Seit Ende September sass Jean-Claude Bastos de Morais im Hochsicherheitsgefängnis Viana in der angolanischen Hauptstadt Luanda. Die Anstalt ist für ihre schlechten Haftbedingungen berüchtigt. Das amerikanische Aussenministerium hat wiederholt auf Menschenrechtsverletzungen hingewiesen.

Bastos fürchtete um seine Gesundheit in der U-Haft. Er soll nur Essen konsumiert haben, das ihm Angehörige – darunter seine Lebenspartnerin Manuela Ganga – ins Gefängnis brachten. Ansonsten verweigerte der Schweiz-Angolaner die Nahrungsaufnahme.

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Vertraulicher Vergleich

Nun schaffte der ehemalige Verwalter von Angolas 5 Milliarden Dollar schwerem Staatsfonds eine Einigung mit der Generalstaatsanwaltschaft. Wie die Quantum Global Group am Freitagabend mitteilte, haben der Fundo Soberano de Angola (FSDEA) und Quantum-Gründer Jean-Claude Bastos einen vertraulichen Vergleich erzielt.
 
Bastos sei frei. Die angolanischen Behörden hätten «keinerlei Anklage wegen eines strafbaren Verhaltens gegen ihn erhoben».
 
Weiter hätten die Behörden von Mauritius die Einfrierung der Bankkonten von Quantum Global und Bastos aufgehoben. Auch setzte die Financial Services Commission die Lizenzen der Gruppe wieder in Kraft.

Verzicht auf Forderungen aller Art

Die Vergleichsvereinbarung sieht vor, dass beide Parteien auf weitere Forderungen gegenüber der jeweils anderen Partei verzichten. Der Vergleich deckt alle durch den FSDEA vor den Gerichten verschiedener Länder wie Angola, Mauritius, der Schweiz und Grossbritannien erhobenen Forderungen ab. Quantum Global und Jean-Claude Bastos verzichten im Gegenzug auf ihre in Grossbritannien gegen den FSDEA erhobenen Schadenersatzforderungen; auch werden sie ihre handelsrechtlichen Klagen gegen den FSDEA in Mauritius einstellen.

Bereits am Mittwoch hatte die «Handelszeitung» über die Einigung berichtet. Die Information basierte auf Aussagen von Tobias Klein, dem Finanzchef der Quantum Group. 

Laut dem portugiesischen Dienst von «Voice of America» hatte Klein im Rahmen eines Aufhebungsverfahrens von Kontensperren auf Mauritius, wo diverse Staatsfonds-Vehikel ihren Sitz haben, eine eidesstattliche Erklärung abgegeben: Darin erklärte der Quantum-CFO, dass die Streitigkeiten zwischen dem Asset Manager und Angola beigelegt worden seien.

Überraschende Wende

Der Deal kommt überraschend. Noch Ende Februar liess der oberste Staatsanwalt Angolas, Helder Fernando Pitta Gros, über die lokale Nachrichtenagentur ANGOP verbreiten, man werde in wenigen Tagen Anklage gegen Jean-Claude Bastos und den Sohn des ehemaligen Staatspräsidenten, José Filomeno dos Santos, erheben. Filomeno präsidierte den Fundo Soberano do Angola (FSDEA) bis Anfang 2018.

Zur Anklage gegen Bastos & Co wird es nun nicht kommen. Vielmehr markiert die Einigung das vorläufige Ende einer Auseinandersetzung zwischen der alten Staatsfonds-Führung und der neuen angolanischen Regierung um Präsident João Lourenço, der im Herbst 2017 ins Amt kam. Der Rechtsstreit, der in Angola, Grossbritannien, der Schweiz und auf Mauritius erbittert ausgefochten wurde, gipfelte gut ein Jahr nach Lourenços Inauguration in der Verhaftung von Jean-Claude Bastos in Luanda.

Am Abend des 24. September 2018 wurde Bastos in Untersuchungshaft gesetzt. Zuvor hatte man ihm bereits den Pass abgenommen, die Ausreise verwehrt, und er musste sich regelmässig bei den Behörden melden. Der Grund für die Zwangsmassnahmen: Ein Strafverfahren gegen den Schweiz-Angolaner mit dem Aktenzeichen Nr. 22/18-DNIAP.

Nicht in Transaktion involviert

Die Staatsanwaltschaft stellte damals in einem offiziellen Communiqué die Verhaftung in den Kontext der Veruntreuung von 500 Millionen Dollar aus den Beständen der angolanischen Nationalbank. Dies, obwohl Bastos und seine Zuger Quantum Gruppe nachweislich nicht in die Transaktion involviert waren. Allerdings stützten die Staatsanwälte den eigentlichen Haftantrag auf einen Immobiliendeal von Bastos für den Staatsfonds FSDEA ab.

Es handelt sich um einen jener Beteiligungsvehikel auf Mauritius, deren Verwaltung mit der Veröffentlichung der «Paradise Papers» im Herbst 2017 in Verruf geraten waren. Dies weil Bastos die Staatsfondsgelder über die Offshore-Vehikel zum Teil in Projekte investierte, an denen er privat beteiligt war, wie etwa ein Hochseehafen-Projekt in der Provinz Cabinda.

Auch erhielt Bastos vom Fundo Soberano fürs Management der Staatsfondsgelder über 500 Millionen Dollar an Abgaben und Verwaltungsgebühren, wie Gerichtsunterlagen zeigen. Zum Teil erhielt Bastos die «Fees» auch für Aufträge zugunsten eigener Firmen in der Schweiz, etwa Djembe, Uniqua oder Stampa.

In ihrem Haftantrag gegen Bastos fokussierten Angolas Ermittler um Generalstaatsanwalt Pitta Gros konkret auf eine Immobilien-Transaktion aus den Jahren 2014 und 2015. Damals kaufte der Staatsfonds eine Firmenhülle namens Kijinga, die im Besitz der Banco Kwanza Investimento war. Hauptaktionär der BKI mit 85 Prozent ist Jean-Claude Bastos. Der von Bastos gemanagte Staatsfonds verpflichtete sich über sein Hotel-Investment-Vehikel auf Mauritius, 100 Millionen Dollar in Kijinga einzuschiessen.

Turmprojekt in Luanda

Davon entfielen etwa 85 Millionen Dollar auf ein Hochhaus-Projekts in Luanda. Die Verträge für den geplanten Immobilienkomplex aus Hotel, Büros und Gewerbeeinheiten bestanden zwischen einer Kijinga-Tochter und einer Firma namens Afrique Imo Corporation. Sie gehört ebenfalls im Mehrheitsbesitz dem damaligen Staatsfonds-Verwalter Jean-Claude Bastos.

Die genauen Besitzverhältnisse brachten die «Paradise Papers» ans Licht. Schliesslich basierten sie auf vertraulichen Unterlagen von Appleby, einer auf Offshore-Vehikel spezialisierten Anwaltskanzlei. Deren Kunde war auch Jean-Claude Bastos.

Der veröffentlichte E-Mail-Verkehr zeigt indes auch, dass Appleby auf die latenten Interessenkonflikte beim Hoteldeal hinwies, wonach Bastos Verkäufer, Fondsmanager und Mehrheitseigner der Zielfirma ist. Allerdings machte der Schweiz-Angolaner den Interessenkonflikt transparent und trat fürs besagte Hotel-Investment in den Ausstand.   

Kontensperren rund um den Globus

Gemäss einer gut informierten Quelle nahmen die angolanischen Strafverfolger im letzten Herbst dennoch vertragliche Querelen um den geplanten «High Tech Tower» in der Hauptstadt Luanda zum Anlass, Jean-Claude Bastos in Untersuchungshaft zu setzen. Der Zwangsmassnahme war ein längerer Disput um die Kontrolle über die Milliarden an Staatsfondsgeldern vorausgegangen – auf der einen Seite stand FSDEA-Manager Bastos, auf der anderen die neue angolanische Führung.

Insbesondere die Managementverträge für das drei Milliarden Dollar schwere Private-Equity-Portfolio mit sehr langen Vertragslaufzeiten sollen dem neuen Präsidenten Lourenço ein Dorn im Auge gewesen sein: Er wollte Bastos und seine Zuger Quantum so rasch als möglich weghaben und ohne Abstriche die finanzielle Kontrolle über das gesamte «Fundo»-Vermögen wiedererlangen.

Nachdem die Verhandlungen im Frühjahr endgültig gescheitert waren, beschritt Angola den Rechtsweg, erwirkte Kontensperren rund um den Globus, darunter auch in der Schweiz, und setzte Bastos schliesslich fest.