Vom kräftigen Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr 2021 dürften mehr oder weniger sämtliche Personaldienstleister profitiert haben. In welchem Tempo es in der Branche insgesamt aufwärts ging, deutet der Index des Verbandes Swissstaffing an. Dieser fokussiert sich zwar nur auf den Temporärmarkt, der 2021 um annähernd 12 Prozent zulegen konnte. Die Zahl dürfte aber, allenfalls in leicht abgeschwächter Form, für sämtliche Personaldienstleister repräsentativ sein. Marcel Keller, Länderchef Schweiz des Marktführers Adecco, erklärt: «Wir sind sowohl im Temporär- wie im Feststellenbereich im letzten Jahr deutlich gewachsen.» Man habe von gewissen krisenbedingten Trends profitiert, ausserdem von der Flucht vieler Freelancer in die Temporärarbeit. Noch deutlicher wird Taco de Vries, CEO von Randstad: «Wir konnten in unserem Unternehmen das Jahr 2021 mit einem historischen Hoch abschliessen.» 

Auch interessant
 
 
 
 
 
 
Das sind die besten Personalvermittler der Schweiz

Durchstöbern Sie hier das gesamte Ranking der besten Personalvermittler der Schweiz.

Der Nachholbedarf nach dem Covid-19 bedingten Einbruch im Vorjahr machte sich überall bemerkbar. Ab Sommer 2021 war auf dem Arbeitsmarkt kaum mehr von den rasch sinkenden Arbeitslosenquoten, dafür umso häufiger von einem akuten Arbeitskräftemangel die Rede. Laut Job Index, den Adecco jeweils zusammen mit der Uni Zürich publiziert, stieg die Zahl der offenen Stellen im 4. Quartal 2021 auf einen absoluten Höchststand. Diese Entwicklung setzte sich in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres ungebremst fort, bis zum Kriegsausbruch in der Ukraine Ende Februar. Wie sich der Krieg und die damit verbundenen Wirtschaftssanktionen auf den Schweizer Arbeitsmarkt auswirken, ist vorderhand reine Spekulation.

Manager, Reinigungskräfte und Logistiker

Von der insgesamt erfreulichen Entwicklung in den vergangenen 15 Monaten profitierten nicht alle Segmente des Arbeitsmarktes gleichermassen. Weiter zugespitzt hat sich zum Beispiel der Fachkräftemangel, wie der entsprechende Index (ebenfalls von Adecco Schweiz und der Universität Zürich) aufzeigt. Besonders gesucht waren Fachspezialisten im Ingenieurwesen, in der IT-Technik und Informatik, der Humanmedizin und im Bereich Life & Science / Pharmaindustrie. «Der Fachkräftemangel hat sich im Vorjahresvergleich in nahezu allen Berufsgruppen weiter verschärft», betont Keller. Doch ob Fach-, Reinigungs- oder Spitzenkräfte, Personal wurde laut Larissa Probst, Sprecherin von Manpower, im Jahr 2021 überall gesucht, und zwar qualifiziertes und unqualifiziertes. «Auch im Bereich von Executive Search und Leadership Advisory war die Nachfrage rege», meint Dominik Schaller, Managing Partner Egon Zehnder. Treiber der Entwicklung waren in diesem exklusiven Segment die hohen M&A-Aktivitäten sowie die vielen, im Rahmen von Transformationen neu geschaffenen Positionen.

«Schlüsselt man die Nachfrage nach Branchen auf, so verzeichneten ab Sommer 2021 jene Sektoren den steilsten Zuwachs, die vorher von der Covid-Krise besonders betroffen worden waren“, sagt Mathias Steger, Content Manager von Jobcloud. Hotels und Restaurants benötigten mit der Lockerung der Corona-Massnahmen plötzlich wieder sehr viel mehr Personal, ebenso die auf Kultur, Sport und Freizeit fokussierte Veranstalter sowie die Reisebranche.

Temporärarbeit im Trend

Auch die Nachfrage nach Mitarbeitenden in der Logistik und im Online-Detailhandel, die mit der Pandemie angestiegen war, blieb weiterhin überdurchschnittlich. Viele Unternehmen kämpften mit starken Nachfrageschwankungen. Sie standen vor der Herausforderung, die Produktion jeweils schnell hoch- und wieder runterzufahren, mussten aber den Personalbestand auf die Bestellungsspitzen ausrichten.

In den Medizin- und Pflegeberufen herrschte bekanntlich bereits vor Covid-19 ein grosser Mangel, der sich während den Pandemiewellen weiter akzentuierte. Eine Entspannung im Gesundheitssektor ist vorderhand nicht in Sicht. Im Jahr 2021 wurden zudem immer wieder in grosser Zahl Fachkräfte für spezifische Projekte in Zusammenhang mit der Pandemie (Impfzentren, Contract-Tracing) benötigt. In der Regel musste dieses Personal sehr schnell rekrutiert werden, allerdings oft nur für eine befristete Anstellung. Das kurbelte vor allem den Temporärstellenmarkt zusätzlich an.

Personalvermittler- und Berater

Insgesamt vermittelte die Temporärbranche 2021 mehr als 380'000 Stellen und setzte 9 Milliarden Franken um. Allerdings lagen die geleisteten Arbeitsstunden übers ganze Jahr gerechnet immer noch um rund 4 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Abgesehen von den krisenbedingten Aufholeffekten liegt die Temporärarbeit prinzipiell im Trend, und zwar als eine individuell gewählte Form flexibler Arbeit. Laut Swissstaffing verbleiben heute vier von fünf Personen nach einem für weitere temporäre Einsätze auf dem Temporärarbeitsmarkt. Derweil früher viele Berufstätige die Temporärarbeit einfach als Notlösung zum einmaligen Überbrücken wählten.

Auch im Feststellengeschäft war der Nachholbedarf nach der Pandemie so gross, dass gegen Ende Jahr immer mehr Unternehmen über Personalengpässe klagten. Auf jobs.ch und job.up, den grössten Jobportalen von Jobcloud, stieg die Gesamtanzahl aller Inserate im Laufe des Jahres 2021 von Januar bis Dezember 2021 um rund 40 Prozent an. Auch die Online-Jobportale der CH Media verzeichneten ein „starkes Jahr“, wie Henrik Jasek, Head of Classifieds CH Media, betont. Die Stellen-Volumen auf ostjob.ch, zentraljob.ch und myjob.ch erreichten im Laufe des Jahres wieder das Vor-Corona-Niveau, um es im Dezember sogar deutlich zu übertreffen.

Potenzielle Jobwechsler

Ihre ursprünglich positiven Prognosen fürs laufende Jahr haben die meisten Personaldienstleister aufgrund des Krieges in der Ukraine in den letzten Wochen relativiert. Zumindest in einem Punkt sind sie sich aber weiterhin einig: Der Fachkräftemangel bleibt auch in Zukunft das grosse Thema. Für die Personaldienstleister selber ist das zwar grundsätzlich eine gute Nachricht. «Wenn allerdings pro Stellenanzeige immer weniger Bewerbungen eingehen, wird die Personalvermittlung immer schwieriger», meint Carole Kläy, Projektleiterin von Jobchannel. Gefragt sind folglich Mittel und Methoden, um auch potenzielle Jobwechsler anzusprechen, die bloss passiv nach einer Stelle suchen. Jobchannel entwickelt zu diesem Zweck sein Angebot laufend weiter. Im Laufe der vergangenen zwölf Monate wurden sieben weitere neue Fachplattformen ins Leben gerufen, darunter energie-job.ch, biotech-jobs.ch, verkaeufer-jobs.ch, holzbau-jobs.ch.

Manpower hat kürzlich einen neuen Dienstleistungsbereich lanciert, der Unternehmen beim Employer Branding, Workforce Management und bei den Future Skills beratend zur Seite steht, damit sie den Erwartungen auf dem Arbeitsmarkt noch besser gerecht werden können. „Denn die Stellensuchenden legen Wert auf Flexibilität, Work-Life-Balance, familienfreundliche Arbeitszeiten und eine Kultur, die auf Wertschätzung und Vertrauen beruht“, heisst es bei Manpower.

Dienstleistungen ausgebaut

Auch Adecco hat im vergangenen Jahr verschiedene Dienstleistungen weiter ausgebaut, vor allem um die Unternehmen bei der voranschreitenden Digitalisierung noch besser zu unterstützen. «Wir begleiten unsere Kunden bei der digitalen Transformation, indem wir ihnen branchenübergreifende Kompetenzen und Erfahrungen in den Bereichen Elektromobilität und Smart Ecosystem, Künstliche Intelligenz, Cloud & Infrastruktur sowie Industrie 4.0. bereitstellen» sagt Keller. Eine andere Strategie, um den Kunden zusätzlich Mehrwert zu bieten, verfolgt die CH Media „Wir investieren auch in Zukunft weiterhin in Kundennähe und Regionalität, so im laufenden Jahr mit zwei neuen Jobplattformen für die Regionen Basel und Bern“, sagt Jasek.

Über all diese Zusatzangebote hinaus tun Unternehmen, die bei der Rekrutierung weiter punkten möchten, gut daran sich zu vergewissern, dass das mit Covid-19 gekommene Homeoffice kein temporäres Phänomen ist. Die Personaldienstleister betonen einstimmig, dass sie für die Zukunft mit einem hybriden Arbeits(zeit)modell rechnen, mit einem Mix, der aus einer gewissen physischen Präsenzzeit und möglichst viel Remote Working besteht.