Die UBS steht kurz vor der Lancierung ­einer neuen Hypothekarplattform. Diese soll im ersten Halbjahr 2020 aufgeschaltet werden. Vor kurzem wurden Investoren wie Pensionskassen und Versicherer über Details des Projekts informiert, wie Matteo Bernardoni, Leiter des Bereichs Kreditplattformen, bestätigt.

Mit dem noch namenlosen Produkt hat die UBS Grosses vor: Sie will nicht einfach Hypotheken von Drittanbietern vermitteln, sondern diese selbst verwalten. Damit unterscheide man sich deutlich von anderen Hypothekarmarktplätzen, sagt Bernardoni.

Der Luzerner Bankenprofessor Andreas Dietrich kennt das Projekt. Zwar hält er das Ziel der UBS von 5 bis 10 Milliarden Franken Hypothekarvolumen in den nächsten drei bis fünf Jahren für «etwas hoch gegriffen». Dennoch sei die Plattform «eine der spannendsten Entwicklungen im Schweizer Retail-Banking-Markt.» Der neue Hypo-Marktplatz baut auf der Plattform Atrium auf, über die die UBS seit 2017 grosse Hypotheken für Renditeliegenschaften an institutionelle Investoren vermittelt.

Mehr als 1,3 Milliarden Franken habe man so vermittelt, sagt Bernardoni. Wo Atrium noch mehrheitlich in Handarbeit funktionierte, soll die neue Plattform auf einem automatisierten Matching-Prozess aufbauen. Nach wenigen Schritten habe der Kunde somit Offerten von verschiedenen Kreditgebern, verspricht der UBS-­Manager. Das kennt man von anderen Plattformen.

«Es geht nicht darum, riskante Hypotheken ­abzuschieben.»

Matteo Bernardoni, UBS
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Doch die UBS will eine ­aktive Rolle spielen: Nicht nur stellt sie selbst jeweils ein ­eigenes Angebot. Auch sollen die Hypotheken anschliessend über die Grossbank verwaltet werden. Etwa wenn es um die monatlichen Zinszahlungen oder um Rückzahlungen geht. «Die Kredite werden zudem nach unseren eigenen Richtlinien vergeben», sagt Bernardoni.

Er betont, es gehe nicht darum, riskante Hypotheken an Drittinvestoren abzuschieben. Das belegten Zahlen der Renditeliegenschaften auf Atrium. Im Schnitt seien diese nur zu 56 Prozent belehnt.

Banken sollen über UBS offerieren


Nebst Pensionskassen und Versicherern will die UBS auch andere Banken ­einladen, Hypotheken über die UBS-Plattform zu vergeben. «Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn sich eine Regionalbank schweizweit diversifizieren will.» ­

Zunächst werde man nur Ablösungen anbieten. Später sollen auch Neu­hypotheken dazu­kommen.
Trotz digitalisierter Plattform getraut sich die UBS nicht an eine reine Online-Lösung. Wer sich für ein Angebot interessiert, wird vor dem Abschluss zu einem telefonischen Beratungsgespräch eingeladen. Wa­rum verzichtet die Bank auf ein voll digitales Angebot?

Er ­hätte sich auch ein rein digitales Produkt vorstellen könne, sagt Bernardoni. «Doch der Kunde, der am Morgen im Tram rasch per iPhone seine Hypothek verlängert, ist noch nicht so verbreitet.»


Stört der Markenname UBS?

Noch unklar sei, wie nahe an der UBS die Plattform po­sitioniert werde und unter welchem Namen. Klar sei, dass man sich an ein breites Publikum richte, sagt Bernardoni.
Für Bankprofessor Dietrich könnte es von Vorteil sein, die Plattform von der UBS-Marke abzukoppeln, wie er auf seinem Blog schreibt. Die UBS werde von Konsumenten «häufig als Premium-Brand mit höheren Preisen wahrgenommen». Anderseits koste der Aufbau einer eigenständigen Marke auch viel Geld.


Als erfolgreiches Beispiel einer neuen Retailmarke nennt Dietrich die Online-­Bank Marcus von Goldman Sachs. Schickt die UBS vielleicht einen «Frank» an den Start?Eine entsprechend lautende Marke liess die Grossbank im Herbst 2019 anmelden. Auch «keyfour» wurde unlängst eingereicht. Wo­zu die Marken eingesetzt werden, wollte UBS-Sprecherin Laura Urech nicht sagen. Benützt werden bisher beide nicht.