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  3. Nestlé verkauft Skin Care: Ein Experiment geht zu Ende

Nestlé
Noch ein Abschied von Peter Brabeck

Nestle Skin Care
Passt nicht mehr: Screenshot aus einem Imagefilm von Nestlé Skin Care.Quelle: PD

Nestlé löst 10,2 Milliarden Franken für sein Geschäft mit Daylong- und Antifalten-Cremen. Ein guter Preis für ein unglückliches Engagement.

Kommentar  
Von Seraina Gross
am 16.05.2019

Nestlé-Konzernchef Mark Schneider hat einen Käufer für das Skin Health Geschäft gefunden: Der Nahrungsmittelkonzern tritt in exklusive Verkaufsverhandlungen mit einem Konsortium, das vom schwedischen Private-Equity-Unternehmen EQT und einer Tochter des Staatsfonds von Abu Dhabi angeführt wird. Verkaufspreis: 10,2 Milliarden Franken.

Der Schritt ist das jüngste Kunststück von des Deal-Virtuosen vom Genfersee. Er ist das Ergebnis eines harten Wettbewerbs zwischen mehreren Bietern. Wie die «Financial Times» berichtete, sollen auch EQT-Konkurrent KKR und ein anderes, von Advent International und Cinven angeführtes Konsortium im Spiel gewesen sein.

Der Verkaufspreis kann sich sehen lassen. Er liegt am oberen Ende der Spekulationen, die zwischen 8 und 10 Milliarden Franken lagen. Abzüglich Steuern dürfte der Deal eine Prämie in der Höhe von mehreren hundert Millionen bis zu einer Milliarde Franken bringen. Das Hautpflege-Geschäft stand per Ende 2018 mit einem Buchwert von 6,2 Milliarden Franken in der Bilanz. Nestlé düfte damit zwar einen Buchgewinn von 3,6 Milliarden Franken realisieren. Aber 2017 hatte der neue Konzernchef Mark Schneider eine Wertberichtigung über 2,8 Milliarden Franken auf dem Geschäft vorgenommen, die bei einer Gesamtbetrachtung wieder weggerechnet werden müsste. Der Deal soll in der ersten Hälfte 2019 abgeschlossen werden.

Kaffee ja, Consumer Care nein

Der Verkauf des Geschäfts ist Teil der Bemühungen von Mark Schneider, das Portfolio auf die Wachstumsbereiche Kaffee, Nutrition, Tiernahrung, Nahrungsergängzungsmittel und vielversprechende Nahrungsmittelmarken zu trimmen. Das Geschäft mit medizinischen Anti-Falten- und Akne-Cremes war im September vergangenen Jahres zur Disposition gestellt wurden. Das Geschäft mit Hautpflegeprodukten und Consumer Care (also nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten) sei «zunehmend ausserhalb des Fokus’ der Gruppe», hiess es damals. 

EQT gehört mit einem verwalteten Vermögen von 40 Milliarden Euro zu den grössten Private-Equity-Gesellschaften. Nebst Luxinva, einer 100-Prozent-Tochter der Abu Dhabi Investment Authority, gehört dem Übernahme-Konsortium auch einer der grössten kanadischen Pensionsfonds an: PSP (für Public Sector Pension) hat Assets in der Höhe von 159 Milliarden kanadischen Dollar.

EQT und Nestlé: Man kennt sich

Die neuen Besitzer wollen vermehrt auf den amerikanischen Markt und die internationale Expansion setzen. Zudem soll weiter in Forschung & Entwicklung investiert werden, wie einer Mitteilung von EQT zu entnehmen ist.

EQT ist kein neuer Geschäftspartner für Nestlé. Der Nahrungsmittelkonzern beteiligte sich kürzlich mit einer einer Minderheitsbeteiligung an der zu EQT gehörenden Tierklinikkette Independent Vetcare Group.

Nestlé Skin Health war ein Steckenpferd des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Peter Brabeck. Der Nestlé-Grande, der bis 2010 im Verwaltungsrat von Roche stand, wollte Nestlé als Nahrungsmittel- und Gesundheitsunternehmen positionieren. Am Anfang der Sparte stand ein Joint Venture mit dem französischen Kosmetikhersteller L’Oréal unter dem Namen Galderma. Im Juli 2014 ging der Geschäftsbereich für 2,6 Milliarden  Euro ganz an Nestlé über. Doch das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Produkten, ästhetischer Dermatologie und Consumer Care kam nie richtig aus den Startlöchern.

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