Die an der Börse gehandelten Schweizer Immobilienfonds haben sich letztes Jahr stark aufgewertet. Rechnen Sie mit deutlichen Kursgewinnen in diesem Jahr?
Nach einer sehr starken Performance im vergangenen Jahr sowie einem guten Start ins 2020 sind die Bewertungen bei den Immobilienfonds auf extreme Niveaus gestiegen.

Christoph_Schenk_ZKB_Börseninterview

Christoph Schenk ist Anlagechef (Chief Investment Officer) der Zürcher Kantonalbank.

Quelle: ZVG

Mit dem Einbruch der Aktienkurse aufgrund der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus haben aber auch die Preise der Immobilienfonds deutlich korrigiert. Es ist klar, dass aufgrund der Corona-Krise vor allem die Mieteinnahmen bei Geschäftsflächen wegzufallen drohen.

Aufgrund der angeordneten Schliessung der meisten Läden und des Gastgewerbes nahmen die Begehren auf Mietstundungen und Mietzinserlasse deutlich zu. Und auch die tiefste Rezession in der Schweiz seit Mitte der 1970er-Jahre wird an den Büroflächen nicht spurlos vorübergehen.

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«Insgesamt sind Immobilienfonds aber nach wie vor nicht günstig bewertet, daher sehen wir wenig Aufwärtspotenzial bei den Preisen.»

Hingegen sind die Erträge aus der Wohnungsvermietung krisenresistenter. Der Markt hat mittlerweile gut differenziert und Immobilienfonds mit Fokus auf Geschäftsflächen deutlich stärker abgestraft als Wohnimmobilienfonds. Insgesamt sind Immobilienfonds aber nach wie vor nicht günstig bewertet, daher sehen wir wenig Aufwärtspotenzial bei den Preisen. Allerdings bleiben sie aufgrund der nach wie vor attraktiven Ausschüttungsrenditen und den guten Diversifikationseigenschaften gerade in der aktuellen Krise ein wichtiger Bestandteil in unseren Portfolios.

Was sind die wichtigsten Trends und Entwicklungen, die durch die Corona-Krise Schub erhalten?
Eine neue gesellschaftspolitische Entwicklung wird der nachhaltig andere Umgang der Menschen miteinander sein. Schutzmasken werden auch in Europa zur Normalität. Bestehende Trends wie die Re-Nationalisierung von Handelsströmen, Digitalisierung der Arbeitswelt oder internetbasierter Handel werden sich beschleunigen.

Auf wirtschaftspolitischer Ebene hat das Coronavirus die bereits zuvor schon expansive Geld- und schuldenfinanzierte Fiskalpolitik in nochmal neue Dimensionen katapultiert.

Chinas Wirtschaft scheint sich am schnellsten von den Folgen der Pandemie zu erholen. Sehen Sie Schweizer Unternehmen, die von einem Aufschwung in China stark profitieren könnten?
Ob sich China am schnellsten von den Folgen der Pandemie erholt, bleibt noch abzuwarten. Zumindest lässt sich sagen, dass das Virus dort zuerst auftrat und China sich als erstes Land davon zu erholen scheint.

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Insofern profitieren diejenigen Schweizer Unternehmen, die einen hohen Anteil ihrer Güter und Dienstleistungen in das Reich der Mitte exportieren wie zum Beispiel die Pharmaindustrie.

Der Ölpreis ist historisch tief. Welche Branchen und Sektoren profitieren davon – und können auch Anleger daraus einen Nutzen ziehen?
Normalerweise profitieren Branchen/Sektoren mit einem hohen Energieverbrauch von tiefen Rohölpreisen. Dazu zählen Transport- und Logistikunternehmen und auch die verarbeitende Industrie. In Zeiten der Corona-Krise kann man sich als Investor jedoch nicht alleine auf die Kosten abstützen, sondern muss auch die Ertragsseite des jeweiligen Sektors genau betrachten.

Die Aviatik beispielsweise profitiert zwar von tiefen Energiepreisen, die Nachfrage nach Flugreisen ist jedoch gering. In der aktuellen Situation sind Logistikunternehmen mit Gütertransporten besser aufgestellt, da der Warenverkehr weniger eingeschränkt ist.

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Das bestimmt im Wesentlichen der weitere Verlauf der Coronavirus-Pandemie. Sollte sich das öffentliche Leben in der Schweiz sowie im Rest der Welt sukzessive normalisieren und eine erneute Ansteckungswelle vermieden werden können, wird der Schweizer Aktienmarkt seine Erholung fortsetzen. Im umgekehrten Fall könnte es jedoch nochmals turbulent werden.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Trotz der aktuell grossen Verunsicherung der Investoren, spricht einiges dafür, dass der SMI in zwölf Monaten höher notiert. Unseren Prognosen zufolge wird das wirtschaftliche Wachstumstief im derzeit laufenden Quartal erreicht, so dass mit Beginn der zweiten Jahreshälfte die Erholung einsetzt.

Damit stabilisieren beziehungsweise verbessern sich die Gewinn- und Dividendenaussichten der Unternehmen und das Fundament für einen neuen Aufwärtstrend am Aktienmarkt ist gelegt.

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Das Interview wurde schriftlich geführt.