Für die Schweizer Hotels beginnt nun die wichtige Sommersaison, nach dem schwierigen Winter und Frühling dürfen sie auf bessere Geschäfte hoffen. Die Gäste kehren zurück. Von den Angestellten lässt sich das in vielen Fällen nicht sagen: Es fehlt Personal.

«Wir suchen händeringend Fachkräfte», sagt Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig. Vor allem für die Küchen, im Service und an den Receptions werden Leute gesucht - etwa jede zehnte der 80’000 bis 90’000 Stellen für ausgebildete Mitarbeitende sei derzeit nicht besetzt, schätzt Züllig. «Im Tessin merken wir es besonders stark.» Auch im Berner Oberland und Graubünden sind viele Betriebe auf Ausschau.

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Der Personalmangel ist nebst der Corona-Pandemie das drängendste Problem für die Branche - das zeigt auch eine aktuelle Befragung unter den Mitgliedern von Hotelleriesuisse.

Drängend ist das Problem, neu nicht. Schon seit langem klagen die Betriebe über die schwierige Suche nach Mitarbeitern, vor allem der Nachwuchs fehlt, die «Stifte» und Lehrlinge. «Unsere Branche hat ein Imageproblem. Wir müssen die Attraktivität und Chancen in der Hotellerie besser nach aussen vermitteln», glaubt Züllig. Auch die Arbeitszeiten schreckten viele Junge von einer Lehre ab.

Die Lücke zeigte sich schon vorher, durch die Pandemie hat sie sich aber deutlich vergrössert. Viele Angestellte suchten in einer anderen Branche ihr Glück, als die Hotelbetriebe monatelang geschlossen waren. Die Köchin fährt nun vielleicht Gabelstapler, statt in der Sauce zu rühren. Auch kommen weniger Ausländer zum Arbeiten in die Schweiz als in früheren Jahren. Gerade Deutsche finden derzeit einfach zuhause einen Job - in der deutschen Hotellerie sind Fachkräfte ebenfalls rar.

Andreas Zuellig, Praesident hotelleriesuisse, spricht mit Journalisten vor eine Austausch mit den Vertretern der Schweizer Tourismusbranche und dem Bundesrat wegen der Coronavirus-Krise, am Sonntag, 26. April 2020 vor dem Bernerhof in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig: Er führt einen Betrieb auf der Lenzerheide.

Quelle: Keystone

«Wie helfen uns gegenseitig»

Ein weiterer Grund: Die Kurzarbeit. Vor allem Stadthotels sind bei weitem nicht ausgelastet, und beschäftigen ihre Angestellten in Teilzeit. Dadurch kommt es zu weniger Jobwechseln innerhalb der Branche. «Wir helfen uns aber auch gegenseitig», betont Hotelier Andreas Züllig. «Ich habe in meinem eigenen Betrieb auf der Lenzerheide Mitarbeiter des Luzerner Hotels Schweizerhof eingesetzt, als das Stadthotel geschlossen hatte.»

Der Fachkräftemangel wird noch lange bestehen bleiben, glaubt der oberste Hotelier. «Das wird für unsere Branche eine grosse Herausforderung», sagt Andreas Züllig.