Die Credit Suisse rüstet auf. Nicht in der Vermögensverwaltung, nicht im Asset­management, sondern bei der Sicherheit. Globaler Security-Chef der Grossbank wird Beat Eberle, ein Mann mit reicher Vergangenheit bei der Polizei, in Armee und Politik, wie die Credit Suisse bestätigt.

Ihm sind künftig mehrere Dutzend Sicherheitsexperten unterstellt, sie sorgen rund um den Globus für Personen- und Gebäudeschutz. Auch an internationalen Konferenzen und Anlässen sind seine Leute vor Ort.

Beat Eberle wird Nachfolger von Remo Boccali. Richtig, dieser trat vor einem Jahr zurück – nach fast zwanzig Jahren im ­Sicherheitsdienst in der Grossbank.

Die ­Affäre um Iqbal Khan kostete ihn den Job, nachdem er auf Geheiss des früheren Geschäfts­leitungsmitglieds Pierre-Olivier Bouée ­externe Detektivteams auf Kaderleute wie Khan und Peter Goerke angesetzt hatte. Mit höchst zweifelhaftem Erfolg. Kurz darauf verliess er die Bank. Seither schweigt er.

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Als UNO-General in Afrika

Über diverse Sicherheitsfirmen war Boccali einst bei der Credit Suisse gelandet. Bekannt war er ausserhalb der Grossbank nicht. Da ist sein Nachfolger, der sechzigjährige Eberle, ein anderes Kaliber.

Er war Kripochef in Schwyz, Kommandant der Kantonspolizei in Graubünden, Sicherheitschef beim WEF in Davos, höchster ­Militärpolizist der Schweiz, engagiert in ­einer UNO-Mission im Kongo (wo er den Titel eines Generals trug), und er war Kommandant der Swisscoy-Truppen im Kosovo.

In der Schweizer Armee erreichte er den Grad eines Brigadier. Zudem ­fungierte er im Nato-Land Schweden als Militärattaché für diverse Nordländer.

In dieser Diplo­maten-Funktion schaffte er 2005 sogar die Wahl ins St. Galler Kantonsparlament. Weil er damals in Stockholm wohnte, pendelte der Auslandschweizer regelmässig in die Ostschweiz. Eine Novität in der Schweizer Politik.

Abrupte Trennung von Ueli Maurer

Im St. Galler Parlament war der Mann aus den Flumserbergen auf einem CVP-­Ticket unterwegs, wiewohl sein mili­tä­rischer Zack und seine Politansichten auch prima ins SVP- oder FDP-Programm passen würden. Er fordert eine «schlanke, aber konsequente Staatsführung», «ein konsequentes Vorgehen gegen Störer und Rechtsbrecher» und verlangte überdies: «Steuerlast senken.»

Beat Eberle Sicherheitschef Credit Suisse

Beat Eberle war Stabschef eines UNO-Polizeieinsatzes in der Demokratischen Republik Kongo. Stationiert war er im UNO-Hauptquartier in Goma.

Quelle: Eberle Advisory
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Zu einem überraschenden Karriereknick kam es 2015, als sich der damalige VBS-Chef Ueli Maurer abrupt von seinem Ein-Sterne-General trennte. Was genau im Militärdepartement vorgefallen war, drang nie nach draussen. Eberle wurde in kritischen Medienberichten als «aufmüpfig» bis «renitent» beschrieben.

Anzunehmen ist, dass die Grossbank nach dem jüngsten Überwachungsflop durch Boccali eine exakte Hindergrundanalyse vorgenommen hat. Derzeit betreibt Anwalt Eberle eine Privatfirma, die Dienstleistungen für Risikomana­gement und Sicherheitsabklärungen anbietet. Der Claim von Eberle Advisory lautet: «Sichere Lösungen sind sein Leben.»

Neuen beruflichen Schub erfuhr Eberle diesen Sommer. Da berief ihn seine Alma Mater, die Universität St. Gallen, in den Universitätsrat. Dort löste er die frühere CVP-Bundesrätin Ruth Metzler ab. Auch sie eine Juristin. Auch sie musste einst ­einen herben beruflichen Rückschlag hinnehmen.

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