Theo Müller, Unternehmer aus Leidenschaft, hat es vor ein paar Jahren in die Schweiz verschlagen. Ins «Exil», wie der deutsche Milliardär einmal scherzhaft sagte; seine Heimat sei und bleibe Deutschland. Und wo er herkommt, da mischt er sich ein, direkt und unverblümt.

Anlass dazu gibts zuhauf, mal ist es der deutsche Fiskus, der nervt. Dann wieder die Journaille, die ihm seinen Managerverschleiss in seiner Theo-Müller-Gruppe vorrechnet. Jüngste Gelegenheit zum ­Widerspruch bot ihm die deutsche Partei Die Linke, an deren nationalem Parteitag Anfang März die Energiewende in höchsten Tönen besungen wurde. Nichts weniger als eine Revolution erhofft sich die Parteielite.

Delegierte Sandra Lust enervierte sich vorab über den Energiekonsum von Vermögenden und sprach: «Auch wenn wir das eine Prozent der Reichen ­erschossen haben, ist es immer noch so, dass wir heizen wollen, wir wollen uns fortbewegen.» Ihre Aussage, die anderswo Irrita­tion oder Widerspruch ausgelöst ­hätte, sorgte am Parteitag für Zustimmung. Wo­rauf die Rednerin nachlegte: «Na ja, ist so! Wir müssen mal von dieser Meta-Ebene runterkommen.»

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«Nützliche Arbeit»

Von der Meta-Ebene runter kam auch Parteichef Bernd Riexinger. Der Linke-­Chef feixte nach Lusts Diktum: «Wir erschiessen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein.»

Erschiessen oder Zwangsarbeit – da sah Theo Müller rot. Vorigen Monat reichte er bei der Staatsanwaltschaft Kassel Straf­anzeige «gegen Unbekannt sowie ­gegen Herrn Bernd Riexinger, Partei­vorsitzender Partei Die Linke, Berlin» ein. Die Aussagen vom Parteitag erfüllten den Tatbestand der Volksverhetzung, schreibt er in der Anzeige, die der «Handelszeitung» vorliegt. Es sei schliesslich verboten, zu Hass oder Gewaltakten aufzustacheln, sofern sich die Anfeindung gegen eine konkrete Bevölkerungsgruppe richte – die Vermögenden.

Diffamiert und bedroht

Der Achtzigjährige, selber einst Ziel ­einer (gescheiterten) Entführung, fühlt sich direkt betroffen: Mit einem Vermögen in Milliardenhöhe gehöre er zu dem ins Visier gerückten Bevölkerungsteil, der bei einem Machtwechsel erschossen oder zur Zwangsarbeit verpflichtet würde. Ergo fühle er sich, schreibt er in seiner Anzeige, diffamiert und bedroht. Und überhaupt: Für seinen Reichtum, den er hart erarbeitet habe, empfinde er nicht etwa Scham, sondern vielmehr Stolz.

Offenbar ist Müller nicht der Einzige, der Parteichef Riexinger vor den Kadi ziehen will. Gemäss Staatsanwaltschaft seien zum Linke-Parteitag «eine Vielzahl von Strafanzeigen» eingegangen. Allerdings, meint der Sprecher, habe die Justiz die Aufnahme von Ermittlungen «abgelehnt». Dies nach «eingehender Prüfung und Auswertung des von der Strategiekonferenz der Partei Die Linke gefertigten Video­materials». Gegen den Ablehnungsentscheid wurde Beschwerde eingereicht; ob zu den Beschwerdeführern auch Müller zählt, ist unbekannt. Die Staatsanwaltschaft äussert sich diesbezüglich nicht.

Während Europas Molkereikönig in der Politarena wie eh und je im Vorwärts­modus agiert, scheint er in der Firmengruppe – zumindest formell – etwas kürzerzutreten. Diesen Februar hat er den VR-­Chefposten in der Unternehmensgruppe seinem ältesten Sohn Stefan übergeben.

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