Die jetzige Krise belastet fast die ganze Wirtschaft. Auch auf den Immobilienmarkt wird sich Covid-19 auswirken – doch die Schäden dürften glimpflich ausfallen, wie ein aktueller Bericht der Branchenexperten von Wüest Partner zeigt.

Für ein Segment sagt der Bericht sogar weiter steigende Preise voraus: Nämlich für Einfamilienhäuser. Die jahrzehntelange Aufwertung dürfte sich hier fortsetzen.

Drei Faktoren treiben die Preise an

Seit 2009 sind die Preise über die ganze Schweiz betrachtet um rund einen Viertel hochgeschnellt. Heuer würden sie um weitere 0,5 Prozent steigen, schätzt Wüest Partner. Nur bei den teurerern Häusern dürften die Preise unter Druck geraten.

Gleich drei Faktoren treiben die Preise an. So werden seit 2011 jedes Jahr weniger neue Einfamilienhäuser gebaut.
Dann kommt bei den meisten Liegenschaften ein Ersatzneubau infrage, bei vielen Häusern ist auch ein Anbau oder eine Aufstockung möglich. Käufer können also mehr aus dem Grundstück herausholen, was die Preise weiter anzheizt.

Und schliesslich sorgen die weiterhin tiefen Hypothekarzinsen für eine - abgeschwächte - Fortsetzung des Booms. Der Traum vom Eigenheim kann günstig über die Bank finanziert werden, wenn die Käufer genügend verdienen.

So hoch sind die Preise

Preis für ein Einfamilienhaus mit 6 bis 6,5 Zimmern, im Mittel:
1'180'000 Franken

Preis für eine Eigentumswohnung mit 4 Zimmern, im Mittel:
750'000 Franken

Mietpreis für eine Wohnung mit 4 bis 4,5 Zimmern, im Mittel
1500 Franken (netto, pro Monat)

Quelle: Wüest Partner

Tiefere Preise für Stockwerkeigentum

Eigentumswohnungen dürften sich hingegen um etwa 0,9 Prozent abwerten, glauben die Experten von Wüest Partner. Dieser Rückgang würde stärker ausfallen, wenn das Angebot nicht so knapp wäre. Es sind nicht viele Eigentumswohnungen auf dem Markt. Ende 2019 waren nur 55'000 Objekte erhältlich. Investoren bauen seit langem lieber Mietwohnungen, als dass sie Stockwerkeigentum errichten.

Zusätzlich tragen die attraktiven Hypothekarzinsen dazu bei, dass das Interesse an Eigentumswohnungen bald wieder zurückkehren könnte.

Alleine leben ist vielen jetzt zu teuer

Die Mieten für freie Wohnungen werden heuer um 1,4 Prozent sinken: Das ist eine weitere Prognose im Immobilienbericht. In einer Rezession werden weniger Leute eine Wohnung suchen. Jugendliche werden beispielsweise länger bei ihren Eltern bleiben, und es werden weniger Menschen in die Schweiz einwandern.

Der Trend zum Alleinleben und die Zuwanderung hatten in den letzten Jahren für eine steigende Nachfrage nach Wohnraum gesorgt.

Die Nachfrage sinkt also zumindest vorübergehend - und zudem steigt das Angebot immer noch: Es werden weiterhin neue Mehrfamilienhäuser gebaut, auch wenn der Bauboom etwas nachgelassen hat. Die Zahl der leeren Wohnungen wird somit weiter wachsen.

Mieter profitieren beim Wohnungswechsel von tieferen Mieten - dies gilt allerdings nicht für Menschen, die in den grossen Zentren wohnen möchten. In den grossen Städten bleiben freie Wohnungen rar. Und folglich dürften sich dort auch an den - hohen - Mieten wenig ändern.