IWG ist der grösste Konkurrent von WeWork. Haben Sie vom tiefen Fall des US-Bürovermittlers profitiert?
Es ist nie gut, wenn jemand aus der gleichen Branche in Schwierigkeiten gerät. Wir müssen jetzt erklären, wofür unsere Branche eigentlich steht. Und wie es geschehen konnte, dass WeWork zwölf Milliarden Dollar verloren hat. Ob es an der Branche liegt oder an WeWork.

Und wie lautet Ihre Antwort?
Die ist klar, es lag nicht an der Branche, denn wir sind erfolgreich. Sie können ihre eigenen Schlüsse ziehen. Unternehmen wollen Partner, denen sie vertrauen können, sie suchen Stabilität. Es geht um Qualität.

Empfinden Sie Mitgefühl mit WeWork-Gründer Adam Neumann, der jetzt massiv in der Kritik steht? Sie hatten im Jahr 2000 ja auch Probleme nach dem Börsengang von Regus in den USA.
Das war eine andere Sache, aber es gibt gewisse Parallelen. Mitgefühl empfinde ich gegenüber den über 5'000 Angestellten von WeWork, die ihre Jobs verloren haben. Sie hatten das Gefühl, Millionäre zu werden – und verloren dann über Nacht ihre Stelle. Ich wünsche Mr. Neumann alles Gute. Es sieht ja danach aus, dass er eine grosse Entschädigung erhalten wird. Die ganze Angelegenheit wird für ihn nicht allzu schlimm sein.

Der tiefe Fall von WeWork

Der Bürovermittler WeWork galt als einer der wertvollsten Startups der Welt. Dann platzte der Börsengang. Wir hatten den Absturz vorausgesagt.
Hier zwei weitere Lesetipps zum tiefen Fall des vermeintlichen 50-Milliarden-Dollar-Konzerns:

Was machen Sie besser als WeWork?
Unser Geschäft ist simpel: Wir müssen effizienter sein als unsere Kunden. Das ist aber nicht einfach. Viel Geld zu haben garantiert keinen Erfolg. Die Leute bei WeWork haben zwölf Milliarden Dollar ausgegeben und sind heute dennoch kleiner als wir. IWG wird mit 12 Milliarden Pfund bewertet. Es geht in unserem Geschäft nicht um Partys oder darum, wie viel man für Marketing ausgibt. Sie müssen die Resultate liefern, die die Kunden fordern.

Sprechen wir über Ihr Geschäft. Sie haben eine neue Strategie, Sie wechseln zu einem Franchise-Modell.
Ja, wir geben alle Märkte an Franchisenehmer ab. Ich sage Ihnen, warum: Wir wollen schneller wachsen. In der Schweiz haben wir mit J. Safra und der P.Peress-Gruppe Partner gefunden, die das Geschäft vorantreiben werden. Sie wollen das ganze Land mit unseren Zentren abdecken. Dazu sind mehr als 300 Standorte nötig, heute haben wir 50. Die Partner können dies viel schneller bewerkstelligen, als wir dazu in der Lage gewesen wären.

«Viel Geld zu haben garantiert keinen Erfolg. Diese Leute haben zwölf Milliarden Dollar ausgegeben und sind heute dennoch kleiner als wir.»

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Der Börsenwert von IWG hat sich in diesem Jahr verdoppelt. Ist dieser unglaubliche Wertzuwachs gerechtfertigt?
Vor einem Jahr herrschte viel mehr Unsicherheit. Und wir haben sehr starke Zahlen geliefert, das hat sich im Aktienkurs niedergeschlagen.

Spielen Sie auf den Umstand an, dass Finanzinvestoren IWG übernehmen wollten?
Ja, das hat den Aktienkurs nach oben getrieben. Aber den Investoren gefiel insbesondere unsere neue Strategie und die guten Zahlen, die wir vorlegten.

Von der Aufwertung profitierten in erster Linie Sie selber – sie besitzen 28 Prozent an IWG. Halten Sie an diesem Aktienpaket fest?
Bei IWG haben ich und die restliche Konzernführung grosse Anreize, alles richtig zu machen. Das ist alles, was ich dazu sagen kann.

Mark Dixon – ein Serienunternehmer

  • Der Brite mit Jahrgang 1959 verliess mit 16 vorzeitig die Schule
  • Schon mit 20 Jahren führte er erfolgreich ein Unternehmen – er betrieb mehrere Hot-Dog-Verkaufsbusse in London
  • 1989 gründete er Regus, im Jahr 2000 brachte er den Konzern an die Börse
  • 2003 geriet der Konzern in Folge der Dot-Com-Börsenblase in Schwierigkeiten, Regus entging knapp dem Konkurs
  • 2016 verlegte Dixon den Konzernsitz nach Zug und taufte ihn in International Workplace Group (IWG) um
  • Zum Konzern gehören heute Marken wie «Spaces», «Number 18» oder «HQ»
  • Dixon besitzt fast zwei Milliarden Dollar und lebt in Monaco
  • Seine Passion ist der Wein – ihm gehören mehrere Weingüter, darunter das «Chatêau de Berne» in der Provence sowie das «Kingscote Estate» in Südengland.

 

 

Coworking und andere flexible Büroangebote machen erst einen kleinen Anteil vom Markt aus. Wie gross ist das Potential?
Ungefähr ein Drittel der Büroflache wird ausgelagert, sprich outgesourct. Das heisst, es wird in ein Produkt umgewandelt, das die Leute kaufen. Die Arbeit wird geographisch stärker verteilt. Es wird immer mehr Angestellte geben, die näher von ihrem Zuhause aus arbeiten.

Sie sagen massive Umwälzungen voraus.
Diese Entwicklung ist in vielen Ländern bereits im Gang, vor allem in den USA. Die Pendelströme nehmen ab, Unternehmen beschäftigen ihr Personal auf Distanz. Pendeln raubt Zeit, kostet viel Geld und schadet der Umwelt. Es ist viel teurer, jemand in der Stadt Zürich anzustellen als irgendwo in der Agglomeration oder auf dem Land.

In Zürich lässt sich ein anderer Trend beobachten: Unternehmen ziehen wieder ins Stadtzentrum, die Bürofläche an den besten Lagen wird knapp. Das widerspricht doch Ihrer These.
Manche Leute möchten in der Stadt arbeiten. Junge Menschen beispielsweise wollen dort sein, wo viel los ist. Aber längst nicht alle wollen jeden Tag in die Stadt pendeln.

Auf dem Land oder in der Agglomeration geniessen sie eine bessere Lebensqualität. Und bedenken Sie: Nur ein Drittel der Angestellten wird anders arbeiten als heute. Ein Werber in einer Agentur, der täglich Kunden treffen muss, wird weiterhin seinen Arbeitsplatz in der Stadt haben.

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Arbeiten Sie ebenfalls aus der Ferne?
Ich spreche in Monaco über das Internet mit Ihnen. Wir bei IWG haben keine echte Zentrale, unsere Leute arbeiten überall verteilt. An unserem Sitz in Zug sind lediglich 20 Personen. Einmal im Monat treffen wir uns. Das funktioniert sehr gut mit den modernen Kommunikationsmitteln.

Sie haben viele Interessen. Ihnen gehört ein Weingut in Frankreich.
Mein Wein zählt zu den meistverkauften der Schweiz, Château de Berne. Der Name hat übrigens nichts mit der Schweizer Hauptstadt zu tun, so heisst der Fluss, der durch unser Gelände fliesst. Wir sind einer der grössten Hersteller von Rosé in der Provence.

Aber Ihre Leidenschaft bleibt die Bürovermittlung?
Das Landgut ist mein Hobby, meine Wochenendarbeit.

«Shared Offices» – was heisst das?

Der Begriff umfasst eine Vielzahl von Büroformen, die sich untereinander schwer abgrenzen lassen. Coworking fällt darunter. In Coworking-Räumen – Spaces genannt -  mieten sich Selbständige und Firmen einen Platz und profitieren von Annehmlichkeiten wie einer lockeren, kreativen Atmosphäre. Auch Startup-Gründerzentren (Accelerators, Incubators) zählen dazu, oder Serviced Offices: Anbieter wie Regus oder Westhive vermieten ganz Büros für eine bestimmte Zeit an Unternehmen und stellen die Infrastruktur zur Verfügung (Technik, Empfang, etc.).

Dieses Jahr war IWG ein Übernahmekandidat. Wird der Konzern selbstständig bleiben?
Wir befinden uns in einer sehr vorteilhaften Position. Kaum Schulden, einfach Zugang zu Krediten, viel Cash und starke Zahlen: Es sieht gut aus für uns.

Sie wollen das Wachstum in den nächsten Jahren verdoppeln?
Genau, dank unseren neuen Franchise-Strategie werden wir das schaffen. Es wird nur einige Jahre dauern.

Sie sind Brite. Die Frage liegt auf der Hand: Sind Sie für den Brexit?
Ich lebe seit über zwanzig Jahren nicht mehr dort. Aber Sie sich vorstellen, wie ich als überzeugter Europäer über diese Frage denke.

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«Château de Berne»: Der Rosé von Mark Dixon ist auch in der Schweiz beliebt.

Quelle: Maisons et Domaines de Provence/vin.co

Und wie ist Ihr Verhältnis zur Schweiz?
Ich verbringe viel Zeit hier. Und IWG ist ein Schweizer Unternehmen, das an der Londoner Börse kotiert ist.

Sie haben als junger Mann Hot-Dogs verkauft. Hätten Sie sich damals vorstellen können, dass Sie später einmal den grössten Bürovermittler der Welt führen würden?
IWG ist mein achtes Unternehmen. Und zusätzlich besitze ich noch zwei Weinunternehmen. Ich war erst 20 Jahre alt, als ich die Hot Dogs verkaufte. Aber schon damals war es eine grosse Sache, mir gehörten mehrere Hot-Dog-Busse. Ich arbeitete Nachts im Osten Londons.

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Die Arbeit war schwierig, Sie finden so nie eine Freundin. Doch ich erfuhr, was es heisst, einen Gewinn zu erzielen und Kapital zu schaffen. Und anschliessend die nächste Unternehmung zu starten.