Kaum ein Unternehmen wird in der Finanzbranche derart aufmerksam – und argwöhnisch – beobachtet wie Revolut. Das britische Startup hat mit seinen Kreditkarten innert weniger Jahre viele Kunden gewonnen. Alleine in der Schweiz haben mittlerweile mehr als 350'000 Konsumenten ein Konto bei Revolut, wie man im Frühjahr hören konnte. 

Entsprechend steile Wachstumszahlen haben die Briten unlängst auch für das gesamte Geschäft vorgelegt. Demnach wuchs die globale Zahl der Kunden 2019 um 186 Prozent von 3,5 auf 10 Millionen. Noch stärker gewachsen sei die Zahl der Kunden, die das Konto täglich nutzten (plus 231 Prozent). Allerdings nennt Revolut hier keine absoluten Zahlen, womit die Frage, wie viele der Kunden ihr Konto auch verwenden, unklar bleibt.

Revolutiönchen: Wie ein britisches Fintech die Schweizer Banken abhängt

Revolut zeigt, wie Banking gehen könnte – nämlich digital. Doch viele Banken ziehen nur halbherzig mit. Mehr dazu hier

Der Umsatz von Revolut nahm 2019 um 180 Prozent auf 162,7 Millionen Pfund zu – also etwa 16 Pfund pro Kunden. Das spricht dafür, dass viele Kunden die Kartenkonten von Revolut erst unregelmässig nutzen, sind die Einnahmen doch direkt vom Kartenumsatz und – teilweise – monatlichen Gebühren abhängig.

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Revolut verbrennt weiterhin Kapital: Auch der Verlust hat steil zugenommen. Der «operative Gewinn» sei von 34 auf 107 Millionen Pfund gewachsen, schreibt Revolut. Einen Reingewinn weist das Unternehmen nicht aus. Als Grund nennt Revolut vor allem die stark gestiegenen Personalkosten. Ende Jahr beschäftigte das Fintech 2261 Angestellte. Ein Jahr zuvor waren es erst 633. 

Noch lange mit Geld versorgt

Die Mittel dürften Revolut dennoch nicht so bald ausgehen, konnte es doch alleine im laufenden Jahr 580 Millionen US-Dollar neu von Investoren entgegennehmen. 

Mit günstigen Kreditkarten gestartet, will Revolut seine Produktepallette weiter ausbauen und neue Märkte erschliessen. Unlängst gestartet sind die Briten in den USA, Singapur und Australien.

In der Schweiz gut unterwegs

Im Schweizer Markt hat Revolut längst Spuren hinterlassen. So sahen sich Konkurrenten gezwungen, ihre Margen im Fremdwährungsgeschäft zu senken oder ganz auf Gewinne aus Change-Geschäften zu verzichten. Erst waren es Neobanken wie Neon und Yapeal, die entsprechende Schritte ankündigten, später zog dann auch die Grossbank mit einer neuen Kreditkarte nach, die Vielnutzern günstigere Konditionen im Ausland verspricht. 

Die Covid-Krise ging allerdings auch an Revolut nicht spurlos vorbei, verdient die Kreditkartenbank aufgrund der Kickback-Strukturen von Visa und Mastercard doch vor allem dann gutes Geld, wenn die Kunden die Karten in fremden Ländern nutzen. Man habe 2020 tendenziell weniger Transaktionen registriert, schreibt Revolut. Die Zahl der Kunden habe jedoch weiterhin zugenommen und liege nun nahe an 13 Millionen.

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