Daniel Liedtke, Konzernchef der grössten Privatklinikkette der Schweiz, setzt auf die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung. Das sagt er im Interview mit der «Handelszeitung». 

Ziel der dieser Tage bekannt gewordenen Vereinbarung mit der Migros-Tochter Medbase sei es, die Kräfte zu bündeln. Hirslanden stehe für Akutmedizin und für qualifizierte spezialärztliche Diagnostik und Behandlung. Die Praxisbetreiberin des Grossverteilers biete fast in der ganzen Schweiz ambulante Versorgung an.

«Die Schnittstelle zwischen Allgemeinmedizin und Spezialmedizin auf der einen Seite und zwischen ambulant und stationär auf der anderen Seite hat Potenzial – wirtschaftlich und qualitativ. Dieses Potenzial wollen wir erschliessen», sagt der 49-Jährige, der seine Karriere als Physiotherapeut begann. 

Hintergrund der Neuorientierung ist der Trend, immer mehr Eingriffe ambulant zu machen. Dies wird in den nächsten Jahren noch mehr Fahrt aufnehmen und – so ist zu erwarten – zu einer drastischen Reduktion der stationären Betten in der Schweiz führen. 

«Ich mache keine Politik»

In den politischen Diskurs will sich der neue Konzernchef, anders als sein Vorgänger Ole Wiesinger, nicht einschalten. «Ich mache keine Politik», sagt er, «ich führe einen Konzern.» 

Die Konkurrenz mit dem Swiss Medical Network unter Chef Antoine Hubert, dem zweitgrössten Privatklinikbetreiber der Schweiz, sieht er entspannt. Dass man sich wie in der Vergangenheit gegenseitig die Kliniken abjagte, mache keinen Sinn mehr, wenn immer mehr Behandlungen ambulant durchgeführt würden. Eine Klinik kaufen oder weiterbetreiben will der neue Hirslanden-Chef nur, «wenn sie im ambulant-stationären Versorgungsgefüge eine Rolle spielen kann».