Ein Beitrag in der «New York Times» lobte die Schweiz kürzlich als wahrgewordene Utopie. Ideal für Unternehmerinnen und Unternehmer, sozial gerecht und innovationsfreudig. Ganz überzeugt davon scheinen aber ausgerechnet Schweizer Gründer nicht zu sein.

Das zeigt ein «Bloomberg»-Report der Autorin Catherine Bosley. Bosley lobt im ersten Teil ihres Artikels zwar die Anziehungskraft «speziell von Zürich». Nicht fehlen darf ein Hinweis auf die wachsende Zahl von Google-, Facebook- und Disney-Mitarbeitern, die die Limmatstadt bevölkern.

Düstere Aussichten

Auch die wachsende Menge an Venture Capital (2018: 515 Millionen Franken) sowie die Strahlkraft des Krypto-Valleys in Zug werden positiv unterstrichen.

Düsterer wird die Perspektive aber, wenn die Schweizer Gründer im Artikel zu Wort kommen. So etwa Loanboox-CEO Stefan Mühlemann, der der Autorin erzählt, dass er aufgrund der strengen Immigrationsregeln der Schweiz einen amerikanischen Manager nicht anstellen konnte.

Möglicher Standortwechsel

«Das beschädigt unsere Wettbewerbsfähigkeit», so Mühlemann gegenüber «Bloomberg». Auch Philip Schoch, der das Regtech-Startup Apiax mitgegründet hat, zeigt sich im Artikel überraschend nachdenklich, was den Schweizer Standort angeht.

«Wir müssen uns fragen, was der optimale Standort für uns ist», so Schoch. Das Wachstum, das die Firma brauche, werde in den nächsten drei Jahren nicht aus der Schweiz kommen. «Bloomberg» schreibt, dass Schoch erwarte, dass sein 27-Personen Team möglicherweise weiterziehen müsse.

Bloomberg zweifelt

Und ein Alternativstandort könnte auch schon bereit stehen: Erst im Oktober hatte Apiax ein Büro in Singapur eröffnet. Bei der Eröffnung hatten die Apiax-Chefs für die Schweiz noch warme Worte übrig: «Die Schweiz ist als RegTech-Standort sehr attraktiv. Zürich und Genf sind wichtige Märkte für uns. Wir stossen mit unserem Produkt auf offene Ohren», hiess es damals.

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Zürich sei eben nicht in jeder Hinsicht ein idealer Standort für Tech-Gründerinnen und Gründer, so «Bloomberg». Es sei zudem paradox, so die Autorin, dass in einem Land, wo Firmen versuchen würden, das Finanzssystem neu zu erfinden, mobile Zahlungssysteme nicht sehr populär seien. Auch die Popularität von Bargeld sei für einen Möchtegern-Fintech-Hub irritierend.