Noch hat Revolut in der Schweiz ein einfaches Produkt: Kunden erhalten ein Konto, eine oder mehrere Karten von Visa oder Mastercard, sowie – als einzigen Zugang – eine App. Und doch wächst das britische Unternehmen damit so schnell wie keine andere Bank hierzulande. Das zeigen neue Zahlen, die Revolut gegenüber der «Handelszeitung» nennt.

Derzeit habe man «knapp unter 250'000 Kunden» in der Schweiz, sagt ein Revolut-Sprecher. «2019 haben wir etwa 180'000 Kunden neu registriert.» Der Schweizer Markt gehöre zu den am schnellsten wachsenden Märkten von Revolut in Europa – zusammen mit Ländern wie Italien, Portugal, Irland, Rumänien und Polen.

Damit wäre die Schweizer Kundschaft von Revolut etwa gleich gross wie jene der Bank Cler oder der Luzerner Kantonalbank – beziehungsweise halb so gross wie bei der Berner Kantonalbank BEKB.

1,5 Milliarden Dollar frisches Kapital

Das steile Wachstum von Revolut soll unter anderem mit einer Wandelanleihe im Umfang von einer Milliarde Dollar und zugleich einer Kapitalerhöhung über 500 Millionen Dollar finanziert werden. Die US-Grossbank JP Morgan sei damit beauftragt worden, die Kapitalaufnahme durchzuführen, meldete «Sky News» am Wochenende. Würde das gelingen, käme Revolut auf eine Gesamtbewertung gegen 10 Milliarden Dollar.

Anzeige

Revolut unterscheidet sich vor allem in zwei Punkten von traditionellen Banken: Das Konto ist extrem günstig. In der Basisversion fallen keine Kontoführungsgebühren an und Fremdwährungstransaktionen werden praktisch ohne Marge ausgeführt. Die meisten anderen Banken verdienen bis zu vier Prozent an Buchungen in Fremdwährungen, wie die HZ berechnet hat.

Einnahmen über Kreditkarten-Kickbacks

Auch gewährt die App einen Zugriff auf Kontodaten, wie ihn nur wenige andere Banken kennen. Karten können in Echtzeit aktiviert und deaktiviert werden, Einkäufe mit der Karte werden in Sekundenschnelle angezeigt.

Finanziert wird dieses Basisangebot vor allem über Kickbacks aus dem Einsatz der Kreditkarte. Revolut erhält rund ein Prozent des Transaktionswerts, wenn die Karte in der Schweiz eingesetzt wird. Da die Schweiz nicht Teil der EU ist, verdient Revolut hierzulande mit solchen Kickbacks etwas mehr als in anderen Ländern Europas.

Der Nachteil in der Schweiz: Anders als in Ländern des EWR bietet Revolut hierzulande noch keinen Aktienhandel an. Man hoffe, das «in der Zukunft» auch in der Schweiz lancieren zu können, sagt der Revolut-Sprecher. «Aber wir haben dafür noch keinen Zeitplan.»

Das Interview mit Revolut-Mitgründer Vlad Yatsenko

Vor rund einem Jahr verkündete Vlad Yatsenko im Interview mit der «Handelszeitung»: «Wir haben 50'000 Kunden in der Schweiz.» Nun ist die Zahl fünfmal so hoch. 

Anzeige

Lunch Topics: Das läuft jetzt

Abonnieren Sie den Newsletter der «Handelszeitung»-Chefredaktion – und Sie haben die wichtigsten Business-News. Stets zur Mittagszeit. Kostenlos.