Das Projekt ist wider die Natur von Samih Sawiris. Der ägyptische Investor scheut die Konkurrenz. Sein Schaffen ist stets darauf ausgerichtet, eine monopolartige Position zu haben. Sei es in El Gouna am Roten Meer oder in Andermatt am Fuss des Gotthards. Sawiris sucht die Kontrolle über eine Region.

Unweit von Kairo geht der Andermatt-Investor aber andere Wege. 30 Kilometer ausserhalb der ägyptischen Hauptstadt plant er den Bau von Tausenden Villen. Es ist der Einstieg in den umkämpften Markt für Erstwohnungen. Bislang baute Sawiris vornehmlich Ferienhäuser. Gleichzeitig handelt es sich um das grösste Entwicklungsprojekt von Orascom. Über 4 Milliarden Franken soll das Vorhaben in die ­Kassen des Unternehmens mit Sitz in Altdorf spülen.

Vertrag mit dem Staat

Das Projekt bindet zahlreiche Ressourcen. Diverse Manager haben intern gewechselt und fokussieren sich neu auf die Villenstadt. Orascom-Chef Khaled Bichara überwacht die Startphase. Er hat dafür sogar die Leitung über das Ferienresort El Gouna an einen ehemaligen Nestlé-Manager abgegeben.

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Noch ist nur Sand, wo dereinst 19'000 mehrgeschossige Neubauten stehen sollen. Das Land ist fast 600 Fussballfelder gross und grenzt im Südwesten an die ebenfalls von Samih Sawiris gebaute Stadt Haram City.

Der Aegyptische Investor Samih Sawiris,  anlaesslich der offiziellen Eroeffnung zur Fertigstellung der SkiArena Andermatt vom Freitag, 14. Dezember 2018 in der Talstation der Gondelbahn des Schneehueenerstock-Express auf dem Oberalppass. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Samih Sawiris: Grossinvestor in Andermatt, Baulöwe in Ägypten.

Quelle: © KEYSTONE / URS FLUEELER
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Dem Projekt geht ein jahrelanger Rechtsstreit voraus. Die Entwicklung der Region war aus politischen Gründen blockiert. Der ursprüngliche Vertrag datiert auf die Zeit vor der ägyptischen Revolution und wurde mit der Regierung des gestürzten Diktators Hosni Mubarak ausgehandelt. Als sich in Kairo die Machtverhältnisse verschoben, intervenierten die neuen Mächtigen bei Samih Sawiris und verweigerten weitere Bewilligungen. Sie zweifelten an der Rechtmässigkeit der Landtitel.

Sawiris verzichtet auf Land

Im Herbst des vergangenen Jahres konnte endlich eine Einigung erzielt werden. Das Dokument dazu trägt selbst die Unterschrift des ägyptischen Premierministers, wie Orascom-Chef Khaled Bichara bestätigt. Samih Sawiris hat auf 1,6 Quadratkilometer Land verzichtet – unter der Auflage, dass die ägyptische Regierung damit Wohnungen für Einkommensschwache baut. Gleichzeitig hat Sawiris der Regierung ein Millionenversprechen gegeben: 26 Prozent der Einkünfte aus dem Verkauf der Villen fliessen in die Kassen des Staats. ­

Sawiris bezeichnete den Deal an einer Pressekonferenz Anfang Jahr als «Erpressung». Bichara spricht von einer «einvernehmlichen Lösung», die gefunden worden sei. Der Orascom-Chef hat das ganze Projekt im Detail durchgerechnet und dem Verwaltungsrat vorgestellt. Letztlich überzeugte er damit auch den skeptischen Sawiris, der sonst vor Kooperationen mit jedweder Regierung zurückschreckt.

Samih Sawiris: Der moderne Pharao

Studium in Berlin, Enteignung des Vaters, Revolution in Kairo: Das Leben von Samih Sawiris ist gezeichnet von der Beziehung zum Staat. Er hat sein Denken beeinflusst – und damit auch sein Business-Modell. Er meidet in der Regel Kooperationen mit Regierungen und sucht das Monopol. Mehr über den umtriebigen Geschäftsmann, der der koptischen Minderheit in Ägypten angehört, lesen Sie hier im grossen Porträt von «Handelszeitung»-Journalist Marc Iseli.

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Bichara ist überzeugt von der Profitabilität des Geschäfts. Das Villenprojekt, das unter dem Stichwort «O-West» läuft, soll wesentlich schneller die Schwelle zum Gewinn erreichen als die anderen Orascom-Investments. Käufer müssen, bevor der Bau überhaupt steht, eine Anzahlung von 10 Prozent leisten – bei einem Durchschnittspreis von 226 000 Franken pro Haus. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt in Ägypten laut Angaben der Weltbank bei knapp über 2000 Franken pro Jahr.

Startschuss ist gefallen

Die Marketingmaschine ist bereits angeworfen. Die ersten 400 Einheiten sind verkauft. Der erzielte Verkaufspreis liegt bei über 1200 Franken pro Quadratmeter. Weitere 950 Häuser und Lofts im Wert von gesamthaft von rund 188 Millionen Franken sind aktuell auf dem Markt.

Wie sich die Nachfrage danach entwickelt, will Orascom anlässlich der Publikation der Jahreszahlen Ende März sagen. Dann werden Bichara und Sawiris auch ein Update zum Ferienresort in Andermatt geben. Dort summierten sich die Immobi­lien­verkäufe im letzten Jahr ­erstmals auf über 100 Millionen Franken, wie Andermatt-Chef Franz-Xaver Simmen im Herbst 2018 zur «Handelszeitung» sagte.

Die grosse Baustelle ist die Nachfolge von Simmen, der die Resortentwicklung seit 2015 vorantrieb. Wahrscheinlich ist, dass eine Person ausserhalb des Orascom-Wirkungskreises an die Spitze kommen wird – anders als beim Megaprojekt «O-West». Headhunter Guido Schilling soll helfen, einen Nachfolger zu finden. Sawiris hat sich laut Orascom-Chef Bichara persönlich für den Schweizer Personalexperten ausgesprochen – und sich gegen eine internationale Firma entschieden.

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