General Motors Vice Chairman Bob Lutz is interviewed by the Associated Press in Detroit, Wednesday, May 27, 2009. (AP Photo/Paul Sancya)

«Das Schicksal von Tesla ist besiegelt»

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Von Marc Bürgi
am 17.07.2019 - 11:36 Uhr

Bob Lutz: Er wurde vor dem Zweiten Weltkrieg in Zürich geboren.

Quelle: Keystone

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Der Schweizer Automanager Bob Lutz erzählt über seine Zeit unter Lee Iacocca - und spricht Klartext zum Markt: Tesla habe keine Chance.

Bis vor kurzem war Sergio Marchionne der Chef von FiatChrysler. Kannten Sie ihn?
Ich kannte ihn, aber nicht sehr gut. Wir hatten einige Gespräche. Er war ein sehr willensstarker Manager, der wie Iacocca eigene Vorstellungen davon hatte, wie Dinge erledigt werden sollten. Er vertraute auf seine eigene Meinung. Das ist eines der Merkmale von starken Führungspersönlichkeiten.

Was meinen Sie damit?
Schwache Leader sind Verwalter, die allen zuhören und alle Meinungen einholen. Sie suchen den Konsens. Starke Leader sind anders. Sie sagen: «Das will ich, und so soll es gemacht werden.»

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General Motors vice chairman Bob Lutz gives a thumbs up during a ride in a Marine Corps amphibious assault vehicle during a visit to Camp Pendleton Marine Corps Base, Calif. Thursday, Sept. 14, 2006. GM demonstrated their new hydrogen cell vehicles at the base in advance of GM's release of fuel cell vehicles.   (AP Photo/Denis Poroy)

Bob Lutz in einem Panzer: Der Manager war früher Kampfjetpilot für die US-Air-Force.

Quelle: Keystone

Ist Tesla-Chef Elon Musk ein starker Leader?
Er zählt zu dieser Kategorie. Er ist brillant, ein Genie. Doch wie viele sehr intelligenten Menschen weiss er nicht, was er nicht weiss. Er weiss nicht, wie ein Autokonzern geführt werden muss. Er hat die finanzielle Seite nicht im Griff. Deshalb ist Tesla in einem sehr schlechten Zustand. Elon brachte sich in Schwierigkeiten und hörte nicht auf Leute, die sich auskennen. Das ist die Gefahr bei einer solchen Art von Führungspersönlichkeit.

NEW YORK, NY - APRIL 22:  Tesla Motors CEO Elon Musk (L) and General Motors executive Bob Lutz attend the Tribeca Film Festival after-party for Revenge Of The Electric Car  hosted by The Bunker Club at The Bunker Club on April 22, 2011 in New York City.  (Photo by Joe Corrigan/Getty Images for Tribeca Film Festival)
Foto: Getty Images
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Sie glauben nicht an den Erfolg von Tesla?
Das Schicksal von Tesla ist besiegelt. Die Situation ist fast hoffnungslos angesichts der Verluste, die sie derzeit schreiben. Die Nachfrage hat nachgegeben. Tesla hatte 400'000 Vorbestellungen für das Model 3. Tatsächlich haben sie davon nur 80'000 oder 90'000 Stück abgesetzt, und die sie haben Mühe, mehr zu verkaufen (Anm. d. Red.: Laut Tesla ist diese Aussage von Bob Lutz falsch. Demnach wurden von den 400'000 Vorbestellungen zwischen 80'000 und 90'000 rückgängig gemacht. Tesla betont zudem, dass das Model 3 auf wachsende Nachfrage stosse. Fakt ist: Im zweiten Quartal 2019 lieferte Tesla weltweit 77'550 Einheiten des Fahrzeugs aus).

Das Model S ist mittlerweile zehn Jahre alt, auch hier verlaufen die Verkäufe schleppend. Das gleiche Bild zeigt sich beim Model X, der SUV mit den Flügeltüren – das ist ohnehin ein hässliches Fahrzeug. Tesla bleibt etwa ein Jahr Zeit, bis jeder der grossen globalen Autokonzerne eine eigene Flotte von Elektrofahrzeugen im Angebot hat. Diese Autos werden genauso gut oder sogar besser sein als die von Tesla.