Dass Urs Rohner an Konzernchef Tidjane Thiam festhält, dürfte einer der wichtigsten Entscheide in seiner CS-Karriere sein. Nun dürfte CEO Thiam der Grossbank noch ein paar Jahre erhalten bleiben – und er dürfte Präsident Rohner wohl bei der CS überleben. Denn der muss bereits im Frühling 2021, also in anderthalb Jahren, sein Chairman-Mandat abgeben.

Daran trägt er selber Schuld. Eine seiner ersten Amtshandlungen als neuer CS-Präsident war die Senkung der Amtsdauer der Verwaltungsräte von 15 auf 12 Jahre – ein Entscheid, den er heute bereuen dürfte. 

Weil Rohner bereits seit 2009 im Strategiegremium sitzt (ab 2011 als Präsident), muss er spätestens an der Generalversammlung von Ende April 2021 zurücktreten. Und weil es so im Reglement festgeschrieben ist und kein Interner sich aufdrängt, muss er schon bald – zur GV im April 2020 – einen Kandidaten für das höchste Amt bei der Grossbank portieren.

Vom Schlachtplan 1 zum Plan B

Die Rechnung schien lange aufzugehen. Denn auf der anderen Seite, heisst es intern, wäre es Tidjane Thiam Schlachtplan gewesen, nach abgeschlossener Sanierung das Präsidentenamt der Paradeplatz-Bank anzustreben. Doch der schrille Machtkampf mit Iqbal Khan hat seinen Ambitionen für Höheres schwer geschadet – zumal der Konzernchef wegen seines Machtanspruchs schon zuvor manchen Verwaltungsräten nicht ganz geheuer war.

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Also dürfte nach dem Kladderadatsch ein Externer oder eine Externe zum Zug kommen. Diese Person wird aber kaum direkt auf den Präsidentenposten gewählt, sondern muss sich zuerst ein Jahr lang im Verwaltungsrat bewähren. 

Ergo ist davon auszugehen, dass Urs Rohner längst Ausschau nach möglichen Kandidaten hält. Bereits kursieren erste Namen von Männern, denen Chancen eingeräumt werden. In diesen Kreis gehört Philipp Hildebrand, ehemaliger SNB-Präsident und aktuell Führungsmitglied bei der Investmentfirma Blackrock. Noch häufiger fällt der Name von Ulrich Körner, der bis vor kurzem Mitglied der UBS-Konzernleitung war. Rohner und Körner kennen sich aus gemeinsamer CS-Zeit. 2009 wechselte Körner zum Konkurrenten UBS.

Auch das Timing bei seinem Rücktritt würde stimmen: Körners Kündigungsfrist läuft im Frühling 2020 ab – exakt einen Monat vor der Generalversammlung der Credit Suisse.