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Trump und die Deutsche Bank: Die wichtigsten Fragen

Donald Trump New York Deutsche Bank

«Outcast»: Donald Trump 1999 als Immobilien-Mogul in New York.

Quelle: Getty Images

Deutschlands grösste Bank war der wichtigste Financier des heutigen Präsidenten – jahrelang. Warum wird das immer brisanter?

Von Ralph Pöhner
am 20.03.2019

Trump und Deutsche Bank: Was ist neu?

Dass die Deutsche Bank und der damalige Immobilien-Investor Donald Trump ab den 1990er Jahren eine enge Beziehung hatten, ist längst bekannt. Die «New York Times» stellte diese Woche in einem grossen Report zwei Aspekte frisch ins Rampenlicht: Erstens bezifferte sie das Ausmass der Kredite, welche die Deutschen den Trump-Firmen insgesamt verliehen hatten. Sie summierten sich im Laufe der Jahre auf gut 2 Milliarden Franken – «well over $ 2 billion», so die «Times». Allerdings waren früher auch schon ähnliche Summen genannt worden.

Zweitens schilderte die Zeitung nach Gesprächen mit über zwanzig DB-Kaderleuten, dass selbst höchste Bankmanager über die Geschäftstätigkeit auf dem Laufenden waren. So  Josef Ackermann (CEO von 2006 bis 2012) und so Anshu Jain, Chef des Investmentbanking und später Co-Konzernleiter.

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Wo ist die Problematik?

Gewiss, grundsätzlich ist das völlig in Ordnung: Dass sich ein Immobilien- und Resort-Entwickler wie Donald Trump auf eine Grossbank abstützt, gehört zu seinem Geschäft. Laut amerikanischen Mediendarstellungen gab es bankintern aber mehrfach Warnungen, dass man es hier mit einem kritischen Kunden zu tun hat. Unter anderem seien sich die Deutschbanker bewusst gewesen, dass der New Yorker seine Vermögensverhältnisse gern falsch darstellte.

Höhere Instanzen in Frankfurt – unter anderem Josef Ackermann – hätten letztlich Trumps Kreditanträge abgesegnet. «Es gibt keinen Widerspruch aus der Bank, mit diesem Kunden fortzufahren», bekräftigte beispielsweise der damalige US-COO Stuart Clarke 2011 nach Rückfragen.

Was ist brisant?

Die Frage, auf die ganz Washington, halb New York und alle Demokraten gern eine Antwort hätten, lautet: Liefen über die Deutschen Gelder aus Russland zur Trump-Organisation?

Allein, Sonderermittler Robert Mueller verzichtete bislang darauf, per Zwangsmassnahmen Dokumente bei den Deutschen einzufordern.  

Zwei Kommissionen des Repräsentantenhauses bemühen sich andererseits um Dokumente der Deutschen Bank. Als interessante Informationsquelle erscheint das Institut nicht bloss wegen seines engen Verhältnisses zu Donald Trump, sondern weil es auf der anderen Seite in russischen Geldwäscherei-Strukturen zumindest als Korrespondenzbank aufgetaucht ist; Stichwort: «Russian Laundromat».

Auf einer anderen Ebene interessiert sich auch die New Yorker Staatsanwaltschaft für die Beziehung von Bank und Trump. Anfang März soll Generalstaatsanwältin Letitia James eine formale Vorladung ausgesprochen haben, um Unterlagen zum Kunden Trump zu erhalten. Hier geht es allerdings nicht um allfällige Russia Connections, sondern um die Finanzierung von Trump-Hotels in Miami, Chicago und Washington. 

Finanzierte die Deutsche Bank Trumps Wahlkampf?

Nein. Abgesehen davon, dass es ohnehin illegal wäre, hielten sich auch die Angestellten der Deutschen Bank persönlich zurück mit Wahlkampfspenden (die Daten finden sich hier). Und sogar indirekt gaben sich die Frankfurter lieber vorsichtig: Während der Kampagne 2016 lehnte das Risikokomitee der Deutschen Bank ein Millionen-Kreditbegehren der Trump-Organisation ab (mehr hierhier und hier).

Der Kredit war zwar gar nicht für den Wahlkampf gedacht. Die Deutschen fürchteten dennoch, dass er ihnen als unstatthafte Wahlkampfhilfe ausgelegt werden könnte. Obendrein würden sie damit in eine Zwickmühle geraten: Sollte Trump das Geld später nicht zurückzahlen können, so stünde die Bank vor der Wahl, einen amtierenden US-Präsidenten zu betreiben – oder aber das Geld abzuschreiben.

Steht der US-Präsident bei den Deutschen in der Schuld?

Vermutlich. Das U.S. Office of Government Ethics gab im Juni 2017 bekannt, dass Trump bei der Deutsche Bank Trust Company Americas Verpflichtungen im Umfang von mindestens 130 Millionen Dollar hatte (mehr).

Warum die Deutsche Bank?

Da trafen sich zwei Randständige. Mitte der 1990er Jahre war Donald Trump nach mehreren Beinahe- und Ganz-Bankrotten ein Aussenseiter in der amerikanischen Geschäftswelt – «an outcast whom major U.S. banks avoided», wie Trumps Biograph Timothy L. O’Brien es jetzt wieder beschrieben hat.

Wenn er Geld benötigte, fand er bestenfalls noch bei Klein- und Regionalbanken offene Türen. Andererseits suchte die Deutsche Bank in jener Phase aggressiv nach Marktanteilen in den USA: Sie wollte in den USA zu einer starken Kraft werden – im Investmentbanking und im Firmenkunden-Geschäft. Ihre Verkaufsteams und Dealmaker waren also eher bereit, Risiken einzugehen. Sogar mit einem schillernden New Yorker Businessman, der allerlei merkwürdige Angaben über seine Vermögensverhältnisse machte.