Handelszeitung
General Motors Vice Chairman Bob Lutz is interviewed by the Associated Press in Detroit, Wednesday, May 27, 2009. (AP Photo/Paul Sancya)

«Das Schicksal von Tesla ist besiegelt»

Bild_Marc_Buergi
Von Marc Bürgi
am 17.07.2019

Bob Lutz: Er wurde vor dem Zweiten Weltkrieg in Zürich geboren.

Quelle: Keystone

Der Schweizer Automanager Bob Lutz erzählt über seine Zeit unter Lee Iacocca - und spricht Klartext zum Markt: Tesla habe keine Chance.

Letzte Woche starb der legendäre Chrysler-Chef Lee Iacocca. Sie waren während vieler Jahre sein Stellvertreter. Ihre Beziehung war offenbar schwierig.
Unsere Beziehung schwankte zwischen Hass und Liebe. Er mochte mich für meine Fähigkeiten und die Art, wie ich meinen Job erledigte. Er schätzte mich auch als Person. Gleichzeitig sah er in mir eine Gefahr für seine Autorität. Er hatte Angst, dass ich in unserem Geschäft besser als er werden würde. Ich war häufig anderer Meinung, weil er wie alle intelligenten Menschen nicht immer richtig lag. Wenn ich ihm widersprach, regte er sich sehr auf.

Ihre schwierige Beziehung war auch der Grund, wieso Sie nicht sein Nachfolger wurden.
Als es um seine Nachfolge ging, lancierte er ein Programm namens ABL: Es stand für «Anybody but Lutz», Irgendjemand ausser Lutz.

«Als es um seine Nachfolge ging, lancierte er ein Programm namens ABL: Es stand für Anybody but Lutz, Irgendjemand ausser Lutz.»

Foto: The LIFE Images Collection via G

Und trotz dieser Spannungen konnten Sie und Iacocca gut zusammenarbeiten?
Ja. Aber er wollte mich nicht als seinen Nachfolger, und das war eine Form von Strafe. Doch als Chrylser einige Jahre später an Daimler verkauft wurde, und dieser neue Konzern nicht in Fahrt kam, bezeichnete er den Entscheid, mich nicht zu seinem Nachfolger gemacht zu haben, öffentlich als den grössten Fehler seiner Karriere.

«Maximum Bob»

Name: Robert Anthony Lutz, Übername «Maximum Bob»
Funktion: Kommentator TV-Sender CNBC
Alter: 87
Ausbildung: Kampfpilot im US Marine Corps, Bachelor in Production Science an der University of California in Berkeley
Karriere:
1963 bis 1970: General Motors
1971 bis 1974: Verkaufschef BMW
1974 bis 1986: Chef Ford Europe, Chef Lastwagen-Division, Chef Internationale Division
1986 bis 1998: Vice Chairman Chrysler-Konzern
2001 bis 2010: Vice Chairman Product Development bei General Motors

Anzeige

Hätten Sie dem Zusammengehen mit Daimler zugestimmt?
Ich sah nichts Falsches darin, Chrylser zu verkaufen. Iacocca lehnte den Verkauf vermutlich grundsätzlich ab. Das Problem war allerdings, wie das Verhältnis mit Daimler gepflegt wurde. Bob Eaton, der die Nachfolge von Lee Iacocca übernommen hatte, war sehr nett und sehr intelligent, aber er war eine schwache Führungsfigur.

Lee hatte wohl das Gefühl, dass wir ein besseres Verhältnis zu Daimler gehabt hätten, wenn Bob Eaton ein stärkerer Leader gewesen wäre. Er bereute es, Bob Eaton statt mich zum neuen Chysler-Chef gemacht zu haben.

Sie haben den Kauf der Jeep-Marke durch Chysler als grössten Erfolg von Iacocca bezeichnet.
Ausser Iacocca waren alle im Management gegen den Kauf von Jeep-Eigner American Motors. American Motors macht damals grosse Verluste, ihre Fabriken waren veraltet, sie hatten keine neuen Produkte und waren zu 25 Prozent im Besitz von Renault. Wir konnten keine Vorteile erkennen. Aber Iacocca sagte: «Ich will dieses Unternehmen und wir werden es kaufen.»

Lee war ein intelligenter Risikonehmer. Alle sagen, die Lancierung des Ford Mustangs und des Chrylser Minivans seien seine grössten Erfolge gewesen. Sie verstehen nicht, dass sein grösster Erfolg der Kauf der Marke Jeep war.

Foto: The LIFE Images Collection via G

Jeep ist heute der wichtigste Ertragsbringer für den FiatChrysler-Konzern.
Die Marke bringt den Grossteil der Gewinne herein. Weltweit werden jährlich zwei Millionen Jeeps pro Jahr verkauft. Die Marke ist so gross wie ein Autokonzern. Und äusserst profitabel.

Chrysler Corp. Chmn. Lee Iacocca posing in front of full-sized clay model of the proposed Viper sports car being worked on by staff technicians in the Advanced International Design studio at the new Chrysler Tech Center.  (Photo by Taro Yamasaki/The LIFE Images Collection via Getty Images/Getty Images)

Lee Iacocca: Der Italo-Amerikaner bewahrte Chrysler vor der Pleite.

Quelle: The LIFE Images Collection via G

Lee Iacocca - der legendäre Chef von Chrysler

Lee Iacocca  starb letzte Woche im Alter von 94 Jahren. Der Sohn italienischer Immigranten war einer der ganz Grossen in der US-Automobilindustrie. Er galt nicht nur als einer der Väter des legendären Ford Mustang. Dem visionären Manager wird auch zugeschrieben, Chrysler im Jahr 1980 vor der Pleite bewahrt zu haben.

In seiner aktiven Zeit war Iacocca so populär wie sonst wenige Automogule in Amerika. Bekannt war er vor allem für sein Marketing-Gespür. Berühmt wurde er in den 1980ern etwa mit seinen Werbespots mit eingängigen Slogans. «Wenn Sie ein besseres Auto finden können, kaufen sie es!», lautete einer seiner TV-Sprüche. Zudem schrieb Iacocca zwei Bestseller und wurde sogar als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt. (sda)

 

Anzeige

«Wenn Sie ein besseres Auto finden können, kaufen sie es!»: Chrysler-Chef Lee Iacoccas berühmter Auftritt in einem Werbevideo.

Anzeige