Auf einmal ging es subito: Letzten Monat kontaktierte Liberty-Global-Chef Mike Fries den frisch gebackenen Sunrise-Präsidenten Thomas Meyer erstmals telefonisch. Keine vier Wochen später steht die Übernahmeofferte der Angelsachsen für die Nummer zwei im Schweizer Telekommarkt.

Fünf Milliarden Franken will die UPC-Switzerland-Mutter Liberty Global für Sunrise auf den Tisch legen. Macht 110 Franken pro Aktie, was einer Prämie von mehr als 30 Prozent zum aktuellen Kurs entspricht. 

UPC-Mutter Liberty Global musste handeln

Ein stolzer Preis. Auch wenn Liberty-Chef Fries heute am Telefon betont, dass mit diesem Deal «jeder gewinnt».

Doch der angelsächsische Telco-Riese war zuletzt unter Zugzwang geraten, nachdem der Verkauf von UPC an Sunrise im letzten Jahr am Widerstand des grössten Sunrise-Aktionärs, Freenet, scheiterte. Denn operativ schwächelt UPC Switzerland seit langem. Die Perspektiven als «Stand-alone»-Kabelnetzbetreiberin sind zudem eher mau.

Im Frühjahr nun erhöhte Sunrise den Druck auf UPC, als der Telekomkonzern eine gross angelegte «Swiss Open Fiber»-Initiative mit Mobilfunk-Konkurrentin Salt angekündigte. Der Kampf auf der Glasfaser war eröffnet. Mike Fries & Co mussten fürchten, dass seine Schweizer Tochter nun auch im Festnetz-Kerngeschäft unter Druck kommen würde. Der geplante Sunrise-Takeover ist für Liberty also aus der Not geboren, wenngleich die industrielle Logik überzeugt. 

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Swisscom & Co werden Geschäft verlieren

Die wirtschaftliche Dynamik einer UPC/Sunrise werden bald auch die direkten Konkurrenten zu spüren bekommen. Allen voran Salt. So ist «Swiss Open Fiber», der geplante Schulterschluss mit Sunrise, bereits wieder Makulatur. Auch fehlt dem Mobilfunkanbieter des französischen Milliardärs Xavier Niel gegenüber UPC/Sunrise eine eigene Festnetz-Infrastruktur sowie ein internationales Netzwerk, wie es Liberty Global als Mutterkonzern bieten kann. Vor allem im Bereich der Film- und Fernsehrechte ist dies ein entscheidender Wettbewerbsnachteil. 

Aber auch für den Ex-Monopolisten, die Swisscom, bedeutet der geplante Zusammenschluss mehr Gegenwind. Zunächst wird Swisscom Geschäft verlieren. So stellt der blaue Riese für das Handyangebot von UPC Switzerland das Mobilfunknetz zur Verfügung. Dieser Auftrag geht verlustig. Dasselbe gilt auch für Netzwerk-Dienste, die Swisscom bisher für das Festnetangebot von Sunrise beisteuerte. Als «Fixed-Mobile Convergence»-Konzern kann sich UPC/Sunrise diesen Fremdeinkauf künftig sparen.

Die Konvergenz von Hochbreitband-Festnetz und 5G-Mobilfunk wird aber auch die Schlagkraft von UPC/Sunrise im Kundenwettbewerb erhöhen. Allen voran im Geschäftskundensegment, wo es Swisscom bisher am Besten gelang, ihre Marktanteile dominant zu halten.

Hier dürfte UPC/Sunrise mit konvergenten Offerings punkten können. Auch beim Fernsehen, einer weiteren Erfolgsgeschichte der Swisscom, erwarten den Ex-Monopolisten härtere Zeiten. Die Kombination aus globalen Entertainmentfranchisen einer Liberty Global in Kombination mit der IP-TV-Kompetenz einer Sunrise dürfte den Wettstreit um Fernsehabonnenten nochmals anheizen. 

04.06.2019, Nordrhein-Westfalen, Kšln: Christoph Vilanek,  CEO, freenet AGspricht   auf der Anga com, der Internationalen Fachmesse mit Kongress fŸr Kabel, Breitband und Satellit Foto: Horst Galuschka/dpa/Horst Galuschka dpa [ Rechtehinweis: picture alliance/Horst Galuschka/dpa/Horst Galuschka dpa ]

Stark gepokert: Freenet-CEO Christoph Vilanek

Quelle: picture alliance/dpa

Sunrise-Aktionärin Freenet ist die grosse Gewinnerin

Nebst den Verlierern dieser Elefantenhochzeit gibt es auch einen ganz klaren Gewinner. Dieser heisst Freenet. Der grösste Sunrise-Einzelaktionär um Chef Christoph Vilanek konnte im letzten Jahr erfolgreich die Übernahme von UPC durch Sunrise abwehren. Ein Prestigeprojekt des damaligen Sunrise-Präsidenten Peter Kurer, der glaubte, auf das Placet des Ankeraktionärs verzichten zu können; und der mit der Hauruck-Strategie grandios scheiterte.

Nun aber, beim Reverse-Takeover, macht Freenet mit Überzeugung mit. Denn Vilanek & Co winkt nun der grosse Reibach. Kommt der Deal durch – wovon auszugehen ist –, so hat Freenet in vier Jahren einen Profit von 400 Millionen Franken gemacht zuzüglich 150 Millionen an Dividenden. Kein Wunder, sagt Vilanek heute am Telefon: «Das ist ein sehr guter Deal.»