Der Luzerner Liftbauer Schindler hat ein Schiedsverfahren gegen die südkoreanische Regierung eingeleitet. Hintergrund ist die Beteiligung am koreanischen Lifthersteller Hyundai Elevator. Schindler behauptet, die wiederholten Kapitalerhöhungen bei Hyundai hätten zu einem Verlust in dreistelliger Millionenhöhe geführt. Die Luzerner fordern umgerechnet bis zu 300 Millionen Franken Schadenersatz. 

Das Unternehmen bestätigt auf Anfrage den Sachverhalt. Anfang dieser Woche hat es in der koreanischen Hauptstadt Seoul an einer Pressekonferenz über die Angelegenheit informiert. Demnach informierte Schindler die koreanische Regierung am 11. Oktober über das Schiedsverfahren

Schindler ist der zweitgrösste Aktionär von Hyundai Elevator. Das Unternehmen hält laut Angaben im Jahresbericht knapp über 17 Prozent der Aktien. Der Wert der Beteiligung liegt bei 211 Millionen Franken.

Drei Gewinnwarnungen

Die Luzerner kauften sich 2006 mit über 25 Prozent bei der Firma ein. In der Folge stockten sie auf 35 Prozent auf. Zwischen 2013 und 2015 drückte das Management aber gegen den Willen von Schindler mehrere Kapitalerhöhungen durch. Der Aktienkurs von Hyundai Elevator sank. Schindler sah sich dreimal genötigt, eine Gewinnwarnung herauszugeben.

Die Schweizer führen ins Feld, dass das Management von Hyundai Elevator nicht im besten Interesse der Aktionäre gehandelt hat. Die zahlreichen Kapitalerhöhungen seien unnötig fürs Kerngeschäft gewesen. Sie hätten der Hyundai-Chefin Hyun Jeong Eun nur dazu gedient, die Oberhand in einer Familienfehde zu behalten.

Die Luzerner liessen nichts unversucht, um ihre Position klar zu machen. Sie spannten den Schweizer Botschafter in Korea ein und initiierten diverse Klagen. Der Liftbauer blitzte bislang aber vor allen Gerichten ab.

Schiedsverfahren eingeleitet

Das nun eingeleitete Schiedsverfahren folgt auf eine entsprechende Absichtserklärung vom Juli. Schindler reklamiert Untätigkeit bei der Finanzaufsicht. Die Behörde hätte keine Massnahmen ergriffen, um die Minderheitsaktionäre zu schützen. Schindler habe sechs Beschwerden bei der Finanzaufsicht eingereicht. Aber es folgte keine Untersuchung. Als Folge habe sich der Unternehmenswert massiv reduziert. Schindler spricht von einer Milliarde Franken, die der Familienstreit gekostet haben soll. 

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Das Schiedsverfahren wird als Hinweis darauf gewertet, dass Schindler nach Ablauf der Schiedsfrist eine vollwertige Investor-Staatsklage einleiten wird. Der Liftbauer hat eine koreanische und eine amerikanische Anwaltskanzlei zum gesetzlichen Vertreter ernannt. Ein ehemaliger Richter am Obersten Gerichtshof von Hongkong dient als Vermittler für Schindlers Seite. Die Firma schlägt das Hong Kong International Arbitration Center als Schiedsinstanz vor. 

Das Schiedsgericht wird aus drei Mitgliedern bestehen – den beiden Seiten und dem Vorsitzenden. Die koreanische Regierung plant, auf koreanischer Seite einen Schiedsrichter gemäss dem Freihandelsabkommen mit der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) auszuwählen.