Alle reden über das neue iPhone – und ob es der ­Milliardenseller rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in die Läden schafft.

Dabei brütet Apple derzeit zwischen Cupertino und Genf noch etwas ganz anderes aus: Der Konzern will nachhaltiger und bis 2030 klimaneutral werden – bis ins letzte Glied seiner globalen Lieferkette. Schweizer Zulieferer müssen mitmachen, wenn Apple diese Ziele erreichen will.

Das Nachhaltigkeitsprogramm des US-­Konzerns ist gigantisch: Apple investiert Hunderte Millionen Dollar sowohl in grünen Strom aus Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen in den USA, China und Dänemark als auch in die Nachhaltigkeit seiner Lieferkette.

Nachhaltige Energien und Rohstoffe

Nicht nur Apple soll mit Strom aus erneuerbaren Energien arbeiten, der Konzern will das auch bei seinen Lieferanten durchsetzen. Und Rohstoffe in Bauteilen sowie Zubehör für iPhones, iPads, Apple Watches und Macbooks sollen nachhaltig und sozial­verträglich sein – ohne Kinderarbeit oder Korruption.

Apple macht jetzt Tempo und erhöht den Druck auf die Zulieferer, um seine Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Von der Initiative in der Schweiz betroffen sind mehrere Firmen, ohne deren Fabrikate Apple-Chef Tim Cook nicht vor die Kamera treten könnte, um die neuesten Gadgets vorzustellen.

Der Halbleiterhersteller ST Microelec­tronics mit Sitz in Plan-les-Ouates im Kanton Genf ist für Kernstücke der mobilen Apple-Produkte verantwortlich. Etwa für den Infrarot-Chip zur Gesichtserkennung oder den Halbleiter für kabelloses Laden.

Keine Airpods ohne Schweizer Zulieferer

Und auch ohne den Batteriehersteller Varta gäbe es nicht nur viele Apple-Produkte wie etwa die Ohrhörer Airpods Pro nicht – Varta liefert ebenso die Mikrobatterie an Apple. Die deutsche Varta operiert unter dem Dach der Montana Tech Components aus Reinach im Aargau.

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Der an der Schweizer Börse SIX kotierte Halbleiterhersteller AMS mit Sitz in Österreich liefert Sen­soren zu, der Rohstoff Gold für Gerätekomponenten kommt unter anderen von den Schweizer Goldraf­fi­nerien Argor-Heraeus, Produits Artis­tiques Métaux Précieux (Pamp) und ­Valcambi

«Die Peitsche ist klar: 2030 soll jeder Zulieferer komplett mit erneuerbarer Energie produzieren.»

Lisa Jackson, Apple-Managerin für Umwelt, Politik und soziale Initiativen

Apple würde seine Nachhaltigkeitsziele heillos verfehlen, wenn diese Lieferanten nun nicht auf ihre Ökobilanz achten oder genau auf die Herkunft der Rohstoffe schauen. Denn die Produkte und damit auch die Zulieferteile gehen in die Millionen Stück.

Dafür nimmt Apple seine ­Zulieferer an die Kandare: «Um unsere Richtlinien durchzusetzen, überprüfen wir jeden Punkt unserer Lieferkette und arbeiten eng mit den Zulieferern zusammen.» Im vergangenen Jahr hat Apple 1142 Überprüfungen bei Zulieferern in 49 Ländern durchgeführt.

Energie-Audits

Schweizer Firmen, die mit dem 2-Billionen-Dollar-Konzern im Geschäft bleiben wollen, müssen parieren. Mit den Worten der Apple-Managerin für Umwelt, Politik und soziale Initiativen, Lisa Jackson, im «Handelsblatt»: «Die Peitsche ist klar: 2030 soll jeder Zulieferer komplett mit erneuerbarer Energie produzieren.»

Bei Apple läuft das unter anderem unter dem sogenannten Energie-Effizienzprogramm, der Konzern führt bei seinen Zulieferern dazu Audits durch. Freundlich formuliert will das Unternehmen seine Zulieferer «schulen» und Möglichkeiten «ermitteln», die helfen, den Energieverbrauch zu reduzieren.

Dabei schaut der US-Gigant den Zulieferern bis in die letzten Winkel der Werkhallen hinein, lässt veraltete oder ineffiziente Heiz-, Kühl- und Beleuchtungssysteme austauschen und pocht auf die Reparatur von Druckluftlecks und auf die Rückgewinnung von Abwärme.

Windanlagen in Dänemark

«Die Bewertungen bringen den Lieferanten eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Umsetzung von Energieeffizienzverbesserungen», schreibt Apple. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Der Siegeszug der Apple Watch

Sechs Jahre nach der Einführung dominiert Apple bei Smartwatches den Markt. Und verkauft weitaus mehr als die Schweizer Uhrenindustrie. Mehr hier.

Der Apple-Konzern baut zudem zwei der weltweit grössten Windenergie­anlagen für die Versorgung seiner Rechenzentren in Dänemark, um noch grüner zu werden: 62 Gigawattstunden pro Jahr – genug, um fast 20'000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Überschüssige Energie wird in das dänische Stromnetz eingespeist. Und mit dem Investmentfonds DWS investiert Apple in neue umweltfreundliche Produktions- und Energie­anlagen in China. Das Investitionsvolumen: 300 Millionen Dollar bis 2022.

Schmutziges Gold?

Einzig die Schweizer Goldraffinerien könnten am Nachhaltigkeitsimage von Apple kratzen. Die Rechercheplattform Tech Transparency Project publizierte diesen September einen Bericht mit dem Titel «Apple’s Dirty Gold Problem».

Demnach sollen die drei erwähnten Goldhändler von der Firma Kaloti in Dubai Gold bezogen haben. Das Gold von Ka­loti stamme aus kriminellen Quellen, heisst es in dem Bericht.

Apple macht dazu klar: Wenn sich die Goldzulieferer nicht an die Vorgaben halten, fliegen sie aus der Lieferkette raus.

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