Dass Milliardärsgattin Nathalie Benko, geborene Sterchele, gebürtige Schweizerin sein soll, geistert seit Jahren durch die Medien. Erhärtet hat sich das allerdings nicht. Klar ist einzig, dass sie in jungen Jahren in Lausanne zur Schule ging, in die katho­lische Privatschule Mont-Olivet.

Doch unabhängig davon, ob der neue Globus-Mitbesitzer René Benko nun eine Schweizerin geheiratet hat oder nicht: Benkos Swiss Connection ist seit Jahren etabliert – und mittlerweile sehr ausgebaut. Und zwar personell, finanziell und strukturell.

Benkos wichtigster Geschäftspartner ist Ernst Tanner, der Schokoladenkönig von Zürichsee. Lindt-Präsident Tanner ist mit 10 Prozent an Benkos Signa-Dachgesellschaft beteiligt, der Signa Holding. 85 Prozent der Holding hält Benko über die Privatstiftung seiner Familie mit Sitz in Innsbruck. Die restlichen 5 Prozent gehören Thorsten Toeller, dem Gründer der weltweit drittgrössten Tierbedarfskette Fressnapf.

Mögliche Beteiligung von einer Milliarde

Der Wert von Tanners Beteiligung an der Signa Holding wird von Signa selbst mit 400 Millionen Euro angegeben. Das jedoch dürfte massiv untertrieben sein. Schliesslich vereint Signa unter ihrem Dach allein Immobilien im Wert von 19 Milliarden Euro sowie Entwicklungsprojekte über weitere 9 Milliarden. Hinzu kommt ein Retail-Reich, das pro Jahr weit über 7 Milliarden Euro Umsatz bolzt. Tanners Beteiligung an Benkos Impe­rium könnte also ohne weiteres eine gute Milliarde Euro wert sein. Überprüfen lässt sich das nicht.

Neben Tanner gehört ein weiterer Schweizer Superreicher zu Benkos wichtigen Geschäftspartnern: der diskrete Kaffeemaschinenkönig Arthur Eugster, dessen Vermögen die «Bilanz» auf 550 Millionen Franken veranschlagt.

Eugster ist mit gut 4 Prozent am ­Immobilienbestand von Signa beteiligt, wozu unter anderem das berühmte Chrysler Building in New York zählt. Ausserdem hält Eugster knapp 10 Prozent an Benkos Entwicklungsprojekten. Reich geworden ist Eugster mit dem Bau von Kaffeemaschinen in seiner Eugster/Frismag im thurgauischen Amriswil. Das verschwiegene Unternehmen stellt fast alle Nespresso-Maschinen dieser Welt her und soll auch hinter den Vollautomaten von Jura stecken.

Anzeige

La Rinascente, Selfridges und jetzt Globus-Präsident

Globus-Praesident_Vittorio_Radice

Wird bald Globus-Präsident: Vittorio Radice.

Quelle: ZVG

Mit dem Retail-Profi Vittorio Radice hat die Central Group einen Manager in den eigenen Reihen, der als einer der besten der Branche gilt. Er sanierte La Rinascente und entwickelte zuvor bei Selfridges in London das vielleicht coolste Warenhaus der Welt. Jetzt wird er Globus-Präsident.

Doch es stecken nicht nur Schweizer Millionen in Signa. Das Unternehmen hat hierzulande lange vor der bevorstehenden Globus-Übernahme eine grosse Präsenz aufgebaut.

Retail-Zentrale an der Bärengasse

Nicht weniger als zwölf Signa-Unternehmen sind in Zürich eingetragen, alle an der Bärengasse 29. Im Geschäftshaus unweit des Paradeplatzes residiert Benkos eigentliche Detailhandelszentrale. Präsidiert wird sie vom früheren Rewe- und Migros-Manager Dieter Berninghaus, geführt von Denner-Verwaltungsrat Stephan Fanderl. Die beiden gebieten von Zürich aus über die deutsche Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, über rund hundert Online-Shops, über den österreichischen Möbelhändler Kika Leiner und über Europas grössten Online-Sportartikelhändler.

Zudem wird von der Retail-Zentrale in Zürich aus auch die 49,9-Prozent-Betei­ligung an der deutschen Kadewe Group beaufsichtigt. Die restlichen Anteile des Unternehmens hält Benkos Geschäftspartner Tos Chirathivat von der thailändischen Central Group (siehe Box unten), mit dem zusammen Benko auch Globus übernommen hat. Geführt wird Kadewe von einem Schweizer: Es ist der frühere Chef von Charles Vögele und ehemalige Harrods-Einkaufschef André Maeder.

Personell geht die Swiss Connection bei Signa Retail aber noch weiter: Im ­Beirat sitzt mit David Bosshart der Chef des Migros-Think-Tanks Gottlieb Duttweiler Institut. Und im Verwaltungsrat der Zürcher Signa-Kernfirma Signa Retail Selection – das Aktienkapital summiert sich auf 100 Millionen Franken – amtiert neben Präsident Fanderl der Zürcher ­Anwalt und Business Angel Christian Wenger von der Kanzlei Wenger & Vieli.

Augenfällige Verbindung zur Migros

Die engen Verbindungen zwischen Benko, seinen Topmanagern und Auf­sehern mit der Migros sind augenfällig: Stephan Fanderl und Migros-Chef Fa­brice Zumbrunnen sitzen zusammen im Aufsichtsgremium des Migros-Discounters Denner. Signa-Beirat Bosshart steht seit über zwanzig Jahren im Sold der ­Migros. Und Signa-Stratege Berninghaus war als ehemaliger Migros-Handelschef selbst einmal oberster Herr über den jetzt gekauften Globus. Es darf also durchaus davon ausgegangen werden, dass Signa beim Globus-Deal auch einen informellen Zugang zu relevanten Entscheidungsträgern gehabt hat.

Anzeige

Klar ist: Mit dem Gespann Benko und Chirathivat hat Globus einen bestens passenden Käufer gefunden. Die neuen Eigner und ihre Manager kennen die Eigenheiten und Spezialitäten des Schweizer Detailhandels bestens. Sie haben wichtige Geschäftspartner aus der Schweiz. Und nicht zuletzt haben sie die finanzielle Potenz und Ausdauer, mit einem langfristigen Horizont in ­Globus zu investieren.

21 Milliarden Dollar

Reiche Thais: Die neue Globus-Mitbesitzerin Central Group aus Thailand ist ein Familienunternehmen. Es wird in dritter Generation von Tos Chirathivat geführt. Die Familie gehört zu den reichsten Asiens und soll 21 Milliarden Dollar schwer sein.

Warenhäuser und mehr: Die Central Group betreibt in Thailand und anderen Ländern Asiens über dreissig Malls, mehr als vierzig Hotels, Franchise-Shops, etwa von Kentucky Fried Chicken, und Supermärkte. Insgesamt setzt das Unternehmen 12 Milliarden Dollar um.

Illum und La Rinascente: Die Thais verstehen viel vom Geschäft mit Premium- und Luxuswarenhäusern. In Europa gehören ihnen die italienischen Vorzeigehäuser von La Rinascente und die dänische Shopping-Institution Illum und sie halten 50,1 Prozent an Kadewe.