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E-Bikes
Jakob Luksch: «Wir wollen das Wetter in den Griff bekommen»

Stromer
Jakob Luksch: «Vorstellbar wären zwei Luftschlitze vorne am E-Bike, die durch Luftzug Schnee und Regen wegblasen.»Quelle: ZVG

Der Chef der Schweizer E-Bike-Edelmarke Stromer über den Weg in die schwarzen Zahlen und den ewigen Frühling für seine Kunden.

Marcel Speiser
Von Andreas Güntert und Marcel Speiser
am 29.03.2019

Zehn Jahre nach der Firmengründung kam Stromer erstmals aus den roten Zahlen. Wie haben Sie das geschafft?
Jakob Luksch: Stromer hat die Fertigung konsequent von Fernost auf unseren Campus in Oberwangen BE verlegt. Zusammen mit dem direkten Zugriff auf die E-Bike-Komponenten war das der Hauptgrund für das Erreichen von schwarzen Zahlen 2018.

Normalerweise verlagern Schweizer die Fertigung ins Ausland, um Geld zu sparen.
Zwar liegen die Arbeitskosten in Taiwan mit 15 Franken pro Stunde tiefer als jene in der Schweiz, die wir mit 35 Franken kalkulieren. Aber die Fertigung macht nur 10 Prozent der Kosten unserer E-Bikes aus. Viel wichtiger ist es, dass wir in der Schweiz näher am Markt sind, keine Zeitverschiebungsprobleme haben und Modellspezifikationen viel kurzfristiger ändern und anpassen können.

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Bis wann soll jedes Stromer-Modell in der Schweiz endgefertigt werden?
Ab Ende April wird die Montage – das sogenannte Assembly – all unserer Modelle in Oberwangen stattfinden.

«Unsere Nische ist ganz klar: die besten E-Bikes für Pendler

Waren die schwarzen Zahlen 2018 nur ein Strohfeuer?
Nein. Stromer ist auf dem Weg zu einer nachhaltigen Profitabilität.

Stromer soll vom Sugarbaby zum veritablen KMU werden?
Wenn Sie so wollen, ja.

Wie gross ist das Sugarbaby heute?
An unserem Standort in Oberwangen beschäftigen wir insgesamt 80 Personen, davon 25 in der Fertigung.

Es waren auch schon mehr.
Ja, im Laufe des Turnarounds mussten wir zehn Stellen abbauen. Aber am Output hat dies nichts geändert. In unserem Campus haben wir eine Kapazität von 60 E-Bikes pro Tag, also ein Stromer alle 15 Minuten.

In der Schweiz liegt der durchschnittliche Verkaufspreis eines E-Bikes bei 3500 Franken. Ihr Einsteigermodell, der Stromer ST 1, beginnt bei 4500. Müsste Stromer nicht etwas für die Generation M-Budget tun?
Mit der ausserordentlichen Fahrdynamik, die unser Hinterradantrieb ermöglicht, sowie mit der Diebstahlsicherheit durch die Vernetzung unserer Bikes bieten wir unseren Kunden durchaus den Mehrwert, den sie im Preis sehen. Der Erfolg unserer Velos zeigt, dass unsere Kunden mehr Wert auf die Performance legen als auf den günstigsten Einstiegspreis.

In Ihrer Branche boomen die E-Mountainbikes. Da machen Sie auch nicht mit?
Machen wir nicht. Unsere Nische ist ganz klar: die besten E-Bikes für Pendler.

Der Ingenieur

Jakob Luksch (46) kam 2018 als neuer CEO bei Stromer ans Steuer. Zuvor war der deutsche Wirtschaftsingenieur und gelernte Bankkaufmann für die Autozulieferer Toyota Boshoku und Faurecia Automotive Seating tätig.

Das E-Bike

Das Schweizer Unternehmen My Stromer wurde 2009 vom Schweizer Mountainbike-Pionier Thomas «Thömu» Binggeli gegründet. 2011 übernahm es die Premium-Bikemarke BMC Switzerland des 2018 verstorbenen Unternehmers Andy Rihs. 2017 wurde Stromer von einer neuen Investorengruppe mit den Uhrenunternehmern Ernst Thomke und Stefan Schwab sowie IT-Entrepreneur und Ständerat Ruedi Noser übernommen.

Wie weit ist der durchschnittliche Stromer-Pendler unterwegs?
Im Schnitt sind es pro Tag 17 Kilometer. Was unsere Messungen auch ergeben haben: je teurer das Stromer-Bike, desto kürzer die Pendlerstrecke.

Weil die stolzen Besitzer eines 10 000-fränkigen Stromers ihr Elektro-Edelross aus Angst vor Diebstahl lieber in der Garage als auf der Strasse sehen?
Dank der vollen Konnektivität mit Geolokalisierung ist die Sicherheit heute schon sehr gut gelöst. Natürlich wollen wir das ständig verbessern und streben einen Diebstahlschutz von 100 Prozent an. Der Grund aber, weshalb teurere Stromer weniger bewegt werden, dürfte eher beim Wetter liegen.

Planen Sie einen Stromer in der Art des überdachten Motorrollers BMW C1?
Nein, ein Dach kommt mir nicht über den Stromer. Wir denken anders. Wir wollen das Wetter in den Griff bekommen.

Wie soll das gehen?
Vorstellbar wären beispielsweise zwei Luftschlitze vorne am E-Bike, die durch heftigen Luftzug Schnee und Regen so wegblasen, dass der E-Biker trocken bleibt. Nicht nur oben, sondern auch unten. Damit auch die Businesshose nicht nass wird.

Heftiger Luftzug dürfte ein ziemlicher Energiefresser sein.
Heute noch, ja. Aber je nach den nächsten Batterie-Entwicklungsschritten könnte so etwas durchaus möglich werden.

Stromer verkaufte letztes Jahr knapp über 10 000 E-Bikes. Wo geht die Reise 2019 hin?
Unser Markt wächst mit rund 20 Prozent, da wollen wir mithalten. 2019 sollen also um die 12 000 Stück verkauft werden.