Rund 1 Milliarde Franken sind der Jacobs Holding durch den Teilverkauf von zehn Prozent am weltgrössten Schokolade- und Kakao-Produzenten Barry Callebaut zugeflossen. Innerhalb von drei Stunden waren die Aktien der Holding bei den neuen Investoren platziert.

Zu den neuen Aktionären zählt auch der Ontario Teachers' Pension Fund. Die kanadische Lehrer-Pensionskasse hält neu 2,85 Prozent an Barry Callebaut. Sie hat sich verpflichtet, die Aktien ein Jahr lang nicht zu verkaufen.

Die Käufer der restlichen Anteile sind noch nicht bekannt. Sofern es darunter Investoren gibt, die mehr als drei Prozent am Schoggiproduzenten halten, werden sie sich in den kommenden Tagen outen müssen. So schreiben es hier Regeln der Schweizer Börse SIX vor.

Doch neue Aktionäre hin oder her: Im Grunde haben sich die Macht- und Besitzverhältnisse bei Barry Callebaut kaum verändert. Die Gesellschaft wird weiterhin von der Familie Jacobs kontrolliert. Sie hält über ihre Holding immer noch 40,1 Prozent. Und weitere fünf Prozent werden direkt von Renata Jacobs gehalten. Bei Barry Callebaut führt also weiterhin kein Weg an den Jacobs' vorbei.

Gegengewicht zum zyklischen Geschäft von Barry Callebaut

Entsprechend interessiert viel mehr, wie die Holding den Erlös aus dem Teilverkauf investieren wird. Klare Ansagen dazu gibt es weder von den Co-Präsidenten der Familienholding, Philippe und Nicolas Jacobs, noch von ihrem operativen Chef, Patrick De Maeseneire.

Aber es gibt durchaus Hinweise, wie die Milliarde investiert werden könnte. Bereits im Interview mit der Handelszeitung im vergangenen März sagte Philippe Jacobs: «Für uns ist es enorm wichtig, in nichtzyklische Branchen zu investieren. Dies vor allem vor dem Hintergrund der Dividende, die vollumfänglich an die Jacobs Stiftung fliesst. Diese wollen wir verstetigen.»

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Damit ist klar: Die Familie will ein Gegengewicht zum zyklischen Geschäft von Barry Callebaut aufbauen. Erster Baustein dafür ist die Zahnarzt-Kette Colosseum Dental. Bereits heute ist Colosseum in Europa der grösste Anbieter von zahnmedizinischen Leistungen und hat erst im August einen Anbieter in den USA übernommen.

Zweiter Baustein der Verstetigungs-Strategie der Jacobs-Brüder ist Cognita, ein Anbieter von Privatschulen auf Primarstufe in Asien, Südamerika und Grossbritannien. Hier verfolgt die Holding das Ziel, zusammen mit zwei reichen Familien aus Belgien – den Frères und en Boërs – weitere Schulen zu kaufen und zu wachsen. Gemäss Nicolas Jacobs ist der Privatschul-Markt weltweit zwischen 400 und 500 Milliarden Dollar schwer. Im Premium-Segment, in dem Cognita aktiv ist, sind es noch immer 60 bis 80 Milliarden. Und der Markt ist attraktiv: «Der Markt wächst stark, er ist wenig zyklisch, kaum konsolidiert, erwirtschaftet gute Margen», sagte Nicolas Jacobs im Interview.

Ausbau des bestehenden Portfolios

Wird die Milliarde aus dem Barry-Verkauf also in den Ausbau dieser zwei Geschäfte fliessen? Andreas Hildenbrand, Sprecher der Jacobs Holding, bejaht dies indirekt: «Es ist klar, dass die Geschäfte, in denen die Familie bereits investiert ist, noch grosses Potenzial haben.» Zu Details äussert er sich nicht.

Sicher aber ist, dass die Holding nicht alles Geld in Cognita oder Colosseum stecken wird. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Jacobs Holding seit längerem über ein viertes Standbein nachdenkt und wohl bereits daran arbeitet. Firmenchef Patrick De Maeseneire kündigte vor kurzem in der «NZZ» an, dass man offen sei für neue Deals. Auch grössere Akquisitionen könnten es sein.

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Naheliegend wäre ein Einstieg in den Bereich Tiermedizin. Wie der Markt für Zahnmedizin ist er weltweit kleingewerblich organisiert, wächst insbesondere in den USA und China stark und bietet grosse Chancen durch ein Konsolidierung und Industrialisierung.

Tiermedizin? Radiologie? Augenheilkunde?

Allerdings ist das Investment-Thema Vet Care mittlerweile nicht mehr ganz neu. Der US-Nahrungsmittelhersteller und Tierfutter-Produzent Mars ist seit Jahren daran, sein Geschäft mit Tierkliniken zu ergänzen. Auch Nestlé – ebenfalls ein ganz grosser Tierfutter-Produzent – hat die Veterinäre für sich entdeckt. Und diverse Private-Equity-Häuser sind ebenfalls in der gleichen Mission unterwegs. Möglicherweise ist damit der Zug für die Jacobs-Brüder bereits abgefahren. Zumindest dürften die Assets durch die hohe Nachfrage mittlerweile so teuer sein, dass die Renditeerwartungen zurückgeschraubt werden müssen.

Also, was sonst? Einen Hinweis gibt das Beteiligungsportfolio von Telemos Capital, der privaten Investment-Gesellschaft von Philippe Jacobs mit Sitz in London. Telemos ist in die Schweizer Med Europa investiert, einer Kette von Radiologie-Praxen in Deutschland und Rumänien, spezialisiert auf Krebserkrankungen. Eine weitere Beteiligung hält Telemos an Sanoptis. Das Unternehmen ist das Pendant zu Med Europa oder Colosseum in der Augenheilkunde. Domiziliert in Pfäffikon am Zürichsee hat es Kliniken in Deutschland und in der Schweiz. Es ist durchaus denkbar, dass Telemos mit der Jacobs Holding diese beiden Geschäftsfelder europa- oder weltweit skalieren wird.