Führt die Kontaktlos-Technologie bei Kreditkarten zu mehr Missbrauch? «Nein», sagt Santosh Ritter, Schweiz-Chef von Visa, im Gespräch mit der «Handelszeitung». Im Gegenteil. «Über sämtliche Zahlungen hinweg haben wir eine Betrugs-Rate von unter 0,1 Prozent», erklärt er. «Bei Kontaktloszahlungen hingegen liegt dieser Anteil in Europa sogar unter 0,01 Prozent.» Also bloss einem Zehntel des normalen Ausmasses. «Kontaktloskarten sind extrem sicher.»

Das etwas unerwartete Ergebnis – bei Kontaktloskarten reicht es, diese an ein Terminal zu halten, um eine Zahlung auszulösen – erklärt Ritter mit dem hohen Aufwand für einen Angriff. «Ein Angriff auf die Kontaktlos-Schnittstelle skaliert nicht.» Will heissen: Jede Karte, jeder Nutzer müsste einzeln angegriffen werden, um Zahlungen auslösen zu können. Und das ist aufwändig.

Anders ist das bei den derzeit beliebten Fishing-Attacken im Internet über gefälschte Websites. Einmal aufgestellt, läuft da die Betrugsmasche vollautomatisch. Das skaliert.

Im Corona-Jahr von März 2020 bis März 2021 seien die Betrugsfälle in Europa um 17 Prozent zurück gegangen, sagt Ritter. Als möglichen Grund nennt er die verschärften europäischen Vorschriften zu Online-Zahlungen, die unter anderem dazu geführt haben, dass Kreditkarten-Transaktionen zunehmend über eine App oder einen SMS-Code freigegeben werden müssen. Einen Einfluss könnte auch gehabt haben, dass die Schweizerinnen und Schweizer im vergangenen Jahr anders eingekauft haben, als sie vermehrt zu Hause und statt im Ausland in der Schweiz unterwegs waren.