Nun ist es offiziell: Die milliardenschwere Detailhandelskette Muji aus Japan kommt in die Schweiz. Für den Markteintritt hat sie in Zürich die Muji Switzerland AG gegründet, wie ein Eintrag im Handelsregister zeigt.

Der Start erfolgt früher als bisher erwartet: Bereits von Mitte April an wird das Einkaufszentrum Glatt mitten in seinem Center Produkte der japanischen Kultmarke präsentieren und verkaufen – vorerst auf einer Fläche von 200 Quadrat­metern. «Wir wollen die Geschichte der Marke und den japanischen Lifestyle unseren Kunden näherbringen», sagt Glatt-Geschäftsführer Rageth Clavadetscher. Die Aktion sei eine Mischung aus Verkauf und Ausstellung und laufe bis Juni. Im Angebot sind etwa Lifestyle-, Haushalts-, und Papeterieartikel sowie Bekleidung. Clavadetscher bestätigt zudem, dass im Oktober 2019 der Flagshipstore mit einer Fläche von 1000 Quadratmetern eröffnet, wie im November die «Schweiz am Wochen­ende» gestützt auf «verlässliche Quellen» kolportierte.

Muji wollte gar nicht in die Schweiz 

Dass Muji nun in der Schweiz startet, überrascht. Der letzte grosse Player, der ­einen Markteintritt versuchte, war die ­italienische Modekette OVS – sie zog nach ­einem Jahr wieder ab. Inzwischen drängen kaum noch neue Ketten auf den hie­sigen Markt. «Früher standen Firmen Schlange, um in die Schweiz zu kommen. Heute gehen sie lieber nach Deutschland oder Frankreich und beliefern Schweizer Kunden bloss online», sagt Clavadetscher. Auch Muji hegte hierzulande eigentlich keine Absichten. 

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Clavadetscher jedoch blieb hartnäckig, reiste selbst nach Asien, putzte Türklinken. «Ich überzeugte die Japaner mit ­guten Lösungen für einen Markteintritt in die Schweiz», sagt er. Als Leiter eines Einkaufszentrums sieht er sich weniger als Vermieter von Ladenflächen, sondern als Jäger von potenziellen Mietern.

Muji Store, Bluewater, United Kingdom, Architect Mcdaniel Woolf, Muji Store Architects: Mcdaniel Woolf. March 1999. View To Rear With Bikes.. (Photo by View Pictures/UIG via Getty Images)

Muji-Laden in Grossbritannien: Die japanische Kette setzt auf schlichtes Design und nachhaltige Produktion.

Wieso aber der Aufwand für den japanischen Brand? «Differenzierung», betont Clavadetscher. Überall gebe es die gleichen Läden. «Wer überleben will, muss mit einzigartigen Angeboten aufwarten.» Vor allem aber glaubt der ­Glatt-Chef, dass die Marke bestens zur Schweiz passt: «Muji tritt dezent auf und legt viel Wert auf Bio und Nachhaltigkeit.» Eigenschaften, die neue Besucher in den Einkaufstempel locken sollen. Muji steht für «mujirushi ryohin», was übersetzt so viel bedeutet wie «keine Marke, hochwertige Produkte». Das Konzept hat Erfolg. Inzwischen besitzt das Unternehmen rund 800 Filialen in 25 Ländern und setzt jährlich 3,5 Milliarden Euro um. Wenn es im Glattzentrum gut läuft, wollen die Japaner hierzulande weitere Filialen eröffnen.

Glattzentrum möchte Uniqlo holen

Ein anderer japanischer Brand auf ­Expansionskurs ist die Modekette Uniqlo. Seit Roger Federer in deren Tenues aufspielt, hoffen hier viele auf einen Markteintritt. «Ich würde Uniqlo gerne ins Glatt holen», sagt Clavadetscher, der mit dem Unternehmen im Gespräch ist. Bisher zeigte es aber noch kein Interesse. Überraschen würde es nun aber nicht, wenn Clavadetscher Uniqlo doch noch überzeugte.  

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