Heftige Diskussionen gab es in den letzten Tagen um die Software, mit der der Versandhädler-Gigant Zalando seine Mitarbeiter bewertet. Das sogenannte Zonar-System, bei dem sich Mitarbeiter gegenseitig Noten geben müssen, führe zu ständiger Überwachung und «Stasi-Methoden» im Unternehmen.

Das behaupten zumindest die Studienautoren der gewerkschaftsnahen deutschen Hans-Böckler-Stiftung. Sie hatten mit betroffenen Mitarbeitern gesprochen, die sich über die Überwachungskultur beklagen.

Digitec Galaxus nutzt das Echo-System

Ist die Mitarbeiter-Übewachung per Software bei den Versandhändlern Usus? Eine Umfrage unter Schweizer Online-Grössen zeigt: Nein. Zwar haben diese auch ihre Feedbacksysteme modernisiert, aber keiner der befragten Händler setzt dafür eine Software ein.

«Bei Digitec Galaxus haben wir vor zwei Jahren ein neues System zur Mitarbeiterbewertung eingeführt. Das klassische Jahresgespräch wurde im Zuge dieser Massnahme abgeschafft», sagt Markus Schwarz, der beim Unternehmen für Personalfragen zuständig ist. 

Keine individuellen Ziele

Man habe bei Digitec Galaxus auch keine quantitativen Bewertungsbögen mehr. «Wir haben Teamfeedbacks eingeführt und diese unter dem Namen Echo zusammengefasst. Team und Vorgesetzter treffen sich vierteljährlich in einem Setting, in dem sie sich über Erwartungen und Ziele austauschen».

Individuelle Ziele gäbe es bei Digitec Galaxus gar nicht mehr. Ausnahme seien die vielen Teilzeitmitarbeitenden, die einmal pro Monat zu einem 1:1-Gespräch gebeten werden.

Bei den Teamfeedback-Runden müssen sich Digitec Galaxus-Mitarbeiter im Plenum die Frage stellen, was sie zu den Teamzielen beigetragen haben und wo sie hätten besser sein können. Der Vorgesetzte ist bei diesen Sitzungen dabei und erhält auch Feedback, aber er bewertet die Mitarbeiter nicht vor allen anderen.

Brack.ch entschied sich gegen Software

«Unsere Teams setzen sich Quartalsziele, weil wir High-Performance-Teams entwickeln wollen. Wir haben nicht vor, irgendeine Software einzusetzen, um den Echo-Prozess zu begleiten oder zu ersetzen», so Schwarz.

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Auch bei Brack.ch hat man sich vor zwei Jahren bewusst gegen eine Mitarbeiter-Bewertungssoftware entscheiden. Mitarbeiterbewertungen haben bei Brack.ch an sich keinen guten Stand. «Wir sind davon überzeugt, dass eine Bewertung von Mitarbeitenden nicht zeitgemäss ist», so Brack.ch Sprecher Sebastian Kestel.

Institutionalisiert sei bei Brack.ch nur, dass sich Führungsteams zweimal pro Jahr treffen, um über Beförderungen innerhalb einer Fach- oder Cheflaufbahn zu entscheiden. Dabei stünden Stärken als auch der Entwicklungsgrad des Mitarbeitenden im Vordergrund. Und alles erfolgt ohne Softwareunterstützung, so Kestel.


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