Wegen des Lockdowns müssen auch in den Schweizer Einkaufszentren fast alle Geschäfte geschlossen bleiben. Für den hiesigen Detailhandel ist das nicht unerheblich, denn die 5'000 Geschäfte und Restaurants in den 191 Shopping-Centers des Landes stehen für einen Anteil von 19 Prozent des gesamten Retailgeschäft. In guten Zeiten spielen die Malls also einen jährlichen Umsatz von rund 17 Milliarden Franken ein.

Jetzt aber sind die Zeiten schlecht. Was das für die Einkaufstempel bedeutet, hat der Swiss Council of Shopping Places hochgerechnet.

Auf einen Nenner gebracht: «Aufgrund des Lockdowns und der damit verbundenen Schliessung eines Grossteils aller Geschäfte und Gastronomiebetriebe verlieren die Schweizer Shopping-Center im Moment pro Tag zirka 39 Millionen Franken Umsatz», schreibt die Schweizer Vereinigung von Detailhändlern und Handelsimmobilien-Spezialisten.

Entscheidend: Der Mietermix

Als Berechnungsgrundlage wurde dabei die geschätzen und hochgerechneten Umsätze derjenigen Branchen genommen, welche gemäss aktueller BAG-Verordnung überhaupt noch geöffnet sein dürfen: Lebensmittelgeschäfte und Gesundheitseinrichtungen.

In seiner Prognose geht der Swiss Council of Shopping Places davon aus, dass nicht alle 191 Einkaufszentren gleich stark betroffen sind. Weil der Flächen- und Umsatzanteil jener Geschäfte, die noch geöffnet sind, stark schwanken kann. 

Rebound oder Abkehr?

Bei kleineren und mittelgrossen Shopping-Centers, die oft von einem Supermarkt als Ankermieter dominiert werden, falle der Umsatz-Schwund nicht ganz so drastisch aus, wird in der Gesamtbetrachtung prognostiziert: «Wie stark die einzelnen Centers vom momentanen Umsatzverlust betroffen sind, hängt also überwiegend vom Angebots- und Branchenmix ab.»

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Ob und wie sich die aktuelle Delle – von der niemand weiss, wie lange sie noch anhält – aufs ganze Jahr auswirken wird, kann  nicht abgeschätzt werden. Einige Experten gehen davon aus, dass sich irgendwann ein Nachholbedarf zeigen werde, welcher die verlorenen Umsätze mindestens teilweise kompensiere. Wenn das bundesrätliche «Bleiben Sie zu Hause»-Gebot nicht mehr gelte, so die optimistische Sicht, werde es zu einem Rebound kommen.

Auf der anderen Seite generiert der aktuell boomende Online-Handel ein Heer von Erstkunden. Wenn diese zur Zufriedenheit bedient werden und sich an den Gedanken gewöhnen, die Garderobe vom Laden nach Hause zu verschieben, könnten das Online-Stammkunden werden. Ob und wie ausgabefreudig diese Digital-Novizen dereinst wieder in die Offline-Konsumtempel zurückkehren, kann momentan noch niemand sagen.

Und dann: die Mieten

Aber selbst wenn es zum vielfach herbeigewünschten Rebound in Schweizer Einkaufszentren kommen sollte, dräut eine weitere dunkle Wolke am Horizont: die Mieten. Das Thema, das aktuell in den Innenstädten aufgegriffen wird, dürfte auch in den Schweizer Malls zu reden geben. Eher früher als später.

Marcel Stoffel, Gründer und Geschäftsführer der Swiss Council of Shopping Places, lässt das in seinem Prognose-Papier schon einmal anklingen: «Auf jeden Fall gilt es jetzt für Mieter wie Vermieter rasch partnerschaftliche, tragbare und annehmbare Lösungen zu finden.»

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