Wenn es gelingt, ist es ein todsicheres Geschäft. Ein Geschäft mit einer Rendite von 100 Prozent oder mehr. Und ein Geschäft, dass die exklusivsten Schweizer Uhrenmarken zur Weissglut treibt.

Die Rede ist vom «Flipping». Unter diesem Stichwort in in der Uhrenindustrie die Praxis bekannt, «heisse» Uhren – vor allem Sportuhren aus Stahl von Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet – von einem autorisierten Händler zu kaufen und sie sofort auf dem Sekundärmarkt mit einem riesigen Gewinn zu verkaufen.

Eigentlich sind gewisse Modelle gar nicht zu haben

Die betroffenen Marken tun alles, um das «Flipping» zu unterbinden. So sind die besonders begehrten Modelle auch bei den grössten Händlern eigentlich nie ausgestellt. Grundsätzlich können nur jahrelange, loyale Kunden eines Händlers solche Uhren-«Unicorns» überhaupt bekommen – teils nach jahrelanger Wartezeit. Nur wer während dem Warten ordentlich Geld für andere Luxusuhren locker macht, hat überhaupt eine Chance auf das, was er eigentlich haben will.

Dennoch gelingt es den «Flippern» regelmässig, irgendwo auf der Welt an die heisse Ware zu kommen. Und diese verkaufen sie dann mit grossem Gewinn auf Plattformen wie Watchbox, Watchfinder oder Chrono24. Gerne zum doppelten Preis oder mehr.

Nun hat, wie «Watchpro» berichtet (hier und hier), erstmals ein renommierter Uhrenhändler – Mohammed Seddiqi, Chief Commercial Officer von Ahmed Seddiqi & Sons – an der Dubai Watch Week öffentlich Einblick in die Methoden gegeben, die Retailer zusammen mit Marken anwenden, um das «Flipping» zu verhindern.

Die Garantie-Karte gibt es erst später

So sei es in Grossbritannien zum Beispiel üblich, dass Rolex-Händler die Garantiekarten der Uhren zwei Jahre lang nicht an den Kunden aushändigten. Ohne die Garantie ist jede Secondhand-Uhr deutlich weniger wert. Auch Ahmed Seddiqi & Sons habe überlegt, diese Praxis einzuführen, sich aber dagegen entschieden. Stattdessen arbeite man daran, die eigenen Kunden vorzuqualifizieren, bevor sie die heissesten Uhren kaufen könnten. Eine Art Scoring für Uhren-Freaks.

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Ebenso bestätigte Seddiqi, dass diverse Uhrenmarken den Secondhand-Markt ganz genau überwachen würden. Sie seien stets auf der Suche nach «Flippern», um ihnen das Handwerk zu legen. Enttarnte «Flipper» würden an die Händler gemeldet. Und diese würden schwarze Listen führen. «Solche Leute werden nie wieder eine Uhr bei einem autorisierten Händler kaufen können.»