Sie haben grosse Pläne für die Schweiz: Das «Hyatt Regency» soll im September 2020, das «Hyatt Place» im Dezember 2020 im Grossprojekt The Circle am Flughafen Zürich öffnen. Schaffen Sie das?
Peter Fulton: Aber sicher doch. Wir sind in der Schweiz.

Das Circle-Projekt hat gegenüber ursprünglichen Terminen zwei Jahre Verspätung.
Zu Beginn gab es Schwierigkeiten mit der Infrastruktur des Gesamtprojekts. Aber jetzt laufen die Arbeiten, wir halten die Termine.

Sie bringen total 554 neue Betten auf den Markt. Wie viele Leute stellen Sie ein?
Sie sollten die Veranstaltungsfläche, das Convention Centre mit Platz für 2500 Gäste, nicht vergessen, das auch zu unserem Projekt gehört. Kommt dazu: Wir werden im Herbst 2020 unser EAME-Hauptquartier, das heute im Klotener Balsberg stationiert ist, in The Circle verschieben. Wir werden in den oberen Etagen des Convention Centre logieren, zunächst mit siebzig Angestellten, aber mit Platz für über hundert. Für die zwei Hotels plus das Convention Centre suchen wir rund 170 Angestellte.

Peter Fulton

  • Funktion: Hyatt-Chef für Europa, Afrika, Mittlerer Osten, Südwestasien
  • Alter: 62
  • Wohnort: Herrliberg
  • Herkunft: Neuseeland.

Die Zahl der Hotelzimmer in der Region Zürich hat sich seit 2010 von 10 830 auf 13 680 erhöht. Und bis 2022 werden weitere 2400 erwartet. Riecht nach Preisschlacht.
Mir ist nicht bange. Zusammen mit unseren 554 Zimmern geht ein brandneues Convention Centre an den Start. Und dieses Kongresszentrum wird neue Gäste anziehen. Die neuen Angebote, welche The Circle bringt, werden der Hotellerie in der ganzen Region helfen.

Der Markt ist also nicht überhitzt?
Noch nicht. Momentan jedenfalls geht es keinem Hotelier schlecht in Zürich. Natürlich sind wir in einem sehr zyklischen Geschäft; die Dinge können sich auch mal wieder ändern.

Anzeige

Ihr zurzeit einziges Schweizer Haus, das «Park Hyatt» in Zürich, ging 2004 an den Start. Warum dauert es über 15 Jahre, bis Hyatt wieder Hotels in der Schweiz eröffnet?
Es ist immer die gleiche Frage: Welche Marke an welchem Ort zu welcher Zeit? Mag sein, dass wir in der Schweiz lange nichts Neues eröffnet haben. Aber das hat auch damit zu tun, dass die Planungszeiträume oft lang sind. Und in der Schweiz manchmal noch etwas länger. Schon die Planungszeit für das «Park Hyatt» nahm elf Jahre in Anspruch.

Das Unternehmen

Die Hyatt-Hotelgruppe wurde 1957 in Los Angeles von Jay Pritzker gegründet, der das Unternehmen mit seinem Bruder Donald Pritzker aufbaute. 2009 ging Hyatt an die Börse; aktuell ist das Unternehmen der Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie global mit 20 Marken (Park HyattHyatt Regency, Andaz, Hyatt Centric und so weiter) und über 875 Hotels in mehr als 60 Ländern aufgestellt. Eines davon («Park Hyatt Zürich») steht in der Schweiz.

Zusammen mit dem «Park Hyatt» kommen Sie ab Herbst 2020 auf drei Häuser im Grossraum Zürich. Ist Zürich für Hyatt damit abgehakt?
Wir bauen unsere Häuser nie nach dem gleichen Muster. Was bedeutet: Wir schauen uns immer neue Gelegenheiten an.

In Zürich steht das Fünf-Sterne-Haus «Atlantis» zum Verkauf. Eine Gelegenheit für Sie?
Wir wollen das «Atlantis» nicht kaufen. Hyatt ist in aller Regel nur im Management tätig.

Immerhin gehört Ihrer Firma auch das «Park Hyatt» in Zürich.
Das ist richtig. Besitz hat für uns in der Regel eine strategische Bedeutung. Wir kaufen die Häuser dann, wenn die Hürden zum Markteintritt hoch liegen.

Und Sie sind auch nicht am Management des «Atlantis» interessiert?
Wenn sich die Gelegenheit für den operativen Betrieb ergäbe, würden wir uns das ansehen. Es ist auch eine Frage der Marke und der Konkurrenz. Wir sollten damit nicht unser Stadtzürcher «Park Hyatt» konkurrenzieren.

Anzeige

Zu Ihrer Gruppe gehören mittlerweile zwanzig Hotelmarken. Hat da irgendjemand neben Ihnen noch den Überblick?
Die Gäste haben den Überblick sehr wohl. Es geht bei Hotelmarken immer auch darum, die Zielgruppe zu kennen und diesem Publikum etwas zu bieten, was zu ihm passt. Hotels sind oft auch eine Frage der Generation.

Hyatts Romandie-Plan: Das Alila-Resort in Gruyères (Visualisierung).

Hyatts Romandie-Plan: Das Alila-Resort in Gruyères (Visualisierung).

Quelle: ZVG

Wie meinen Sie das?
Aktuell beobachten wir zwei grosse Generationen: Auf der einen Seite die Babyboomer. Das sind die Leute, die das Geld haben und es ausgeben. Und dann die Generation Y, die Millennials, die dieses Geld auch gerne haben würden, Hotels aber anders nutzen als die Boomer. Für die Millennials ist die übliche Unterteilung eines Hotels in Lobby, Restaurant, Frühstücksraum und Bar obsolet geworden; sie sehen ein Hotel eher als lockere Verschmelzung all dieser Funktionen.

Anzeige

Welches ist Ihre Millennial-Marke?
Da gibt es nicht nur eine. Unsere Hyatt-Centric-Hotels stehen für ein typisches Generation-Y-Erlebnis; mit der Marke Caption by Hyatt sprechen wir das etwas jüngere Millennial-Segment an.

Zu den zwei Flughafenhotels bringt Hyatt die Marke Alila in die Schweiz – ins abgelegene Greyzerland...
... Wie kommen Sie um Himmels Willen dazu, Gruyères «abgelegen» zu nennen? Hier liegt alles nah beisammen – in der Schweiz ist nichts abgelegen.

So richtig zentral liegt «Alila La Gruyère» nicht. Was zieht die Hyatt-Gruppe dorthin?
Eine gute Gelegenheit.

Gstaad oder St. Moritz oder Genf wäre wohl naheliegender gewesen als Gruyères.
Der geografische Entscheid hat auch damit zu tun, dass Hyatt die Two-Roads-Gruppe übernommen hat, zu welcher die Marke Alila zu dem Zeitpunkt gehörte. Alila plante dort das erste Haus in Europa – und jetzt, da Alila zu unserer Gruppe gehört, ist es eines unserer Projekte. Aber ich kann sagen, dass auch Genf, wo wir schon lange ein Objekt suchen, am Horizont auftaucht. Ebenso Gstaad. Und natürlich ist auch Zermatt interessant für uns.

Was passiert konkret im Greyerzerland?
Das Wort «Alila» kommt aus dem Sanskrit und bedeutet «überraschend anders». Was dort passiert? Nur dreieinhalb Autostunden weg von Zürich stehen Sie auf dem Balkon eines Hundert-Zimmer-Hotels, schauen über den See zu den Bergen, vergnügen sich auf einem weltmeisterlichen Golfplatz. Es ist ein fantastischer Rückzugsort fürs Wochenende.

«Die Hotelbranche gilt als zweitältestes Gewerbe der Welt.»

Anzeige

Bezüglich Lage und Ambition erinnert das Gruyères-Projekt etwas an die Ambitionen des Samih Sawiris in Andermatt.
Andermatt ist natürlich viel grösser.

Im Urner Bergdorf sind nach dem «Chedi» und dem «Radisson Blu» bis vier weitere Hotels geplant. Interessant für Hyatt?
Auf jeden Fall, Andermatt ist eine hochinteressante Sache für uns. Aus unserer Markenpalette kommen dafür die Hotelbrands Hyatt Centric oder Andaz in Frage.

Die Klasse der Budget-Design-Hotels boomt in Europa am stärksten. Motel One, Ruby, Moxy, Citizen M mischen den Markt auf. Hat Hyatt diesen Boom verschlafen?
Verschlafen haben wir den Boom nicht. Aber beobachtet schon. Sie wissen ja: Es geht immer um die richtige Marke am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Es ist aber auch so, dass wir bei Hyatt das obere Ende des Marktes im Auge haben und pflegen.

Budget-Design-Hotels: Nichts für Hyatt?
Im Moment nicht. Aber sag niemals nie.

Viele Online-Unternehmen wollen ein Stück vom Hotelkuchen, in unterschiedlichen Rollen. Google: Freund oder Feind?
Ein Freund. Google bringt nicht nur Verkehr auf unsere Websites, die Firma entwickelt auch die Zukunft des digitalen Lebens und sorgt dafür, dass Menschen zueinander finden.

Airbnb?
Freundfeind. Die Firma hat als Distributionsplattform Grossartiges geleistet, ist aber natürlich auch Konkurrent.

Booking.com?
Freundfeind. Die Firma hat bezüglich Hotelsuche und Hotelbuchung viel Innovation gebracht. Doch die Höhe der Kommissionen sind immer ein Thema.

Tripadvisor?
Grossartige Sache. Freund!

Viele Hoteliers gehen an die Decke, weil sie von falschen Bewertungen geplagt werden.
Das Leben lehrt uns zwei Sachen. Erstens: Leicht ist es nicht. Und zweitens: Man muss es managen. Für die Hotelbranche, die als zweitältestes Gewerbe der Welt gilt, bedeutet dies: Wer über längere Zeit einen guten Job macht, wird auf Tripadvisor die Bestätigung finden dafür. Natürlich im Wissen darum, dass man nicht immer perfekt sein kann.

Anzeige

Für den Lunch Topics Newsletter anmelden

Geben Sie hier Ihre E-Mailadresse ein:

Für den Lunch Topics Newsletter anmelden