Das Ziel ist gesetzt: Der Schuhhändler Karl Vögele, Betreiber von Vögele Shoes, soll schwarz schreiben. Bereits Ende des Jahres fordert der neue Eigentümer aus Polen einen positiven Gewinn.

Der Weg dahin ist aber lang. Noch klafft ein riesiges Loch in der Erfolgsrechnung. Das Minus übertrifft sogar die Erwartungen der neuen Besitzer, wie aus einer Investorenpräsentation hervorgeht. Für die ersten drei Monate des Jahres weist Karl Vögele einen negativen Gewinn vor Steuern aus. Um genau zu sein: Von Januar bis Ende März kumuliert sich ein Minus von 10 Millionen Zloty. Das sind umgerechnet 2,6 Millionen Franken.

Noch grösser ist das Defizit beim Nettogewinn. Bei dieser Kennzahl hat der traditionsreiche Schuhhändler aus Uznach SG in drei Monaten über 10 Millionen Franken verbrannt. Zum Vergleich: Der Umsatz betrug in der gleichen Periode 29 Millionen Franken.

Noch ein Vergleich: Im letzten eigenständigen Geschäftsjahr machte Karl Vögele knapp 6 Millionen Franken Minus. Allein in den ersten Monaten des Jahres 2019 hat Vögele also mehr Geld als im gesamten Jahr 2017 verloren.

Polnisches Diktat

Die Zahlen sind ein Desaster für den neuen Eigentümer. Karl Vögele ist aktuell das grösste Verlustgeschäft für die polnische CCC-Gruppe, zu deren Handelsimperium seit kurzem auch die Marke Gino Rossi, die Mehrheit des auf Damenschuhe spezialisierten Onlineshops Deezee und eine 30-Prozent-Beteiligung an der deutschen Reno-Mutter HR Group zählen.

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10 Millionen Franken zahlte die CCC-Gruppe 2018 für einen 70-Prozent-Anteil an Karl Vögele. Kaum war die Tinte auf dem Kaufvertrag trocken, begann der Umbau. Max Manuel Vögele gab das Präsidium ab, CEO Adrian Grossholz musste weichen.

Neu laufen die Fäden beim Finanzchef zusammen, wie die «Handelszeitung» berichtete. Dieser hat auch gleich den Bereich Finanzen neu aufgestellt. Gerüchten zufolge kam es am Hauptsitz zu Kündigungen im grossen Stil.

Entlassungen nach dem Kauf

Unklar ist, ob es einen Sozialplan gibt. Weder Unia noch Syna sind involviert. Konzernsprecherin Doris Rudischhauser will sich nicht dazu äussern. Konkrete Massnahmen und Entscheide dürften erst gegen Ende Juli oder Anfang August vorliegen, sagt sie.

Die Vögele-Familiensaga

Karl Vögele begann 1922 mit einer Schuhwerkstatt. 1953 lancierte Sohn Charles Vögele die Kleiderkette, die später an OVS und alsbald pleite ging. Bruder Max blieb bei den Schuhen und der Familien-AG. 2018 verkaufte Max Manuel Vögele, Sohn von Max Vögele, die Mehrheit am Schuhhändler nach Polen.

Max Manuel Vögele bleibt mit 30 Prozent an der Karl Vögele AG beteiligt. Zur Firma gehören die Marken Vögele Shoes, Bingo und Max Shoes. Neuer Mehrheitseigner ist Dariusz Milek. Er gehört zu den reichsten Polen. Der Slogan des Multimillionärs: «Der Preis macht Wunder wahr». Sein Übername: «Schuhkönig». Die wichtigste Kennzahlen seiner CCC-Group (Stand 31. März 2019): 1196 Filialen in 23 Ländern. Verkaufsfläche in der Summe: Fast 674'000 Quadratmeter. Das sind über 94 Fussballfelder. Mitarbeiter: mehr als 13'000. 

Was jetzt schon klar ist: Das Filialnetz wurde massiv gestrafft. 190 Stores zählte das Vögele-Netz Ende März laut Angaben der CCC-Gruppe. Die Fläche summierte sich auf knapp über 81 000 Quadratmeter. Neun Monate vorher, im Sommer 2018, zählte das Filialnetz 208 Läden und eine Fläche von fast 87 000 Quadratmetern.

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Heisst im Klartext: In neun Monaten hat der polnische Eigentümer 18 Stores geschlossen. Zwei pro Monat. Die verbleibenden Filialen funktionieren mit einem Minimum an Personal.

Ausserdem augenfällig ist das langsame Verschwinden der klassischen Markenartikel. Schuhe von Puma oder Adidas gibt es nur noch vereinzelt. Stattdessen dominieren Treter und Sandalen zum Billigtarif. Jedes dritte Paar ist kostenlos. Das Markenimperium aus Polen beherrscht das Bild. Meterhoch stapeln sich die Kartons von Lasocki oder Lanetti.

Der Wechsel im Sortiment soll Vögele wieder profitabel machen: 50 Prozent des Umsatzes möchte der Schuhhändler bis Ende 2019 mit polnischen Eigenmarken erzielen. Die Uhr läuft.

Bild aus einer Filiale

Schöne neue Vögele-Welt: Kartons türmen sich, Ausverkauf hat bereits begonnen, polnische Eigenmarken prägen das Bild.

Quelle: Handelszeitung