UBS: 0,01 Prozent, Credit Suisse: 0,01 Prozent, Postfinance: 0,05 Prozent. Seit Jahren sind die Sparzinsen bei den meisten Banken so tief, dass die Kunden aufgehört haben, sich aktiv um die Anlage dieser Gelder zu kümmern. Wenn es überall nichts gibt, lohnt sich auch der Vergleich nicht mehr.

Das deutsche Fintech Deposit Solutions schickt sich an, das zu ändern. Nachdem die Firma in Deutschland bereits für Aufsehen gesorgt hat, kommt sie jetzt in die Schweiz. Noch im laufenden Jahr plane man, unter der Marke Savedo eine Plattform für die Anlage von Spargeldern zu lancieren, sagt Thomas von Hohenhau, Globaler Vertriebschef und Länderchef für die Schweiz. Ziel sind nicht nur Kleinsparer, sondern vor allem auch die hiesigen Banken.

Anlegen wie mit Fonds oder Aktien

Deposit Solutions betreibt eine Plattform, über die Cash-Bestände einfach auf verschiedene Banken verteilt und dort direkt angelegt werden können. Das Sparen mit Sparkonten und Termingeldern ähnelt so dem Investieren in Aktien oder Anlagefonds. Eine Mindest-Anlagesumme gibt es nicht.

Unter anderem in Deutschland, Österreich und den Niederlanden ist die Firma damit bereits unterwegs. Mehr als zehn Milliarden Euro seien so schon vermittelt worden, sagt von Hohenhau. Partner sind unter anderem die Deutsche Bank oder die ebenfalls aus Deutschland stammende HSH Nordbank. Die angebotenen Sparprodukte stammen von Banken aus ganz Europa.

Deposit Solutions richtet sich einerseits direkt an Sparer. Noch vor Ende Jahr soll in der Schweiz die Plattform «Savedo» lanciert werden, sagt von Hohenhau. Ein Test unter «Friends and Family» starte dieser Tage. Anleger können dort ein Konto eröffnen und anschliessend Geld anlegen. Damit soll der Einstieg in den Schweizer Markt gelingen.

Sparen in Franken, Euro oder US-Dollar

Anders als in bisherigen Märkten will man hierzulande Anlagen in unterschiedlichen Währungen vermitteln. Also nicht nur Schweizerfranken, sondern auch Euro und US-Dollar. Sparangebote in Franken sollen unter anderem von der Hypothekarbank Lenzburg und einer grösseren deutschen Bank mit Kreditgeschäft in der Schweiz stammen.

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Die Anlagesumme pro Sparprodukt ist auf 100'000 Franken begrenzt. Damit soll sichergestellt werden, dass in jedem Fall der Einlageschutz des jeweiligen Landes gewährt ist. Auf diese Absicherung dürfte Deposit Solutions angewiesen sein, wenn es hiesige Kunden überzeugen will, stammen doch die heute in Deutschland oder Österreich angebotenen Sparprodukte doch meist von Banken, die hierzulande wenig bekannt sind.

«Der Bankkunde erhält auf einem grossen Teil seiner Assets heute eine Rendite von null Prozent», sagt von Hohenhau. «Und selbst das wird von den Banken noch quersubventioniert.» Weder Kunden, noch Banken seien damit zufrieden. «Wir wollen diese Assetklasse öffnen und Alternativen bieten.»

Neues Instrument für die Vermögensverwaltung

Mittelfristig zielt das Fintech aber vor allem die hiesigen Banken und Vermögensverwalter an. «Wir sehen uns als Technologieunternehmen für Banken», sagt von Hohenhau. Diesen will man eine Plattform anbieten, die sie in ihre Vermögensverwaltung einbeziehen können. «Fortgeschrittene» Gespräche mit Banken und externen Vermögensverwaltern würden derzeit geführt.

Banken sollen mit Deposit Solutions eine Möglichkeit erhalten, ihre Bilanzen von unerwünschten Cash-Beständen zu entlasten und gleichzeitig die Kunden zu halten. «Investiert der Bankkunde über uns in ein Sparprodukt, fliesst zwar das Geld ab», sagt von Hohenhau. «Die Bank kann jedoch die Kundenbeziehung komplett halten und intensiviert diese sogar noch.»

Das könnte vor allem für Banken interessant sein, die hauptsächlich im Private Banking tätig sind und kein Kreditgeschäft betreiben. Sie leiden oft unter den hohen Cash-Beständen ihrer Kunden, da sie dafür keine direkte Verwendung finden und gezwungen sind, die Gelder zu Negativzinsen bei der Nationalbank zu deponieren.

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Deposit Solutions finanziert sich über Gebühren, die jene Banken bezahlen, denen das Geld zufliesst. Ein Teil davon geht auch an die Banken, welche die Kunden betreuen.

Hypothekarbank Lenzburg als Partner

Partner für den Schweizer Markteintritt ist die Hypothekarbank Lenzburg, die fürs Kleinkundengeschäft ihre Infrastruktur zur Verfügung stellt. Wer über Savedo ein Konto eröffnet, wird Kunde der «Hypi».

«Wir haben uns schon früh zu einem echten Open Banking bekannt», sagt Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg. Daher wurden wir von Deposit Solutions wegen einer Zusammenarbeit kontaktiert. Bei der Umsetzung des Konsumenten-Angebots habe man sich stark am bereits bestehenden Angebot aus Deutschland orientieren können. «Lediglich beim Zahlungsverkehr brauchte es einen Swiss Finish».

Die «Hypi» tritt gleich doppelt als Partner von Deposit Solutions auf. Einerseits als Abwicklungsbank, die den Anlageprozess bewerkstelligt. «Wir führen die Konten und wickeln die Transaktionen ab», so Wildi. «Das ist für uns in erster Linie ein Kommissions-Geschäft.» Andererseits bietet die Bank auch selber Sparprodukte über die Plattform an, womit die Kooperation auch zu einem Bilanzgeschäft wird.

Für Wildi ist die Zusammenarbeit mit Deposit Solutions ein Beispiel für ein Banking der offenen Schnittstellen. Die Bank versteht sich mit ihrem Kernbankensystem Finstar als Plattform für Fintech-Unternehmen, die eine Bank als technischen Partner suchen. Wildi spricht von «Banking Licence as a Service». Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit dem Startup Neon, dessen Online-only-Bankkonten von der Hypothekarbank Lenzburg geführt werden.

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500 Millionen Euro Bewertung

Deposit Solutions ist derzeit eines der meist beachteten Fintech-Startups in Deutschland. Im vergangenen August vermeldete es eine zusätzliche Finanzierung von hundert Millionen Euro. Auf Basis dessen ist die von Privatinvestoren gehaltene Firma derzeit mit 500 Millionen Euro bewertet. Deposit Solutions beschäftigt rund 250 Mitarbeiter.