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Möbel-Streit: Webhändler provoziert Hersteller Vitra

LONDON, ENGLAND - OCTOBER 20:  A general view at The World of Charles and Ray Eames exhibition at the Barbican Art Gallery at Barbican Centre on October 20, 2015 in London, England. The World of Charles and Ray Eames exhibition runs from 21 Oct 15 - 14 Feb 16.  (Photo by Tristan Fewings/Getty Images for Barbican Art Gallery)
Ausstellung der US-Designer Charles and Ray Eames in London: Seit 1957 werden die Möbel der Eames' von Vitra in Lizenz für Europa gefertigt.Quelle: 2015 Getty Images

Möbelbauer Vitra liefert seine Designikonen nur an ausgewählte Händler. Einen deutschen Verkäufer kümmert das wenig. Der Streit eskaliert.

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Von Marc Bürgi
am 18.01.2019

Midmodern ist auf exklusive Designermöbel spezialisiert. Der deutsche Onlinehändler bietet nebst anderen Marken auch viele Objekte von Vitra Collections an, des Schweizer Herstellers, der die Werke vieler berühmter Designer fertigt. So finden Kunden im Internetshop etwa Stühle und Sessel der legendären US-Amerikaner Charles und Ray Eames. Midmodern macht viel Umsatz mit Vitra-Möbeln. Das Schweizer Unternehmen hat dennoch keine Freude am Wiederverkäufer. Es führt vielmehr seit Jahren einen harten Rechtsstreit mit dem oberbayerischen Unternehmen.

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Midmodern spielt nämlich nicht nach den Regeln von Vitra. Das Unternehmen ist weder offizieller Partner der Schweizer, noch hält es sich an die branchenüblichen Preise für die Designklassiker. Ein Stuhl von Eames ist im deutschen Onlineshop bis zu zehn Prozent günstiger als bei autorisierten Händlern von Vitra. Midmodern macht sich nach eigenen Angaben den Umstand zunutze, dass die Preise sonst überall ähnlich hoch sind. Es bezieht die Möbel über offizielle Vitra-Partner und verzichtet auf einen Teil der Marge. «Unsere Rendite lädt nicht zu Raketenstarts ein», sagt Midmodern-Chef Jens Semjan.

Vitra will nicht Stellung nehmen

2014 wurde Vitra Collections auf den findigen Onlinehändler aufmerksam. Und ging in der Folge nach Darstellung von Midmodern mit rabiaten Methoden gegen das kleine Unternehmen vor. Vitras Sicht bleibt unklar. Die Schweizer Möbelfirma wollte keine Stellung nehmen.

Vitra drängte Midmoderns Lieferanten, ihn nicht mehr mit Ware zu beliefern. Sie zu identifizieren, fiel Vitra nicht schwer, denn jedes Möbelstück ist mit einer individuellen Nummer gekennzeichnet. Midmodern ging deshalb dazu über, die Nummern im Onlineshop zu verpixeln und so unkenntlich zu machen, um seine Lieferanten zu schützen.

LONDON, ENGLAND - OCTOBER 20:  A general view at The World of Charles and Ray Eames exhibition at the Barbican Art Gallery at Barbican Centre on October 20, 2015 in London, England. The World of Charles and Ray Eames exhibition runs from 21 Oct 15 - 14 Feb 16.  (Photo by Tristan Fewings/Getty Images for Barbican Art Gallery)
Sessel von Charles und Ray Eames: Der Werke der berühmten Designern werden auch in Museen gezeigt.
Quelle: 2015 Getty Images

Testkäufer bringt Midmodern in Schwierigkeiten

Vitra setzte laut Midmodern auch ein Detektivbüro an. Die Detektei filmte die Lager in Oberbayern, um an die Namen der Vitra-Partner zu gelangen, die den Händler belieferten. Und machte einen Testkauf beim Onlineshop, um das Unternehmen zu einem Gesetzesverstoss zu provozieren, durch einen « Agent Provocateur», wie Midmodern-Chef Jens Semjan glaubt.

Semjan liess auf Wunsch dieses Kunden einen Stuhl von Vitra umgestalten, und wurde daraufhin von Vitra wegen Bruch des Urheberrechts verklagt. Das Verfahren endete mit einer sogenannten Unterlassungserklärung gegen Semjan, er verpflichte sich dazu, solche Abänderungen künftig bleiben zu lassen. Semjan macht Vitra schwerwiegendere Vorwürfe: Vertreter des Unternehmens hätten ihn verleumdet und das Gerücht verbreitet, er verkaufe Fälschungen.

Fiberglass Stuehle von Charles Eames (1907-1978) und Ray Eames (1912-1988), aufgenommen in Zuerich am Mittwoch, 15. November 2017. Die Entwuerfe des Ehepaars gehoeren zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts. Noch heute lassen die Entwuerfe aus den 1950er-Jahren Designliebhaber strahlen und in angesagten Moebellaeden die Kassen klingeln. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Eames-Stuhl: Seit 1957 fertigt Vitra Möbel der US-Designer in Lizenz für Europa und den Mittleren Osten.
Quelle: © KEYSTONE / WALTER BIERI

Neuste Runde im Schlagbtausch

Ein Plagiatsvorwurf führte denn auch zur neusten Runde im Schlagabtausch: Vitra Collections brachte den Onlinehändler Amazon dazu, Midmodern die Lizenz zu entziehen, weil das Unternehmen auf dem Marktplatz angeblich Imitate verkaufe. Daraufhin hat Semjan Vitra verklagt. Ende Monat kommt es zur mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht München, Semjan will Vitra verbieten, ihn auf Onlineplattformen auszubooten. «Es ist zu einem Katz- und Maus-Spiel geworden», sagt Semjan. Der Unternehmer gibt sich gute Chancen, bei der Klage Recht zu erhalten.

«Der Ausgang des Verfahrens wird zeigen, welche Chancen kleine Unternehmen haben, ihre Rechte gegenüber internationaler Grossunternehmen durchzusetzen», glaubt Semjan. Midmodern sieht sich als Vorkämpfer für den freien Wettbewerb, als David im Streit mit einem übermächtigen Goliath Vitra. Unternehmen wie Vitra verhinderten Preiswettbewerb, wenn sie nur ausgewählte Händler beliefern und ihnen die Preise vorgeben.