Die Klickzahlen sprechen für den Muttertagsclip, den Jung von Matt für den deutschen Detailhändler Edeka produziert haben: Nach zwei Tagen verzeichnet das Video schon über 500'000 Aufrufe auf Youtube. Auf Facebook hatte es sogar schon 800'000 Klicks.

Doch die Aufmerksamkeit hat ihren Preis. Die Reaktionen auf die Werbung «Wir sagen Danke» fallen mehrheitlich vernichtend aus. Sexistisch und männerfeindlich, lautet der Tenor der Kommentare.

Das Video zeigt Väter im Umgang mit ihren Kindern, und sie sind offenbar völlig unfähig. Die Botschaft am Ende: «Danke Mama, dass du nicht Papa bist».

Sind Edeka und Jung von Matt damit zu weit gegangen? Sehen Sie selbst:

Edeka ist seit langem für seine auffälligen Kampagnen im Netz bekannt. Es fragt sich nur, ob sich die Debatte nun zu einem «Shitstorm» ausweitet. 

Auf Youtube stehen 600 «Daumen hoch» mehr als 7000 «Daumen runter» gegenüber. Und unter den Kommentaren ist kaum eine positive Rückmeldung zu finden. «Sehr clever, die Hälfte der Kunden zu beleidigen. Kein Edeka mehr», schreibt ein Nutzer. «Eklig» und «sexistisch» sind nur zwei Schlagworte, die dem Video häufig zugedacht werden.

Erinnerungen an Gilette

«Danke Aldi, dass du nicht Edeka bist. Edeka kommt auf die Schurkenliste mit Gilette», so ein weiterer Kommentar. Der Rasierer-Hersteller hatte Anfang Jahr mit einem Clip über aggressive Männlichkeit (Slogan: «Für das Beste im Mann») ebenfalls einen Shitstorm ausgelöst. Viele Männer fühlten sich beleidigt und beklagten die vermeintliche «feministische Propaganda».

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Doch es ist klar, dass der neue Edeka-Clip auch zahlreiche Väter stört, die keineswegs antifeministisch orientiert sind. Vielmehr stösst einigen auch das traditionelle Familienmodell sauer auf, das in dieser Werbung zementiert werde. Denn neben den unfähigen Vätern werden die Frauen ausschliesslich in ihrer traditionellen Mutterrolle gezeigt und gelobt.

Edeka zeigt sich mit der Resonanz zufrieden

Wie lange Edeka an der Werbung festhalten wird, bleibt abzuwarten. Gegenüber der Fachzeitschrift «Horizont» wollte der Detailhändler die Reaktionen noch nicht als Shitstorm werten. «Wir freuen uns, dass die Werbung auf eine hohe Resonanz stösst», so Edeka. Für eine Bewertung sei es noch zu früh.

Jung von Matt, die verantwortliche Werbeagentur, wurde von Jean-Remy von Matt gegründet. Der Schweizer gilt als Mastermind des Unternehmens, das sich mit Botschaften wie «Geiz ist geil» (Saturn) oder «Bild dir Deine Meinung» («Bild») deutschlandweite Bekanntheit verschaffte. Inzwischen hat sich von Matt aber in den Aufsichtsrat der Firma verabschiedet.