über Schulden, die fortan die Bilanz von Cablecom belasteten. Und unter denen diese beinahe kollabierte.

Der einstigen Cash-Cow fehlten plötzlich Mittel für Investitionen. Vermutlich deshalb verschlief Cablecom die Digitalisierung lange und ermöglichte es Konkurrentin Swisscom überhaupt erst, ins Fernsehen einzusteigen. 2003 übernahmen die kreditgebenden Banken das Zepter bei Cablecom.

2005 erhielt Cablecom mit Liberty einen starken, in der Branche verwurzelten Aktionär und 2009 mit Eric Tveter den besten CEO. Die niederländische UPC-Zentrale verordnete Cablecom eine Frischzellenkur, die Schweiz wurde in die UPC-Welt eingegliedert.

Doch die Kur hat ihre Wirkung ­verloren – und Liberty Global das Interesse. Wäre der Papagei Redi noch im Amt, er käme mittlerweile ziemlich gerupft daher. Coopmans Aufgabe ist es daher, den Vogel wieder flügge zu machen. Oder ihn unter fremde Fittiche zu bringen.

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