Die Jacke sah aus wie das ­Original. Dieselbe schlanke Form, ähnliche Farbkombination. Selbst die Geheimtasche im Innenfutter war kopiert. Für die Verantwortlichen bei Zimtstern war klar: Die Migros hat mit ihrer Marke Cinnamon beim Schweizer Kultlabel abgekupfert.

Das war Anfang des Jahrtausends. Zimtstern war Kult, das Snowboard erlebte einen Boom. Mit dem schleichenden Niedergang der Wintersportart wurde die Luft aber eng für den damaligen Star am Fashion-Himmel. Zimtstern, lange Zeit hochprofitabel, rutschte in die roten Zahlen. Schliesslich kam das Aus.

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Nun steht das Label vor einem Comeback. Die Muster-Kollektion ist produziert, im Spätsommer soll die neue Ware bereits im Fachhandel erhältlich sein. «Die ersten Stücke der neuen Kollektion werden Ende Juli ausgeliefert», sagt Sönke Voss, Neo-Besitzer von Zimtstern.

Deutsches Zimtstern-Duo 

Voss hat zusammen mit seinem Geschäftspartner Hans Allmendinger die Rechte an der Marke gekauft. Das Duo hat gemeinsam fast vierzig Jahre Erfahrung im Handel mit Sportartikeln. Sie haben ihre Sporen bei Nike und bei Sport2000 verdient, einer international tätigen Kooperation von Fachhändlern.  

Zimtstern

Vorgeschmack auf die neuen Kleider: Teil aus der Muster-Kollektion im Test.

Quelle: ZVG

Voss ist ein deutsches Nordlicht, aufgewachsen weit weg von der alpinen Zimtstern-Welt. «Für einen Hamburger ist bereits eine Schlittenfahrt aus 20 Metern Höhe eine Herausforderung», sagt er. Ganz anders Allmendinger. Er verantwortet das Marketing bei Zimtstern und ist Mountainbiker mit Leib und Seele. Seine letzte Stelle hat er gekündigt, um nach eigenen Angaben die «schönsten Trails der Welt» abzufahren.

«Nach meiner Pause wollte ich etwas Neues machen, etwas in Verbindung mit der Mountainbike-Welt», sagt Allmendinger. Er habe sich geärgert, dass es keine reine Mountainbike-Marke gab. «Alles war inspiriert von Motocross oder vom Rennrad», so der 55-Jährige Frankfurter. Dann habe er erfahren, dass Zimtstern auf dem Markt war. Allmendinger spricht von einem «perfektem Fit». Die Marke sei etabliert in der Bike-Szene, funktional, stylisch, nachhaltig. «Zimtstern steht für Bergab-Spass», so der Bike-Enthusiast, in dessen Garage drei vollgefederte Räder stehen.

Neue Firma im Januar aufgesetzt

Die Markenrechte haben sich die beiden Ende des letzten Jahres geschnappt. Der alte Zimtstern-Besitzer, die Aargauer Gesellschaft Oel-Pool, zu der auch die Möbel-Marke de Sede und die Tankstellenkette Ruedi Rüssel gehören, war im Firesale-Modus. Vier Zimtstern-Boutiquen wurden in der Schweiz geschlossen, ein Dutzend Jobs gestrichen, Warenbestand und Inventar zum Schleuderpreis verhökert. In den Büchern summierten sich die Verluste auf über 600'000 Franken.

Zimtstern-Store in München

Zimtstern-Store in München: Vorerst sind keine eigenen Läden geplant.

Quelle: ZVG

Allmendinger und Voss legten gleich nach dem Kauf los. Wie Unterlagen aus dem deutschen Handelsregister zeigen, haben die beiden bereits am 3. Januar in Mainhausen unweit von Frankfurt am Main die Zimtstern Europe GmbH eintragen lassen. Kapitalbasis: 25'000 Euro. Wenige Wochen später trat das Duo dann an der Münchener Sportmesse ISPO auf. Die Botschaft: Zimtstern kommt zurück.

Der Fokus liegt neu auf Bike-Wear. Zimtstern verabschiedet sich damit von seinen Snowboard-Wurzeln. Der Schweiz will das Duo teilweise treu bleiben. «Die Designsprache wird weiterhin in der Schweiz entwickelt», sagt Allmendinger. Das Land sei ausserdem ein wichtiger Zielmarkt  mit einer grossen Fanbasis.

Gespräche mit Ochsner Sport

Voss und Allmendinger sprechen derzeit mit Vertriebspartnern. Als die Zürcher am Montag auf dem Sechseläutenplatz den Böögg verbrannten, diskutierten die Unternehmer mit Ochsner Sport über eine Einlistung der neuen Kollektion.

Mit weiteren Partnern aus der Schweiz und Resteuropa sind die beiden im Gespräch. «Wir fokussieren uns am Anfang auf die Kernmärkte, wo Zimtstern bereits bekannt ist», sagt Allmendinger. Das sei insbesondere die Alpenregion. «In Zukunft wollen wir die Marke aber auch in den USA und im asiatischen Raum vertreiben.»

Allmendinger und Voss funktionieren als Zwei-Mann-Betrieb. «Wir sind sehr schlank aufgestellt», sagen die beiden. Eigene Stores sind derzeit kein Thema. Das deutsche Zimtstern-Duo fokussiert sich stattdessen auf die Prozesse im Hintergrund. Die Logistik ist optimiert. Die Produktentwicklung passiert am 3D-Modell, angepasst auf einen Avatar. «Unser Standard ist einer der modernsten in der Textilbranche», sagt Voss. Auf veränderte Kundenbedürfnisse könne Zimtstern innert Wochen reagieren. Und dem Handel verspricht das Duo: «Innert 10 Tagen können wir jedes Teil nachliefern.»