Trottinett mit dem Smartphone bestellen, per App entriegeln, losfahren und nur für die benutzte Dauer zahlen: So funktionieren die unzähligen E-Scooter-Systeme, die sich in unseren Städten breitgemacht haben.

Mit einem der surrenden Geräte von Lime, Bird und Co. abdüsen ist eine ebenso unkomplizierte wie kinderleichte Sache. Intuitiv erlernt und umgesetzt in der Stadt.

Just dieses System bringt ein Schweizer Startup an den Berg: «Wir wollen den einfachen und bequemen Modus der E-Scooter-­Miete auf den Wintersport über­tragen», sagt Michael Koch.

Der Co-Gründer und CEO des Solo­thurner Startups Hyll sieht einen wichtigen Treiber bezüglich Wintersport-Convenience: «Die Leute wollen heute nur noch bei perfekten Bedingungen auf die Piste. Sie wollen nicht lange auf das Mietmaterial warten und nur so lange fahren, wie es Spass macht.» Hyll setzt das auch im Preismodell um: «Mietpreise werden auf die Minute genau abgerechnet.»

Konkret funktioniert das System so: Kunden tragen im Profil auf der Hyll-App persönliche Daten wie Gewicht, Grösse und Zahlungsdaten ein. Über die App reservieren sie ihre Ski, welche sie dann im ­Zielgebiet aus einem smarten Skischrank nehmen, den sie per App entriegeln. Die Bindung ist montiert und auf den Fahrer abgestimmt. Auf Wunsch können auch Skischuhe bestellt werden.

Knacknuss Partnersuche gelöst

Das Preismodell der «schnellsten Skimiete der Welt» ist noch in der Sondierungsphase. Grob gesagt kostet eine Stunde Skimiete etwa fünf Franken, Schuhe gibts für einen Zweifränkler, den Helm für 1 Franken pro Stunde. Das System, das sofort einleuchtet, hatte zu Beginn einen Haken – weil es Partner braucht, die das Material stellen.

In der kleinzelligen Schweizer Winterwelt, in der Gartendenken oft vor Kooperationswille kommt, kein einfaches Unterfangen für die Newcomer. «Das war zunächst wirklich eine Knacknuss», sagt Koch, «zum Glück aber konnten wir mit Intersport Schweiz einen starken Partner gewinnen.» Damit gelang Hyll ein Coup, denn der Schweizer Ableger des weltgrössten Sportfachhändlerverbunds hat achtzig bis neunzig Standorte in den Schweizer Bergen.

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Michael Koch, Co-Gründer und CEO von Hyll.

Quelle: ZVG

Kooperationspartner Intersport Schweiz ist zuständig für Mietmaterial, Wartung und Infrastruktur. «Wenn es gelingt, mit dieser Technologie junge Leute anzusprechen, welche die Skimiete heute noch zu mühsam finden, ­gewinnen wir neue Kunden und generieren zusätzliche Skitage», sagt ­Patrick Bundeli, CEO Intersport Schweiz.

Gut gefällt ihm der Modus der minutengenauen Abrechnung: «Das zeigt definitiv ein neues Geschäftsmodell auf und war ein wichtiger Grund für unseren Einstieg.» Der Sporthandelsprofi sieht aber auch Herausforderungen: «Wenn die Mietdauer oft nur sehr kurz ist, steigt damit auch der Wartungsaufwand.»

Die Technologie sei das eine, das Kundenerlebnis vor Ort das andere: «Wenn beispielsweise die Skischuhe nicht passen oder ­andere Friktionen auftreten, die viel zusätzliche Interaktion mit unserem Personal erfordern, verpufft der ­erhoffte Nutzen.» Ähnlich sieht es Kurt Meister, Sportmarktexperte beim Marktforscher GfK Switzerland. Hyll sei punkto Convenience und Technologie «eine sehr spannende Sache. Wenn es denn auch bezüglich konkreter Umsetzung und Wirtschaftlichkeit klappt.»

App auch für Velomiete geeignet

Durch die Zusammenarbeit mit Intersport kann Hyll gross denken: «Wenn das Projekt in der Schweiz erfolgreich läuft, gibt es Chancen, dieses Geschäftsmodell über Intersport international auch weltweit anzubieten», so Bundeli. Und der CEO Intersport Schweiz sieht zusätzliches Potenzial: «Wenn das Thema Ski reibungslos funktioniert, wäre eine Hyll-Anwendung auch für das Thema Bike möglich.»

Aktuell testet Hyll das System bis Ende Saison im Berner Oberländer Wintersportgebiet Männlichen. Zwischenbericht von Hyll-CEO Koch: Es sei gut angelaufen und man sei überzeugt, den Pilotversuch erfolgreich abzuschliessen und damit zu expandieren. Zielmarke: «Für den nächsten Winter peilen wir zehn Standorte in der Schweiz an.»

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