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Mode
Unangebracht: Teures Designerkleid bei SRF

Moderatorin
Ungewohnt verspielt: Moderatorin Cornelia Boesch sorgte mit ihrem Kleid für Gesprächsstoff.Quelle: Screenshot SRF

Cornelia Boesch trug in der Tagesschau ein Designerkleid – zu teuer für ein Outfit, das SRF mit Gebühren finanziert.

Corinna Clara Röttker
Kommentar  
Von Corinna Clara Röttker
am 07.06.2018

Es war ein weisses, verspieltes Kleid aus Seidenstretch mit aufgedruckten Gesichtern, das Tagesschau-Moderatorin Cornelia Boesch in der Abendsendung am Dienstag trug – und damit im Netz für Furore sorgte. Denn es war ein ungewohntes Bild, setzen die SRF-Moderatoren sonst eher auf den Business-Look mit gedeckten Farben und schlichten Formen.

Die Reaktionen der Zuschauer auf den modernen Look waren überwiegend positiv, wie «20 Minuten» wissen will. Es sei ein «ausgefallenes, besonders schönes Kleid», zitiert die Pendlerzeitung einen Zuschauer bei Twitter.

Kostenpunkt 3200 Franken

Ausgefallen ist auch der Preis: 2840 Euro (umgerechnet 3200 Franken) kostet das Kleid. Es stammt vom Schweizer Luxus-Labels Akris, bekannt für seine exquisiten Stoffe und Materialien – und beliebt bei Stars und Royals wie Charlène von Monaco, Amal Clooney oder Angelina Jolie.

3200 Franken sind ein stolzer Preis für ein Kleid. Gerade wenn es vom SRF bezahlt wird. Denn auch wenn davon ausgegangen werden kann, dass der Sender Sonderkonditionen bei den Labels geniesst, werden die Kleider schlussendlich mit Gebührengeldern bezahlt.

Jahresbudget für Kleider

Beim SRF nachgefragt heisst es dazu: «Insbesondere bei den Nachrichtensendungen, wo eine Person bis zu 100 Sendungen im Jahr präsentiert und die einzelnen Kleidungsstücke häufig getragen werden, setzt SRF auf die Devise Qualität statt Quantität, was über einen langen Zeitraum betrachtet am Ende günstiger ist, als die Kleider jedes Jahr auszuwechseln», sagt Sprecherin Andrea Wenger.

So habe jede Moderatorin und jeder Moderator ein Stylingbudget, das von der Anzahl der moderierten Sendungen abhänge. Wie hoch dieses ist, wollte man auf Anfrage nicht sagen. Stattdessen heisst es, dass Moderatorinnen und Moderatoren von Nachrichtensendungen ihre Kleider im Schnitt fünf bis sechs Jahre tragen würden, einzelne, zeitlose Stücke sogar bis zu zehn Jahre.

Moderner Qualitätsjournalismus statt Designermode

Zeitlos sind Kleider von Akris zweifellos. Trotzdem gilt: Ein Designerkleid in der obersten Preisklasse stösst manchem zurecht sauer auf, gerade vor dem Hintergrund der kürzlich geführten No-Billag-Diskussion und dem damit einhergehenden Vorwurf, dass die SRG zu gross und teuer ist.

Gewiss, ein seriöses TV-Format wie die Tagesschau rechtfertigt Qualität und hochwertige Materialien in Bezug auf die Kleidung. Modische Qualität ist aber auch für deutlich weniger Geld zu haben. Vor allem aber sollte das viel kritisierte SRF zeigen, dass es die No-Billag-Message verstanden hat – und mehr Sensibilität im Umgang mit Gebührengeldern an den Tag legen. Investitionen in guten Journalismus bringen dem Service Public mehr als Desginermode für Moderatorinnen.

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