Über Michael A. Reinstein ist wenig bekannt. In seiner Gegend ist das ungewöhnlich: Der knapp 50-Jährige wohnt im noblen Beverly Hills, wo Filmstars und andere Prominente residieren. In jungen Jahren habe er als Praktikant im Büro von US-Präsident Ronald Reagan gearbeitet, ist zu erfahren.

Reinstein machte Karriere, führte Firmen wie die Finanzgesellschaft Frank Templeton und gründete später seine eigene Beteiligungsgesellschaft Regent. Mit Regent kauft er Firmen auf. Das Portfolio gleicht dem Sortiment eines Gemischtwarenladens: Die kanadische Unterwäschemarke La Senza gehört dazu, die französische Velomarke Mavic oder die US-Coiffeur-Kette Supercuts.

Escadas Glanzzeiten liegen lagen zurück

Seit letzten Herbst gehört Reinstein auch die deutsche Modemarke Escada. Die frühere Besitzerin war wesentlich glamouröser als der kühl rechnende Finanzinvestor: Escada hatte Megha Mittal gehört, der Schwiegertochter des indischen Stahlunternehmers Lakshmi Mittal.

epa03294611 A picture made available on 04 July 2012 shows Indian Megha Mittal, chairwoman and managing director of German luxury fashion brand Escada, arriving for the event 'The World of Escada' at KaDeWe (Department Store of the West) during Berlin Fashion Week in Berlin, Germany, 03 July 2012. EPA/JENS KALAENE

Megha Mittal: Die Milliardärin mit Wohnsitz in London gehört zur indischen Stahl-Dynastie Mittal.

Quelle: Keystone

Zehn Jahre lang hatte die Londoner Milliardärin versucht, dem ikonischen deutschen Label wieder zum Erfolg zu verhelfen. In den 1990-er Jahren war Escada noch die erfolgreichste Damenmodefirma der Welt gewesen, für «opulente Kollektionen mit den berühmten Goldknöpfen bekannt», schreibt das «Handelsblatt».

Doch Mittal gelang es nicht, diese Glanzzeiten aufleben zu lassen. Als die Verluste immer grösser wurden, versuchte sie, Escada zu verkaufen. Nach einer schwierigen Suche zeigte schliesslich Regent Interesse.

Reinstein will sparen

Reinstein will rasch bessere Resultate sehen. Bereits in diesem Jahr solle Escada ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen, forderte er im Januar.

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Er hat das Topmanagement ausgetauscht und will sparen. Beobachter rechnen mit einem Stellenabbau – derzeit beschäftigt der Münchner Konzern noch 1300 Angestellte.

Ein Ableger im Tiefsteuerkanton Zug

In den Plänen des Finanzinvestors spielt offenbar auch die Schweiz eine Rolle: Reinstein hat zwei neue Gesellschaften im Kanton Zug gegründet, wie dem Handelsregister zu entnehmen ist.  Hinter der einen Neugründung, einer «Margaretha International Gmbh», steckt als Gesellschafterin die Luxemburger Holding von Escada. Michael Reinstein ist als Geschäftsführer eingetragen.

Margaretha International erwirbt und verwaltet «geistiges Eigentum» – womöglich steuert Escada über sie gewisse Markenrechte. Das ist aber reine Spekulation: Reinsteins Schweizer Treuhänder will keine Auskünfte darüber geben, was der Kalifornier mit den neuen Gesellschaften bezweckt – und wieso der Investor sie ausgerechnet im Tiefsteuerkanton Zug angesiedelt hat.