Zehn Wochen nach Projektbeginn ergibt sich ein erstes Fazit: viel gelernt. Und etwas erkannt: Das Angebot zielt an den Kundenwünschen vorbei.

In gutschweizerischer Bescheidenheit hielten die Schweden das Angebot zunächst klein. Ziel war, mit zwanzig Firmenkunden ins Geschäft zu kommen. Diesen sollten keine einzelnen Möbel, sondern vorgeschnürte Pakete vermietet werden. Sechs Angebote für Büroarbeitsplätze, 18 für Sitzungszimmer.

Doch es sieht mau aus. «Seit dem offi­ziellen Start Ende Juni haben wir in der Schweiz 33 Anfragen erhalten» sagt Ikea-Sprecher Aurel Hosennen, «bis jetzt haben wir mit einem Kunden den Vertrag unterzeichnet und die Waren ausgeliefert sowie montiert.» Den schwachen Start führt man bei Ikea auf zwei Ursachen zurück.

Zwei Knackpunkte

Erstens: Kunden wollen anscheinend nicht vorgeschnürte Pakete mieten, sondern «individuell selber ihre Miet­objekte bestimmen, also Zugriff auf das komplette Sortiment haben», sagt Hosennen.

Und zweitens: Das Angebot ist zu teuer. Bei den Preisen – das günstigste Büropaket mit ­einem Warenwert von 950 Franken kostet 70 Franken pro Monat – «müssen wir wohl noch einmal über die Bücher». Das ganze Ikea-Kernsortiment von 7500 Artikeln mietbar zu machen, würde hohen Aufwand bringen, sagt Hosennen: «Es müsste eine ganze Menge Technologie zu Themen wie Pricing und Logistik zum Einsatz ­kommen.»

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MOSCOW, RUSSIA - JUNE 27, 2019: A customer visits the Khodynskoye Pole store opened by IKEA at the Aviapark shopping centre, the first IKEA store located within the city limit of Moscow. Artyom Geodakyan/TASS (Photo by Artyom Geodakyan\TASS via Getty Images)

Kundin im Ikea: Das neue Angebot ist bisher auf wenig Anklang gestossen.

Quelle: Artyom Geodakyan/TASS

Beliani vermietet ganzes Sortiment

Während sich Ikea Schweiz noch abstrampelt, startete der Schweizer Online-Möbelhändler Beliani in aller Stille sein eigenes Abo-Modell. Im August lancierte das Unternehmen, das in 19 Ländern tätig ist, sein Miet-Modell in der Schweiz – für das volle Sortiment: «Kundenbefragungen ergaben: Die User wollen keine vorgeschnürten Pakete. Sie wollen auswählen können, aus dem ganzen Sortiment», sagt Stephan Widmer, Chef und Co-Gründer von Beliani.

Für das Schweizer Online-Unternehmen ist es offenbar kein Problem, ein Sortiment von über 5000 Artikeln zum Kauf und zur Miete anzubieten: «Logistisch macht es in unserem Lager im solothurnischen Däniken keinen Unterschied, ob die Kunden ihre Möbel kaufen oder mieten», sagt Widmer.

«Es ist sehr gut angelaufen»

Die Nachfrage stimme: «Obwohl wir das nicht beworben haben, ist es sehr gut angelaufen.» Sofas, Betten und Whirlpools seien die Leader-Produkte bei der Miete. Bei einer Mietdauer von 24 Monaten schneiden die Konditionen von Beliani besser ab als jene von Ikea.

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Aber auch bei Beliani läuft nicht alles sorgenfrei: «Die Prüfung der Kreditwürdigkeit von Mietkunden ist aufwendiger als gedacht», so Widmer. Erstens, weil der Prozess, der in Zusammenarbeit mit ­Finanzpartner Swissbilling abgewickelt werde, noch nicht automatisiert worden sei. Und zweitens, «weil viele der Miet-­Aspiranten nicht kreditwürdig sind. Für diese Prüfung geht sehr viel Zeit drauf.»

IKEA-MÖBELMIETE

Pakete für Büro und Sitzungszimmer

Das Projekt Per Ende Juni startete Ikea in der Schweiz ein weltweites Pilotprojekt. An zunächst zwanzig Startups und KMU sollten Büro- und Sitzungszimmerausstattungen vermietet werden. In den monatlichen Kosten inbegriffen: Lieferung, Montage, Rückbau und Rücklieferung.

Der Nutzen Ikea sieht den Sinn der Möbelmiete in der Zirkularwirtschaft: Was nicht mehr gebraucht wird, kann nach Ablauf der Mietdauer zurückgegeben und dem Wiederverkauf zugeführt werden. Der Nutzen für Mieter: Ihr Kapital wird nicht gebunden und sie können bezüglich Möblierung in der Firma flexibel agieren.

Herausforderung: Bonität der Kunden

Auch Ikea kenne dieses Problem, sagt Hosennen: «Etwa, wenn wir es mit Unternehmen zu tun haben, deren bisherige Ikea-Umsätze weit unter der Summe für die gewünschten Mietobjekte liegen.»

Beliani arbeitet daran, den Bonitätsprozess zu automatisieren. Bis man mit der Möbelmiete in alle 19 Länder gehe, dauere es noch, erklärt Widmer: «Der Schweizer Test läuft bestimmt noch bis ins nächste Jahr hinein.»

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Ikea bleibt am Thema dran

Auch Ikea bleibt dran am Thema: «Fürs Erste läuft das bisherige Projekt mit den bisherigen Kunden bis zum Ende der Vertragslaufzeit, mindestens zwölf Monate, weiter», sagt Hosennen. Die Schweizer haben ihre Erkenntnisse dem zuständigen Team in Schweden gemeldet, das die Erfahrungen sammelt, die inzwischen auch in anderen Ländern gemacht werden.

Das Thema Möbel-Abo, verknüpft per Zirkularwirtschaft, stehe weiterhin auf der globalen Ikea-Agenda. Gestützt durch Schweizer Erkenntnisse: «Diese sollen dann in ein globales Konzept einfliessen, das vermutlich 2020 in möglichst vielen Märkten getestet und danach weltweit ausgerollt werden soll.»