Wird das Schweizer Schutzmaskenproblem dank chinesischer Hightech gelöst? So sieht es momentan danach aus.

Dem Bund liegt exklusiv eine Offerte für die Beschaffung einer vollautomatischen Maschine vor, die täglich 40'000 Atemmasken produzieren kann.

Das Interview mit Mr. Export Stefan Brupacher

Der Chef des Verbandes der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie, Swissmem, fordert die Abgabe von Atemmasken und flächendeckende Tests. Mehr dazu hier.

 

Eine Ostschweizer Firma mit chinesischer Mutter

Dies sagt der Chef des Schweizer Maschinenbauers Autefa Solutions, André Imhof, der «HZ». Die in Frauenfeld beheimatete Firma gehört seit 2011 einem chinesischen Mutterkonzern und ist in 5 europäischen Ländern tätig.

Der Kontakt zum Bund kommt über den Verband der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie, Swissmem zustande. Sein Direktor, Stefan Brupbacher, hat das informelle Angebot am Freitag ans Innendepartement von Alain Berset übermittelt, das dieses umgehend ans Wirtschaftsdepartement von Guy Parmelin weitergegeben hat.

Brupbacher bestätigt: «Die Firma Autefa Solutions hat mit ihrer chinesischen Mutter eine neue Maschine für Schutzmasken entwickelt».

Auch China nutzt die Technologie

Imhof sagt, verantwortlich für die Entwicklung sei der chinesische Mutterkonzern China Hi-Tech Group Corporation Sinomach. Diese betreibt in China neben der Ostschweizer Autefa weitere Hightech-Tochterfirmen, so die Firma Jingwei für Atemschutzmasken und die Firma HTHI Zhenzhou für Schutzkleider-Maschinen.

Derzeit würden in China auf Anordnung der Regierung zehn solcher Maschinen hergestellt, die ersten Vorserienmaschinen produzieren bereits seit letzter Woche.

China bittet den Bund um «sehr rasche Reaktion»

Eine bis zwei Maschinen könne Autefa innert drei Wochen in die Schweiz importieren. «Das Angebot gilt aber nur für nichtkommerzielle Zwecke», präzisiert Imhof.

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Er habe ein Vorangebot der Eidgenossenschaft übergeben. Heute Dienstag erfolgt die konkrete Offerte. Er hofft auf eine rasche Reaktion seitens des Bundes.

«China hat um eine sehr rasche Reaktion gebeten», so Imhof. Das Land sei bereit, der Schweiz zu helfen und hoffe, dass sich die Eidgenossenschaft bis am Donnerstag Abend entscheide.

750'000 Franken Anschaffungskosten

Die Kosten für die Maschine und Adaptation auf Schweizer Normen schätzt er auf rund 750'000 Franken. Selber werde man nicht produzieren. «Wir sind ein Maschinenbauer», aber man sei bereit, den Import per Flugzeug aus China an eine für diese Aufgabe benannte Stelle in der Schweiz zu veranlassen.

Autefa ist ein grosser Akteur: Sie erzielt weltweit rund 100 Mio. Fr. Umsatz im Bau von Maschinen für Fliessstoff, Filter, Autobauteile, Lärmdämmung und Hygiene.

Direktor der Maschinenbaufirma Autefa, Thurgau

André Imhof, Leiter des Maschinenbauers Autefa in Frauenfeld. Die Autefa Solutions Group erzielt in 5 europäischen Ländern und China rund 100 Millionen Franken Umsatz.

Quelle: ZVG

Positivbeispiel für China-Investments in der Schweiz

Swissmem-Direktor Brupbacher würdigte den privilegierten Kontakt von Autefa Solutions nach China als «wertvolles Beispiel» dafür, warum chinesische Investoren «in der Schweiz für unsere Land wertvoll sind».

Stefan Brupbacher, Generalsekretaer WBF, spricht ueber die "Organisatorische Ausgestaltung der Kommission fuer Technologie und Innovation" waehrend der Pressekonfernz des Bundesrates, am Mittwoch 19. November 2014 in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher

Quelle: © Marcel Bieri

Die Angestellte vieler Schweizer Firmen, die kein Homeoffice betreiben können, etwa Verkäuferinnen im Lebensmitteldetailhandel, Ärzte und Krankenpfleger seien wütend über den aktuellen Mangel. 

Die «Neue Zürcher Zeitung» berichtet in ihrer Dienstags-Ausgabe über Haus- und Notfallärzte in Genf, die mit einer Schutzmaske pro zwei Tage auskommen müssen. Die Regel wäre ein Wechsel alle 1 bis 2 Stunden. Jeder Arzt habe bloss 70 Masken für einen Monat erhalten.

Angestellte ohne Homeoffice wollen sich schützen

Auch kein Homeoffice leisten können sich Angestellte von industriellen Produktionsbetrieben und im Maschinenbau, sagt Brupbacher. Er sieht darin eine reale Gefahr von Produktionsstilllegungen.

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«Es braucht dringend flächendeckende Tests und die Abgabe von Masken durch Bund und Kantone, damit die Leute ohne Angst weiterarbeiten können». 

Laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» vom Dienstag habe der Bund «nur noch rund 300’000 qualitativ höherwertige Schutzmasken.» Nun habe der Bund eine Lösung in Sicht, so Brupbacher.