Seit zehn Jahren ist Lidl in der Schweiz vertreten. Und hat den Detailhandel zusammen mit Rivale Aldi verändert. Die «Handelszeitung» sprach an der Medienkonferenz zum 10-Jahre-Jubiläum mit Lidl-Schweiz-Chef Georg Kröll.

Lidl setzt auf Frischware, Regionalität und immer mehr Bioprodukte. Wollen sie gar kein Discounter mehr sein?
Georg Kröll: Die optische Wahrnehmung ist das eine, aber an unseren Grundprinzipien halten wir natürlich fest.

Die wären?
Das Discountprinzip ist nicht einfach zu verstehen. Es ist eine Art Lebenseinstellung. Das Discountprinzip muss von A bis Z in der gesamten Wertschöpfungskette etabliert sein. Wenn das nicht alle Beteiligte leben, funktioniert es nicht. In allen Entscheidungen steckt immer der tiefere Gedanke dahinter, ob wir damit die Preisführerschaft halten können – selbst wenn es nur darum geht, irgendwo einen Abfalleimer hinzustellen.

Der Preis steht also über allem?
Nicht nur. Wenn wir den günstigsten Preis haben, ist die Qualität des Produkts mindestens auf Markenniveau und eben nicht nur einfach billig. Um das zu ermöglichen, spielen Mechanismen im Hintergrund eine Rolle, die Kunden nicht zwingend verstehen müssen. Entscheidend für sie ist das Endresultat. Weil wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und die Grundlagen des Discounts beherrschen, können wir uns nun weiter vorwagen und uns stärker auf das Kundenerlebnis fokussieren.

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Was sind die grössten Unterschiede zu Lidl in Deutschland?
In Deutschland ist der Fokus auf den Preis stärker. Die Unterschiede werden aber geringer. Mittlerweile sind die Bedürfnisse auch in Deutschland gestiegen. Die Qualität hat in der Schweiz aber einen höheren Stellenwert als in vielen Ländern. Mit dem Preis alleine kann man hierzulande nicht punkten.

Wie gut kommen Sie gegen die Platzhirsche Migros und Coop an?
Die Rechnung ist einfach: Der Lebensmittel-Markt in der Schweiz hat in den letzten sieben Jahre fast 5 Milliarden Franken verloren, wir aber sind zweistellig gewachsen. Wir gewinnen also massive Marktanteile von den beiden Hauptbewerbern Coop und Migros. Dass sie da nicht sonderlich erfreut sind, ist klar.

Wie bekommen Sie das zu spüren?
Früher haben die schon auch ihre Ellbogen eingesetzt, besonders wenn es um Expansions-Themen ging. Das hat sich unterdessen gelegt.

Sie wollen weiterhin jährlich zehn Filialen eröffnen. Wo steht Lidl in zehn Jahren?
Theoretisch könnten wir auch mehr eröffnen. Aber wir wollen gute Standorte mit Flächen von mindestens 600 Quadratmetern, da wir den Kunden das Gesamtsortiment anbieten wollen.

Dann werden es in zehn Jahren über 270 Filialen sein?
Eine genaue Anzahl an Filialen werde ich nicht nennen. Der Markt ist zu dynamisch geworden. Ich würde nicht prophezeien wollen, ob es in zehn Jahren noch immer sinnvoll ist, überall derart stark vertreten zu sein. Dass wir wachsen werden, davon gehe ich aus. Doch ob das in 10 bis 15 Jahren im stationären Bereich sein wird, weiss ich nicht. Klar ist nur, dass wir schnell und dynamisch sind und die finanziellen Ressourcen haben, um nicht abgehängt zu werden.

Also wird der Online-Handel stärker ein Thema?
Das ist er schon heute. Aber es ist immer eine Frage des Timings. Wir sind in Deutschland beispielsweise auf Platz sechs im Onlinehandel (Ranking des EHI Retail Institute Anm. d. Red.). Das zeigt: Wir wissen schon, was funktioniert. Jeder Markt ist aber anders. Und in der Schweiz spielen noch andere Faktoren eine Rolle. Hier konzentrieren wir uns auf den stationären Food-Bereich und sehen da noch ein enormes Potenzial.    

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